Sankt Magni

Am Anfang standen 95 Thesen – am Ende eine veränderte Gesellschaft. Die Welt ist im Wandel. Im Jubiläumsjahr der Reformation ist uns das bewusster denn je: Wir blicken zurück auf eine Zeit der Umbrüche, eine Zeit der Veränderungen. Doch betrachte ich die reformatorischen Entwicklungen in der Braunschweiger Vergangenheit, fällt mir auch eines auf: Nicht alles ist Vergangenheit, noch heute gibt es Zeugen der Geschichte. Sie können nicht sprechen und doch erzählen sie uns von zurückliegenden Ereignissen, wenn wir hinschauen …

Das Reformationsjahr ist für mich also nicht nur ein Anlass, Veränderungen und Wandel zu betrachten, sondern lässt mich auch einen Blick auf das Beständige werfen und damit die Serie „Monumente der Löwenstadt“ weiterführen: Wir begeben uns auf die Spuren der Geschichte, die Braunschweigs altehrwürdige Gebäude in sich verbergen.

Vor allem in ihnen zeigt sich die mehr als 1.000 Jahre alte Entwicklungsgeschichte der Stadt. Die Burg Dankwarderode, die jakob-kemenate, aber auch die vielen Kirchen sind – unabhängig von religiösen Aspekten – mit ihrer jahrhundertealten Geschichte Zeugen der Entwicklung Braunschweigs, haben unzählige Herrscher und mitunter stürmische Zeiten überdauert und mussten bisweilen auch architektonische Trends der jeweiligen Epochen über sich ergehen lassen. Nur wenige Gebäude haben die Veränderungen in der Löwenstadt miterlebt, ohne ihnen zum Opfer zu fallen. Die historischen Bauwerke einer Stadt erzählen also noch heute Teile ihrer Geschichte – ein wertvolles Gut, das fernab jeglicher religiösen Empfindung einen Besuch lohnt.

Folge 2: St. Magni

Auf der Suche nach geschichtsträchtigen Gebäuden spaziere ich in das Magniviertel. Führt mein Weg mich am Magnikirchplatz vorbei, versetzt mich der beeindruckende Kirchenbau der Sankt Magni in eine andere Zeit. In welche genau, lässt sich aber nicht ganz einfach beantworten. Schon fast tausend Jahre steht an dieser Stelle eine Kirche, ursprünglich eine des alten Herrendorfes Brunswiek, das später zum Weichbild Altewiek wurde. Reste der ursprünglich kleinen Kirche sind nur noch im Fundament enthalten – 1252 wurde hier eine Hallenkirche eingeweiht, die der bekannte Braunschweiger Architekt und Stadtbaurat Ludwig Winter später im 19. Jahrhundert restaurierte. Doch auch der Zweite Weltkrieg forderte seinen Tribut und insbesondere der Bombenangriff vom 23. April 1944 beschädigte die Kirche so stark, dass der Wiederaufbau ab 1956 einem Neubau gleicht – lediglich der Westbau mit dem Turm und das Chorhaus blieben bestehen. Der Rest ist in modernerer Form erbaut.

Die Geschichte, die die Kirche erzählt, beeinträchtigt das nicht, im Gegenteil: Im Inneren befinden sich noch immer zahlreiche Zeugnisse der bewegten Geschichte dieser Kirche. Das bronzene Taufbecken von 1468 war im Zuge der Reformation Schauplatz der ersten Taufe in deutscher Sprache, im Glockenhaus hängt die Magnusglocke aus dem Jahr 1335, die älteste Glocke des Braunschweiger Landes, und den Hochalter bauten zwei bekannte Braunschweiger Bildhauer des Barocks im 18. Jahrhundert – Anton Detlev Jenner und Matthäus Heinrich Vetten.

Das sind längst nicht alle sehenswerten Details: Wenn Sie wie ich auf den Spuren der Geschichten wandeln möchten und die Sankt Magni-Kirche besuchen, vergessen Sie nicht einen Blick auf das Buntglasfenster von Gottfried Stockhausen zu werfen, das den Zug der Kinder Israels durch das Rote Meer zeigt. Und beachten Sie die Plastik „Der Rufer“ von Bodo Kampmann am Giebel des Chors. Und gehen Sie nicht an den Epitaphien vorbei oder an dem Kruzifix … Ach, schauen Sie einfach selbst!

Beitragsbild: BSM / Gerald Grote

3 Kommentare zu “Sankt Magni

  1. Thomas Ostwald sagt:

    Bauwrn earen kene „Herren“, sondern Hörige. Demzufolge war es das Dorf der Hörigen, das sich lautmalerisch zum „Heerendorf“ veränderte, also das genaue Gegenteil vom Ursprung.

  2. Thomas Ostwald sagt:

    Was versteht man denn unter einem Herrendorf?

  3. Stephanie Horn Stephanie Horn sagt:

    Der Begriff „Herrendorf“ bezeichnet hier ein früheres Dorf nördlich der heutigen Kirche. Dort hatten sich Bauern angesiedelt, die die Burg Dankwarderode versorgten.

Hinterlassen Sie einen Kommentar

© Braunschweig Stadtmarketing GmbH (BSM)