Eine Chance für die Musik

Direkt am Neustadtring liegt sie, die New Yorker Musische Akademie im CJD Braunschweig. Schon oft bin ich an dem großen Gebäude vorbeigefahren, ohne zu wissen, welche Schätze sich im inneren verbergen. Deshalb habe ich mich heute mit Uwe Gelowik, dem Fachbereichsleiter der Akademie, verabredet. Er zeigt mir die Akademie von Innen.

Vier Sparten

Freudestrahlend begrüßt mich Uwe Gelowik, als ich das Gebäude betrete. Zurzeit sind Sommerferien und die Flure leer. „Wir sind hier, wie beim Theater, ein Vierspartenhaus“, erklärt er mir gleich zu Beginn. Gemeint sind damit die vier verschiedenen Unterrichtssparten: Musik, Tanz, Kunst und Urban Culture. Insgesamt lernen hier 1.600 Kinder und Jugendliche, damit ist die Akademie eine der größten Institutionen für musische Bildung in unserer Region. Bei unserem Rundgang erfahre ich auch, dass die Akademie zum Verband Deutscher Musikschulen e. V. gehört – eine Auszeichnung für besondere Qualität und „All Steinway School“ ist.

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Überall in der Akademie hängen Kunstwerke von Schülerinnen und Schülern aus. Foto: BSM

Hier spielt die Musik

Aber nun möchte ich Genaueres zu den einzelnen Lehrbereichen erfahren. Mit 1.200 Schülern ist Musik momentan die größte Sparte der Akademie. „Im Bereich der Musikausbildung bieten wir fast alle Orchesterinstrumente an, wie zum Beispiel Geige oder Cello“, erklärt mir Uwe Gelowik. „Außerdem betreiben wir Ensemblearbeit, wir haben zum Beispiel ein Streichquartett und mehrere weitere kammermusikalische Ensembles.“ Neben dem Erlernen eines Musikinstrumentes kann aber auch Gesang in einem der drei Chöre geübt werden. Der Schwerpunkt der Akademie liegt dabei auf der klassischen Musik, aber auch Stilrichtungen wie Jazz, Rock und Pop werden gelehrt.

Als leidenschaftliche Tänzerin finde ich natürlich auch die Tanzsparte interessant. Den großen Tanzsaal mit federndem Boden und langer Spiegelfront darf ich deswegen auch besichtigen und bin wirklich beeindruckt, hier würde ich auch gerne üben. „Wir unterrichten alle Tanzstile – von klassischem Ballett, auf dem unser Schwerpunkt liegt, bis hin zu Modern, HipHop oder Breakdance“, erzählt der Fachbereichsleiter. Dann gibt es natürlich noch den Bereich der Kunst, für den in der Akademie einige Ateliers zur Verfügung stehen. Bei meinem Rundgang durch das 500 Quadratmeter große Gebäude entdecke ich immer wieder schöne Bilder an den Wänden. „Alles was Sie hier sehen, wurde von unseren Schülerinnen und Schülern gefertigt“, sagt Uwe Gelowik stolz. “Unser größter Bereich in der Kunst ist die Malerei, aber wir beschäftigen uns auch mit Bildhauerei und Fotografie.“

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Ein echter Traum für jeden Tänzer: der große Tanzsaal in der Akademie. Foto: BSM

Kontakt zur Szene

Neuerdings wird als vierte Sparte auch Urban Culture an der Musischen Akademie angeboten. Ich bin neugierig auf diesen Bereich, in dem Rap, Producing, moderne Tanzstile wie Popping, Videokunst und DJing gelehrt werden sollen. „Wir wissen, dass es in der Stadt eine unglaublich kreative Kulturszene gibt, die sich aber von Institutionen fernhält. Wir möchten junge Menschen mit diesem Angebot erreichen und ihnen anbieten, sich bei uns zu entwickeln“, erklärt mir Uwe Gelowik die Idee dahinter. Die Teilnehmer des Projekts sollen also die Möglichkeit erhalten, ihre eigene Kunst unter fachlicher Anleitung weiterzuentwickeln und auch Handwerkstechniken, wie zum Beispiel Tonleitern, professionell erlernen. Dafür wurden besonders qualifizierte Dozenten mit ins Boot geholt, wie Rapper Eins A oder Tänzer David White. Geleitet wird die Sparte von Jonathan Beddig, der unter dem Künstlernamen Johnny S schon seit vielen Jahren musikalisch in der Region unterwegs ist.

Das Urban Culture Projekt ist langfristig auf fünf Jahre ausgelegt und für alle Teilnehmer komplett kostenfrei. „Dadurch ist das Projekt auch bundesweit einzigartig“, berichtet der Fachbereichsleiter. Ein Fernziel des Projekts ist es, irgendwann komplette Produktionen mit Musikern, Rappern, Tänzern und Videokünstlern auf die Beine zu stellen und sie mit der Klassik zu verbinden. „Ein Rapper mit Streichquartett wäre sicherlich großartig! Es wäre schön, wenn die Grenzen einreißen würden und die Schülerinnen und Schüler aus der Klassik verstehen, dass Rap eine Kunstform ist und andersherum der Rapper merkt, dass Klassik cool sein kann“, wünscht sich der Fachbereichsleiter. Ab September soll Urban Culture an der Akademie starten. Bis zu 150 junge Menschen können mitmachen. Dafür wird momentan noch das Erdgeschoss umgebaut. „Wir haben viele gute Sponsoren, die diese Förderung möglich machen“, erklärt Uwe Gelowik.

Eine Chance für Jeden

So vielfältig die Angebote an der Akademie auch sind, nicht jede Familie in Braunschweig hat die Möglichkeit, sich eine erstklassige musische Ausbildung zu leisten – auch wenn sich ihr Kind genau diese von Herzen wünscht. Deshalb wurden einige Stipendienprogramme ins Leben gerufen. „Dank der Unterstützung von Friedrich Knapp und New Yorker können wir momentan ungefähr 100 Stipendien im Jahr an Kinder zwischen sechs und sechzehn Jahre vergeben, deren Eltern auf staatliche Transferleistungen angewiesen sind“, erzählt mir Uwe Gelowik.

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Alle Stipendiaten haben die Möglichkeit ihr Lieblingsinstrument zu lernen, zum Beispiel Klavier. Foto: BSM

Egal welche Sparte, egal welches Instrument – für diese Kinder stehen dann alle Türen offen. So können sie sich zum Beispiel ein Instrument aus dem Leihprogramm aussuchen und neben dem wöchentlichen Unterricht in der Akademie so oft sie möchten üben. Die Stipendiaten haben außerdem die Chance nicht nur ein Jahr, sondern langfristig gefördert zu werden. „Nach einem Jahr schauen wir uns die Entwicklung der Schüler an und sprechen mit den Lehrern über ihr Verhalten, zum Beispiel ob sie fleißig oder pünktlich sind. Wenn alles in Ordnung ist, erhalten sie weiterhin kostenlosen Unterricht. Wir wollen nur nicht, dass die Plätze von Kindern belegt werden, die kein Interesse haben und dadurch anderen diese Chance verwehrt bleibt“, erklärt Uwe Gelowik. Neun langjährige Schüler, die durch ihre Leistungen besonders aufgefallen sind, erhalten momentan an der Akademie sogar ein Leistungsstipendium, das ihnen zusätzlichen wöchentlichen Unterricht ermöglicht. „Das klingt nach sehr wenigen, aber diese Personen sind auf einem ganz anderen Level, sie üben täglich nach der Schule noch vier bis fünf Stunden.“

Neben diesen umfangreichen Stipendienangeboten gibt es auch eine Ensembleförderung durch die Mundstock Stiftung, bei der 66 Stipendien vergeben werden. Schüler der Akademie, die gerne noch etwas mehr lernen möchten, erhalten so die Möglichkeit, kostenfrei in einem Ensemble zu spielen. „Es ist sehr wichtig, dass unsere Schüler nicht nur im stillen Kämmerlein üben. Musik ist Kommunikation und sollte gemeinsam gelebt werden“, so Uwe Gelowik.

Vom Unterricht auf die Bühne

Im Jahr finden 60 bis 70 öffentliche Veranstaltung der Musischen Akademie statt. „Der Großteil bei uns im Gebäude, aber wir kooperieren auch mit der Johannes- und der Magnikirche, wir treten bei Magic Moments auf und haben in diesem Jahr unsere Tanzwelten in der Aula der neuen Oberschule organisiert“, berichtet mir Uwe Gelowik. Ein beliebtes Veranstaltungsformat ist „Open Stage“, eine Konzertreihe, die allen Schülern der Akademie ermöglicht einmal auf der Bühne vor Publikum zu spielen. „Die einzige Voraussetzung ist, dass sie ein Stück von Anfang bis Ende spielen können“. Auch bei internen Wettbewerben wie „Zeige deine Kunst“ können sich die Schüler beweisen und sogar ein ansehnliches Preisgeld gewinnen. „Außerdem motivieren wir unserer Schüler auch an öffentlichen Wettbewerben wie ‚Jugend musiziert‘ teilzunehmen“, fügt der Fachbereichsleiter noch hinzu.

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Bei der Veranstaltung „Open Stage“ kann jeder die Bühne erklimmen. Foto: BSM

Engagement über die Grenzen

Neben dem Unterricht im eigenen Haus engagiert sich die Akademie aber auch in vielen anderen Bereichen. Zum Beispiel mit dem Projekt „Wir machen die Musik“, dass Musikpädagogik kostenlos in Kindergärten und Grundschulen bringt oder mit „Musisch mobil“, künstlerischen Angeboten in Seniorenheimen. Da die Musische Akademie keine staatlichen Förderungen erhält, ist sie bei der Umsetzung dieser Projekte stets auf die tatkräftige Unterstützung von Sponsoren angewiesen.

Möchten Sie mehr über die Angebote der New Yorker Musischen Akademie im CJD Braunschweig erfahren? Dann schauen Sie doch zum Beispiel am Tag der offenen Tür am 15. September vorbei. Zwischen 14:00 Uhr und 18:00 Uhr laden offener Unterricht, Tanzvorführungen, Konzerte und Mitmachaktion zum Kennenlernen ein.

Informationen

New Yorker Musische Akademie im CJD Braunschweig
Neustadtring 9
38114 Braunschweig
Telefon: 0531-123 121 0
E-Mail: pfeil@musische-akademie.de

Titelbild: Hinter den Gemäuer der musischen Akademie verstecken sich viele spannende Geheimnisse. Foto: BSM

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