Einkaufen ohne Verpackung

Seit kurzem hat Braunschweig seinen ersten Supermarkt, der ohne Verpackungsmüll auskommt. Bei „Wunderbar unverpackt“ gibt es fast alles für den täglichen Bedarf – nur eben ohne Verpackung. Das Konzept habe ich schon in Berlin und Hamburg entdeckt und jedes Mal gedacht: Wie praktisch! Wenn ich Brot backen will, muss ich nicht immer die Kilopackung Vollkornmehl kaufen, sondern kaufe nur die im Rezept vorgeschriebenen 500 Gramm. Oder ich kaufe nur 100 Gramm Rosinen für den Kuchen, anstatt die 250-Gramm-Tüte, die dann monatelang angebrochen in meinem Küchenschrank liegt und irgendwann entsorgt wird.

Nun gibt es also auch einen Unverpackt-Laden in Braunschweig. Gleich in der ersten Woche statte ich dem Laden einen neugierigen Besuch ab. Wie einen Tante Emma-Laden stelle ich mir „Wunderbar unverpackt“ vor, mit vielen Gefäßen hinter einer großen Theke, geleitet von einer resoluten, dunkelhaarigen Dame mittleren Alters. Umso erstaunter bin ich, als ich den Laden betrete und mir eine blonde, junge Frau entgegentritt. Denise Gunkelmann ist gerade einmal 28 Jahre alt. Mit meiner Vorstellung hat sie wenig gemein, außer vielleicht die Willensstärke und den Mut, den es bedarf, um einen eigenen Supermarkt zu eröffnen.

Ein ganz anderes Einkaufserlebnis

Auch ist „Wunderbar unverpackt“ anders eingerichtet, als ich es mir vorgestellt habe. Weniger Tante Emma, dafür mehr moderne Farben, offene Regale und mit einer gemütlichen Sitzecke für einen Kaffee oder frischen Kakao. Rechts neben dem Eingang steht eine Waage, hier wiegen die Einkäufer ihre Leerbehälter, kleben ein Etikett drauf und kaufen ein. Vorne gibt es Obst, Gemüse und Eier, danach folgen Müsli, Mehl, Zucker, Nudeln, Reis etc. Natürlich gibt es auch Schokolade und anderes Naschwerk. Und Marmelade im Glas. „Glas ist als Verpackung nicht schädlich“, erklärt mir Denise Gunkelmann. „Entweder bringt man das Glas als Leerbehälter wieder mit oder es kommt in den Mehrweg-Kreislauf. Deswegen gibt es bei uns auch Produkte wie Marmeladen, Saucen oder auch Getränke.“

Behälter mitbringen, Leergewicht abwiegen und einkaufen. So einfach ist Einkaufen ohne Verpackungsmüll.

Behälter mitbringen, Leergewicht abwiegen und einkaufen. So einfach ist Einkaufen ohne Verpackungsmüll.

Nicht reden, einfach mal machen!

Auf meine Frage nach ihrer Motivation, einen Unverpackt-Laden zu eröffnen, antwortet Denise Gunkelmann: „Ich habe mich schon sehr lange damit auseinandergesetzt, wo der Plastikmüll eigentlich landet, den wir produzieren. Was passiert mit den Ozeanen, Seen und Flüssen und den Tieren und Pflanzen, die darin leben. Also habe ich selbst angefangen, Plastik zu reduzieren.“ Denise Gunkelmann kauft die meisten ihrer Lebensmittel auf dem Markt ein und dort, wo es erlaubt ist, eigene Behälter mitzunehmen. Aber trotzdem verbrauchte sie – als Vegetarierin auf Nüsse und Hülsenfrüchte angewiesen – immer noch viel Plastik.

Einfach machen! Das ist das Motto von Denise Gunkelmann, Inhaberin von Wunderbar unverpackt.

Einfach machen! Das ist das Motto von Denise Gunkelmann, Inhaberin von Wunderbar unverpackt.

„Meine Schwester lebt in Hamburg und als ich sie Anfang 2016 besuchte, haben wir in einem Bio-Markt ohne Verpackungsmüll eingekauft. Wir haben dann rumgesponnen und uns ausgemalt, dass ich so einen Markt in Braunschweig eröffne. Als ich dann wieder zurück war, dachte ich: Warum eigentlich nicht? Nicht immer nur reden, einfach mal machen!“ Und das ist die Geburtsstunde von „Wunderbar unverpackt“.

1.000 Produkte des täglichen Bedarfs

Als ausgebildete Industriekauffrau und mit einem abgeschlossenen BWL-Studium ist ihr das Kaufmännische nicht fremd. Die ansprechende Produktpräsentation im Laden lässt sich auf ihren Master in Wirtschaftspsychologie zurückführen. Fehlen zum eigenen Supermarkt nur noch die Produkte.

„Als Vegetarierin habe ich mich schon immer mehr mit Essen auseinandergesetzt, als es vielleicht die meisten tun würden. Und dann war mir auch klar, dass ich, wenn ich schon einen Lebensmittelladen eröffne, auch möglichst viele Lebensmittel des täglichen Bedarfs anbiete. Damit Veganer nicht doch wieder auf die Packung Hülsenfrüchte zurückgreifen müssen.“ Also beschäftigte sie sich ausgiebig mit Lebensmitteln, ihrer Lagerung und der Haltbarkeit. Im Sortiment befinden sich jetzt mehr als 1.000 Produkte.

Neben Lebensmitteln gibt es hier auch Pflegeprodukte oder Reinigungsmittel. Neben der Kasse kann man sich biologischen Badreiniger abfüllen oder Glasreiniger oder Waschmittel. In einem weiteren Regal stehen Zahnbürsten, daneben liegt Shampoo und Seife. Nur Fleisch gibt es hier nicht zu kaufen sowie zu Anfang noch kein Brot. „Ich möchte nicht so viele Lebensmittel verschwenden“, sagt Denise Gunkelmann.

Kopf, Bauch, Herz – alles passte zusammen

Nachdem der Mut da war, einen eigenen Laden zu eröffnen, begann für Denise Gunkelmann die Arbeit. Ein Lokal musste gefunden, Lieferanten ausgesucht und Waren ausgewählt werden. „Von der Wirtschaftsförderung habe ich einen Gründungszuschuss bekommen, damit ich die ersten Waren bestellen konnte. Dann musste der Laden noch eingerichtet werden, was ich ohne meine Familie und Freunde gar nicht geschafft hätte. Wir haben in vielen Nachtschichten hier gewerkelt und gebaut. Aber es hat sich gelohnt.“

Wie sich herausstellt, bin ich nicht die einzige, die sich über die Neueröffnung freut. Immer wieder kommen Kunden in den Laden, schauen sich staunend um, um dann Denise und ihrer Mitarbeiterin zu danken: „Toll, dass es jetzt sowas in Braunschweig gibt. Ich wünsche Ihnen viel Glück!“, „Ich habe davon in der Zeitung gelesen und wollte mal vorbeischauen. Morgen komme ich mit Behältern wieder, um einzukaufen.“

Informationen

Wunderbar unverpackt
Fallersleber Straße 36
www.wunderbar-unverpackt.de

Öffnungszeiten
Mo.-Fr.: 10:00 – 18:30 Uhr
Sa.: 09:30 – 16:30 Uhr

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