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Grünes Löwenherz

Louisa Dellert vor ihrem Laden naturalou. Foto: BSM

Demos in Berlin, ein Ladengeschäft in Braunschweig, Termine in ganz Deutschland und eine Konstante: Louisa Dellert hält ihr Leben, ihre Gedanken und Ziele seit vielen Jahren in einem Blog fest. Sich für Themen stark zu machen – das ist ihre Leidenschaft. Besonders begeistert schreibt sie über Nachhaltigkeit und Selbstliebe. In Braunschweig eröffnete sie im April 2018 ihren eigenen Concept Store naturalou. Dort besuche ich sie heute, um mit ihr über die Region, die ersten Schritte in ein nachhaltigeres Leben und ihr politisches Engagement zu sprechen.

Als ich mein Rad vor naturalou anschließe, werde ich doch ein wenig nervös: Louisa Dellert ist schließlich ein echter Star der deutschen Bloggerszene. Mit über 350.000 Followern erreicht sie allein auf Instagram mit jedem Post 100.000 Menschen mehr, als in ganz Braunschweig leben. Schon verrückt, oder? Aber als Louisa Dellert mir die Ladentür ihres nah am Botanischen Garten gelegenen Shops öffnet, legt sich meine Aufregung schnell: Sie stellt sich als Lou vor, bietet mir etwas zu trinken an und wir unterhalten uns erst einmal darüber, dass sie gerade erst aus Berlin von der #Klimawache-Demonstration zurück in Braunschweig ist.

Fitness, Umwelt, Selbstliebe – Oder: einfach nur Lou

Louisa Dellert freut sich, dass sie sich mit naturalou eine Ladenfläche im östlichen Ringgebiet sichern konnte. Foto: BSM

Louisa Dellert freut sich, dass sie sich mit naturalou eine Ladenfläche im östlichen Ringgebiet sichern konnte. Foto: BSM

„Ich kenne die Klimawache durch eine Bekannte“, erzählt sie. Um das Projekt mit ihrer Reichweite auf Social Media zu unterstützen, ist Louisa Dellert gerne dabei. Wie kam sie aus der Fitness-Szene zu diesem politischen Engagement? „Man packt mich immer in eine Schublade, ob Fitnessbloggerin, Selbstliebebloggerin oder Nachhaltigkeitsbloggerin. Dabei bin ich einfach nur Lou. Fitnessbloggerin war ich, weil ich abnehmen wollte, dann kam meine Herz-OP und dann habe ich mich halt für meinen Körper interessiert, damit ich ihn besser akzeptieren kann, wie er ist. Und dann interessierte mich persönlich das Thema Nachhaltigkeit. Deswegen habe ich das auch geteilt.“

Louisa Dellert steht also eher für Authentizität als für den perfekten Influencer-Masterplan. „Eigentlich sieht man im Internet nur das, was ich privat so durchlebe und was mich beschäftigt. Vielleicht finde ich in zwei Jahren ein ganz anders Thema interessant, und dann würde ich darüber auch auf meinem Blog erzählen. Meiner Meinung nach funktioniert ein Blog oder auch Instagram sowieso nur, wenn man authentisch und persönlich ist und für ein Thema brennt“.

naturalou –Treffpunkt, Laden, Bücherei

Holz, weiße Wände und persönliche Beratung: naturalou soll ein Treffpunkt für Nachhaltigkeits-Interessierte sein. Foto: BSM

Holz, weiße Wände und persönliche Beratung: naturalou soll ein Treffpunkt für Nachhaltigkeits-Interessierte sein. Foto: BSM

Zu ihrem Laden naturalou kam Louisa Dellert, weil sie ein Büro und eine Ausstellungsfläche suchte. Das kleine Geschäft in der Kasernenstraße, direkt gegenüber vom Botanischen Garten, kam ihr da gerade recht. Beim Hineinkommen hat man direkt alles im Blick: Eine kleine aber feine Auswahl an Utensilien zum nachhaltigen Leben wie Geschirrbürsten aus Naturmaterialien, Seifenstücke, Einkaufnetze und Co., eine Kleiderstange mit 2nd-Hand-Kleidung und eine kleine Bücherauswahl zum Ausleihen teilen sich den mit viel Holz ausgestatteten gemütlichen Raum. Auch ein Tisch mit einem Laptop hat hier seinen Platz. Louisa Dellert erzählt, dass naturalou aber nicht ausschließlich ein Laden sein soll, sondern auch ein Treffpunkt für an Nachhaltigkeit interessierte Leute, in dem man sich austauscht und lernt.

Nachhaltigkeit: Wo fange ich an?

Seifen und Co.: Einfache Schritte in Richtung Nachhaltigkeit. Foto: BSM

Seifen und Co.: Einfache Schritte in Richtung Nachhaltigkeit. Foto: BSM

Nachhaltiger zu leben ist auch ein persönliches Ziel von mir. Aber das Thema ist so vielschichtig, dass ich manchmal einfach aufgeben will. Ob in der Küche, im Bad, beim Waschen, Reisen, Kaufen, beim Abschließen von Strom- und Gasverträgen: Überall gibt es eine nachhaltigere Alternative – oder zehn. Deswegen bin ich gespannt, was Louisa Dellert mir als Einsteigerin rät. „Das Thema Nachhaltigkeit ist für viele nicht greifbar,“ sagt sie. „Deshalb ist es wichtig, nicht von 0 auf 100 zu gehen. Ich habe mich anfangs zu sehr unter Druck gesetzt und hatte dadurch zwischenzeitlich einfach keine Lust mehr.“ Und sich mit anderen zu vergleichen bringe langfristig nichts: „Man sollte nicht so sehr auf andere gucken, sondern auf das, was man selbst tun kann.“ Na, das muss ich mir wohl auch zu Herzen nehmen. Louisa Dellerts wichtigste Botschaft: „Jeder kann was tun. Wir müssen nur damit anfangen.“

Bürsten als Holz mit wechselbarem Kopf - ein Beispiel für nachhlatigere Alternativen für Küche und Bad. Foto: BSM

Bürsten als Holz mit wechselbarem Kopf – ein Beispiel für nachhlatigere Alternativen für Küche und Bad. Foto: BSM

Doch wo kann man am besten anfangen? Einen universellen Startpunkt gibt es nicht. Hauptsache, man fängt überhaupt an! So sieht es jedenfalls Louisa Dellert und hat selbst klein angefangen: „Ich habe zum Beispiel statt Flüssigseife in Plastikverpackung ein Seifenstück ins Bad gelegt. Nachhaltig leben bedeutet erstmal zu schauen, was man besser machen kann. Das ist viel Recherche, viel Lesen, viel Fragen. Und wenn man das gemacht hat, kann man nachgucken, wie man seinen Alltag nachhaltiger gestalten könnte.“ 

Weniger Müll produzieren und Zukunftsvisionen

Blog, Social Media, Print - Louisa Dellert hat über ihren Weg zu mehr Nachhaltigkeit auch ein Buch geschrieben. Foto: BSM

Blog, Social Media, Print – Louisa Dellert hat über ihren Weg zu mehr Nachhaltigkeit auch ein Buch geschrieben. Foto: BSM

Ein großes Schlagwort ist gerade „Zero Waste“, also „Null Müll“. Die Bewegung kommt eigentlich aus der Industrie und hat es sich zum Ziel gesetzt, Müll komplett zu vermeiden. Louisa Dellert findet das, gerade zum Einstieg, etwas extrem: „Ich nenn es lieber ʻless wasteʼ [weniger Müll], weil es super anstrengend ist, gar keinen Müll zu produzieren. Man sollte erst einmal anfangen und gucken, ob man seinen Müll minimieren kann – vielleicht ist ja am Ende des Monats weniger im Mülleimer.“ Wahrscheinlich ist es genau das, was Louisa Dellert so sympathisch und erfolgreich macht: Sie hält keine dogmatischen Vorträge, sondern bringt Steine ins Rollen. Ihr Buch „Mein Herz schlägt grün“ hat sie geschrieben für „alle Menschen, die keinen Bock auf einen erhobenen Zeigefinger haben.“

Liebe zur Region: „Braunschweig ist das Geilste!“

Ausleihen statt Kaufen: Eine kleine Bücherei im Laden hilft, den Einstieg in ein nachhaltigeres Leben zu vereinfachen. Foto: BSM

Ausleihen statt Kaufen: Eine kleine Bücherei im Laden hilft, den Einstieg in ein nachhaltigeres Leben zu vereinfachen. Foto: BSM

Bei ihren vielen Reisen, die Louisa Dellert nach Berlin, in andere Metropolen und auch in die Welt unternimmt, muss ich sie zum Abschluss einfach fragen: Warum hast du dich für die Region entschieden? „Weil ich mich hier einfach wohlfühle. Ich liebe Braunschweig. Braunschweig ist halt so das geilste Mittelding zwischen Dorf und Großstadt.“ Louisa Dellert ist gebürtige Wolfenbüttelerin, lebte länger im Östlichen Ringgebiet der Löwenstadt und jetzt in Hornburg, wo sie ihre Kindheit verbrachte. „Würde ich jetzt nicht so schön in Hornburg wohnen, wäre ich sicherlich wieder ins Östlichen Ringgebiet gezogen. Deswegen hat das mit dem Store hier so gut gepasst, weil es einfach die schönste Ecke ist. Hier ist es einfach Zuhause für mich.“ Bei all der Liebe für die Region: Was würde Louisa Dellert sofort in Braunschweig ändern, wenn sie es könnte? „Ich würde ein Re-Cup-System und Fahrradverleih-Stationen einführen. In Bremen arbeiten Hotels und Restaurants daran, Resteessen an Bedürftige abzugeben. Das wäre auch gut.“

Louisa Dellerts beste Tipps für mehr Nachhaltigkeit in Braunschweig

Zum Abschluss frage ich Louisa Dellert noch nach ihren besten Tipps für nachhaltiges Leben in Braunschweig. „Auf jeden Fall der Unverpackt-Laden, Oxfam und Fair in Braunschweig.“
Auch ihre liebsten Apps habe ich herausbekommen:

  • Codecheck: Dort können Sie kontrollieren, ob in einem Produkt beispielsweise Mikroplastik enthalten ist.
  • Good on You: Hier können Sie herausfinden, wie ethisch und nachhaltig Modeunternehmen arbeiten)
  • Replace Plastic: Mit dieser App können Sie im Supermarkt Produkte scannen und die Hersteller dazu auffordern, Plastik wegzulassen.
  • Einkaufsratgeber Fisch von Greenpeace: Hier können Sie nachlesen, welche Fischprodukte keine Überfischung und weniger umweltzerstörendende Fangmethoden mit sich bringen.
  • NABU Siegel-Check: Falls auch Sie mal vor lauter Siegeln nicht mehr wissen, welches wirklich etwas taugt.

Noch ein paar Empfehlungen: Louisa Dellerts liebsten Blogs zum Thema Nachhaltigkeit sind Daria Daria und der Blog der Original-Unverpackt-Gründerin Milena Glimbovski.

Seifensäckchen sorgend dafür, dass die Seife schön schäumt und auch die letzten Reste aufgebraucht werden. Foto: BSM

Seifensäckchen sorgend dafür, dass die Seife schön schäumt und auch die letzten Reste aufgebraucht werden. Foto: BSM

Wenn Sie Tipps zu nachhaltigem Leben, am besten sogar konkrete Tipps für Braunschweig, teilen möchten, freue ich mich sehr darüber. Aus meinem Gespräch mit Louisa Dellert nehme ich neue Motivation für meinen persönlichen Weg zu mehr Nachhaltigkeit mit und hoffe, dass auch Sie bestärkt sind: Jeder kleine Schritt zählt!

naturalou
Kasernenstraße 20 38106 Braunschweig
Öffnungszeit: Montag 11-18 Uhr
naturalou auf Facebook
naturalou-Blog

Titelbild: Louisa Dellert vor ihrem Laden naturalou. Foto: BSM

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