Der Umwelt zuliebe

Hand aufs Herz: Trennen Sie Müll? Wenn Sie nicht zu denjenigen gehören, die auch den Teebeutel wie selbstverständlich in seine Einzelteile zerlegen und in drei verschiedene Behälter befördern, dann geht es Ihnen wahrscheinlich wie mir: Dass Papier und Pappe vom Biomüll getrennt werden, ist einleuchtend, doch wohin mit Sperrmüll, Stahl, Metall oder Elektroschrott? Um dies zu klären und noch weitere Informationen über Recycling und Nachhaltigkeit zu erfahren, besuche ich heute den Recyclinghof von ALBA. Verabredet bin ich mit Holger Horn, Leiter der Logistik. Die ALBA Braunschweig GmbH ist eine Kooperation der Stadt Braunschweig und des internationalen Recyclingspezialisten ALBA Group. Seit 2001 ist das Unternehmen in Braunschweig für die Sammlung und Entsorgung der kommunalen Abfälle zuständig.

Aber bitte nachhaltig!

„Das Thema Nachhaltigkeit zieht sich durch alle Lebensbereiche: Vom Automobil bis zum Kaffeebecher“, erzählt mir Holger Horn. „Unsere Gesellschaft muss weg von den ‚Wegwerf-Produkten‘, hin zu mehr wiederverwertbaren Lösungen“, fährt er fort. Dabei sollte man oft nur sein eigenes Verhalten im Alltag überdenken: Die Plastiktüte beim Einkaufen, das in Brotpapier gewickelte Frühstücksbrot oder die Verwendung von Plastikflaschen.

Was können wir also tun, um im Alltag weniger Müll zu produzieren? „Jeder kann dazu beitragen. Es fängt mit den ganz kleinen Dingen an“, sagt Holger Horn und macht mir damit Mut, mit einfachen Mitteln auch meinen alltäglichen Müllverbrauch zu reduzieren. Schon zu früher Stunde ergibt sich die erste Chance: Statt den Kaffee in einen „To-Go-Becher“ zu füllen oder füllen zu lassen, einfach einen Thermobecher mitnehmen. Der ist auch „To-Go“ und kann wiederverwendet werden. Viele Bäckereien, Coffee Shops aber auch ALBA oder die Touristinfo bieten schicke Thermobecher an.

Das Konzept der Nachhaltigkeit findet sich auch in Geschäften wieder, wie beispielsweise bei Naturalou oder „Wunderbar unverpackt“, bei dem man die eigenen Behältnisse von Zuhause mitbringen und sich die Produkte hineinfüllen kann.

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Der Thermobecher in Braunschweig-Optik ist ein toller Begleiter für unterwegs. Foto: BSM

Clever recyceln

Doch auch wer sich vornimmt, im Alltag so wenig Müll wie möglich zu produzieren: Ganz ohne geht es meistens doch nicht. „Deswegen ist es wichtig, dass der produzierte Müll richtig und clever recycelt wird“, erzählt mir Holger Horn. Braunschweig nimmt bei dem Thema Nachhaltigkeit und Mülltrennung eine Vorreiterrolle ein: So wurde bereits im Jahr 2014 die Wertstofftonne in Braunschweig eingeführt. Im Gegensatz zum Gelben Sack dürfen hier neben Verpackungsabfällen auch Metalle und größere Kunststoffobjekte gesammelt werden. „Nach der Sortierung in bis zu 13 Fraktionen werden die Wertstoffe in Recyclinganlagen wiederverwertet. Das Besondere ist, dass in die Wertstofftonnen auch Putzeimer aus Plastik oder Kochtöpfe aus Metall befördert werden können. Dies reduziert das Restmüllvolumen und fördert die Wiederverwertung“, betont Holger Horn.

Auch in Sachen Bioabfall ist die Löwenstadt mit gutem Beispiel vorangegangen: Während die Biotonne in Deutschland erst seit drei Jahren verpflichtend ist, ist sie es in Braunschweig bereits seit 1991.

Entsorgungskonzept der Zukunft

Ein weiteres Projekt, das ALBA seit mehreren Jahren erfolgreich in Braunschweig umsetzt, ist der Ausbau der Unterflur-Stationen. Am Bankplatz befinden sich seit 2008 die unterirdischen Abfallbehälter, die ALBA initiiert und finanziert hat. „Die Bürgerinnen und Bürger können dort ihre Glasflaschen sowie größeren Papp- und Papiermüll wegwerfen. Auch die angrenzenden Gastronomiebetriebe können auf diese Weise ihren Abfall leicht entsorgen“, erklärt mir der Logistikleiter. „Geplant sind noch Stationen in der Lindentwete, am Inselwall und in der Adolfstraße“, verrät er. Die Unterflur-Stationen kommen nicht nur bei den Anwohnern gut an, sie steigern auch die allgemeine Aufenthaltsqualität. „Besonders dort, wo sich ein Sanierungsgebiet befindet, sind deswegen unterirdische Behälter gefragt“. Ein weiterer großer Vorteil ist, dass es unterirdisch viel mehr Platz für große Mengen Abfall gibt.

Am Bankplatz befinden sich die unterirdischen Abfallbehälter. Foto: BSM

Am Bankplatz befinden sich die unterirdischen Abfallbehälter. Foto: BSM

Das Entsorgungskonzept kommt auch älteren Menschen zugute. „An die ältere Bevölkerung müssen wir aufgrund des demografischen Wandels besonders denken“, so Holger Horn. Da Senioren die Klappe eines hohen Müllcontainers, wie wir ihn oft kennen, nicht mehr so leicht hochheben können, sind insbesondere die recht tief gelegenen unterirdischen Abfallbehälter praktisch. Neben den öffentlichen Unterflur-Konzepten ist ALBA derzeit mit den Wohnungswirtschaften im Gespräch um auch unterirdische Mülleimer in Wohngebieten umzusetzen.

„Mit den neuen Konzepten wie der Wertstofftonne und den Unterflur-Stationen befinden wir uns momentan im Stadium der Entsorgungswirtschaft 2.0. Die nächsten Ziele sind, die Digitalisierung mit computergestützten Fahrassistenzsystemen und die Automatisierung weiter voranzutreiben. „Letzteres ist allerdings noch Zukunftsmusik. Die Praxistauglichkeit muss erst noch untersucht werden“, erzählt der Entsorgungs-Experte.

Ein Besuch auf dem Recyclinghof

Nachdem ich nun in Sachen Recycling gebrieft wurde, begleite ich Holger Horn auf den Recyclinghof. Dort befindet sich eine von zwei Kleinannahmestellen in Braunschweig. Die Container sind ausgeschildert mit Pappe, Papier, Elektroschrott, Biomüll, Sperrmüll, Garten- und Bauabfällen. „Bürgerinnen und Bürger können zu unserer Kleinannahmestelle kommen und den Müll wegbringen, der für die selbstständige Entsorgung zu groß ist oder für den sie nicht die passende Tonne haben“, erzählt Holger Horn. „Das alles ist der Müll der letzten Woche“, sagt er und deutet auf die riesigen Container. Ich staune nicht schlecht, was sich alles in einer einzigen Woche ansammeln kann. „Darf man eigentlich etwas von dem Müll mitnehmen, wenn man es noch als brauchbar empfindet?“ rutscht es mir raus. „Wir von ALBA haben einen städtischen Auftrag, somit ist alles, was sich hier befindet, auch Eigentum der Stadt Braunschweig“, erklärt er mir daraufhin.

Der Besuch beim Recyclinghof hat mir vor Augen geführt, wie viel Müll jeder von uns tagtäglich produziert. Dass Müll entsteht, können wir zwar nicht vermeiden, doch mit kleinen Kniffen im Alltag können wir diesen durchaus reduzieren.

Titelbild: Wer es clever anstellt, kann seinen alltäglichen Müllverbrauch reduzieren. Foto: Pixabay

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