Licht- und Schattenspiele

Endlich leuchten sie! Die Kunstwerke des Lichtparcours Braunschweig 2016 erstrahlen seit Samstag in vollem Glanz und warten darauf, von Ihnen besucht zu werden. Ob mit dem Boot, dem Rad oder zu Fuß, ob vormittags, nachmittags oder nachts, ob in eins oder in Etappen – wie Sie den Lichtparcours entdecken, bleibt Ihnen überlassen.

Ich werde auf jeden Fall die Perspektive wechseln und werde mit dem Floß die Kunstwerke von der Oker aus bestaunen. Jetzt aber schwinge ich mich auf mein Fahrrad und nehme Sie mit entlang des Lichtparcours-Rundgangs zu allen Kunstwerken im Stadtgebiet. Lediglich „The Portal“ von Studio Drift am Kornspeicher im Hafen Braunschweig-Veltenhof liegt nicht auf der Route.

Wir beginnen am Schlossplatz mit dem kontroversen Kunstwerk von Alfredo Jaar. An der Schlossfassade hängt weithin sichtbar der Schriftzug Kultur=Kapital. Damit bezieht er sich auf Joseph Beuys´ These Kunst = Kapital. Schon in Miami, Helsinki und Turin leuchteten die Wörter in den jeweiligen Landessprachen an Gebäuden und eröffneten einen gesamtgesellschaftlichen Diskurs über Kultur.

Weiter geht es, wir umrunden das Staatstheater und fahren in den Theaterpark. Schade, dass der Park erst unser zweiter Halt ist. Schließlich eignet er sich hervorragend für ein Picknick am Ufer der Oker. Von hier aus lässt sich auch ein weiteres Kunstwerk bestaunen: Yvonne Goulbier hat für den Lichtparcours 2006 unter die Jasperbrücke rote LED-Blumen gehängt. Weiter den Park hinauf, zwischen den Bäumen, kommen wir bei einer Arbeit an, die für den aktuellen Lichtparcours entstanden ist. Hier leuchtet Kevin Schmidts „…But No One´s Home“. Das Gartenhaus Haeckel ist über und über behangen mit Lichterketten, zu elektronischen Klängen entstehen geometrische Lichtmuster.

Lichtkunst von Kevin Schmidt. Lichtparcours Braunschweig 2016

Weihnachten im Sommer: Das Gartenhaus Haeckel wird von Kevin Schmidts Installation „…But No One´s Home“ erleuchtet. Foto: BSM/Marek Kruszewski

Über den Fallersleber-Tor-Wall gelangen wir zum Gelände der TU Braunschweig. Wir biegen direkt nach Überqueren der Oker links ab, um auf den Rad- und Fußweg zur Installation von Tomás Saraceno, Bernd Schulz und Studierenden zu kommen. Vorbei an Satelliten, die uns daran erinnern sollen, dass wir vielleicht nicht die einzigen intelligenten Lebewesen im Universum sind, geht es weiter in Richtung Westliches Ringgebiet.

Satelliten beim Lichtparcours Braunschweig 2016

Schwimmende Plattformen, die im Dunkeln wie Ufos leuchten: das Kunstwerk „Satelliten“ von Tomás Saraceno, Bernd Schulz und Studierende. Foto: BSM

Wir werfen Carl Friedrich Gauß einen kurzen Gruß zu, der auf dem Hügel zu unserer rechten thront. Die Schubertstraße hoch, bis zur Bammelsburger Straße. Die Route führt uns eigentlich nach links in den Inselwallpark, uns aber ruft ein Erfrischungsgetränk im Café Fräulein Wunder. Wer an Proviant gedacht hat, kann hier auch ein Picknick im wunderschön angelegten Inselwallpark machen. Hier befindet sich auch „you and me, wandering on the snake´s tail“ von Thilo Frank. Der kreisförmige Weg wird von 44 Holzrahmen bestimmt. Licht und Schatten wandern je nach Tageszeit und verändern das Raumgefühl der Betrachterinnen und Betrachter.

Thilo Frank: "You and me, wandering on the snake´s tail" beim Lichtparcours Braunschweig 2016

Hinein in die Holzkonstruktion von Thilo Frank: „You and me, wandering on the snake´s tail“ verändert sich zu jeder Tageszeit. Foto: BSM

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Bei Nacht leuchtet die Holzkonstruktion von Innen. Thilo Frank „You and me, wandering on the snake´s tail“. Foto: BSM/Marek Kruszewski

Den Park verlassen wir in Richtung Süden auf den Petritorwall. In der Nähe des Café Merhaba, das in idyllischer Atmosphäre köstliche türkische Leckereien serviert, hat Andreas Fischer seine Arbeit „OWN-AUS“ an den Fassaden einer Holzhütte angebracht.

Lichtparcours Braunschweig 2016

Beliebtes Fotomotiv: die Buchstaben von Andreas Fischer „OWN-AUS“. Foto: BSM

Nach einem kurzen Fotostopp fahren wir weiter gen Süden, und biegen vom Hohetorwall links in die Sonnenstraße ein. Hier halten wir am „Elster Flohmarkt“ von Mark Dion. Das kleine grüne Häuschen ist als einziges Kunstwerk übriggeblieben vom Braunschweig-Parcours 2004. Im Inneren ist eine Sammlung von Gegenständen zu sehen, die von Flohmärkten der Region zusammengetragen und vom Künstler kuratiert wurden.

Weiter geht es durch meine Lieblingsstraße im Westlichen Ringgebiet, die Echternstraße. Die schiefen Fachwerkhäuser und die kleine, aber feine St. Michaelis-Kirche, die sich so gut in das Straßenbild einfügt, lässt in mir sofort das Gefühl aufsteigen, an einem geschichtsträchtigen Ort zu sein. Und nach allem, was ich von meinem Ausflug mit dem Audioguide noch weiß, war dieses Viertel im Mittelalter berühmt-berüchtigt.

Der Rundgang führt uns über den Prinzenweg, wo das wunderbare Café Himmelhoch beheimatet ist, zum Europaplatz. Hier ist der Plessi-Bogen installiert, ein Kunstwerk aus dem Lichtparcours 2000. Im Inneren der massiv gearbeiteten, rostfarbenen Rahmenkonstruktion sind Monitore eingelassen.

Blau, rot, grün: Die Farben des Plessi-Bogens, der sich über die Oker spannt. Foto: BSM

Blau, rot, grün: Die Farben des Plessi-Bogens, der sich über die Oker spannt. Foto: BSM

Entlang des alten Braunschweiger Bahnhofs fahren wir Richtung Lessingplatz und kommen am nächsten Kunstwerk vorbei. Elin Hansdottir hat mit „Cast“ eine Skulptur geschaffen, die begehbar ist. Im Inneren werfen die Lichter passierender Fahrräder, Autos und Straßenbahnen Lichtmuster an die Wände der Skulptur.

Von Elin Hansdottir geht es in den Bürgerpark, entlang der Oker bis zu Björn Dahlems Installation „M-Sphären (Seyfert 2)“. Das Motiv seines Kunstwerks sind die Umlaufbahnen im Inneren kosmischer Galaxien. Die Galaxien sind nach dem Astronomen Carl Keenan Seyfert benannt sind, worauf sich der HBK-Professor Dahlem bezieht.

Zwischen den Bäumen hängen Umlaufbahnen verschiedener Planeten. Foto: BSM/Marek Kurszewski

Zwischen den Bäumen hängen Umlaufbahnen verschiedener Planeten. Björn Dahlems „M-Sphären (Seyfert 2)“ Foto: BSM/Marek Kurszewski

Trotz der vielen kurzen Pausen, die wir während der Fahrradtour machen, sind wir ein wenig geschafft. Deshalb nehmen wir auf einer der Wiesen im Bürgerpark Platz und lassen die Eindrücke auf uns wirken. Meine Freundin hat zu diesem Zweck ein paar Häppchen für ein Picknick mitgebracht, die wir auf bunten Decken sitzend verzehren. Wer die Tour lieber ohne schweren Rucksack machen möchte, kann auch in der Okercabana einkehren.

Gleich in unserer Nähe befindet sich Danica Dakics „Flashback“. Die Künstlerin hat sich für ihre Installation die Drachenbrücke ausgesucht. Durch die Spiegelung im Wasser schließt sich ihr Lichtkunstwerk zu einem Kreis, der an ein Auge erinnert.

Nebel und Licht lassen unter der Drachenbrücke ein Auge entstehen. Foto: BSM/Marek Kruszewski

Nebel und Licht lassen unter der Drachenbrücke ein Auge entstehen. Danika  Dakics „Flashback“. Foto: BSM/Marek Kruszewski

Wir verlassen den Bürgerpark über die Hennebergstraße gen Osten, kreuzen die Wolfenbütteler Straße und halten am nächsten Kunstwerk, das eher ein Imbiss ist. „Bei Pess u. Puse“ heißt Tobias Rehbergers Installation, die nachts blau leuchtet und regelmäßig kulturell und kulinarisch von den Stadtfindern bespielt wird.

Der Pavillon an der Kurt-Schuhmacher-Straße erinnert an eine Requisite aus einem Science-Fiction-Film. Foto: BSM

Der Pavillon an der Kurt-Schuhmacher-Straße erinnert an eine Requisite aus einem Science-Fiction-Film. „Pess u. Puse“ von Tobias Rehberger. Foto: BSM

Den John-F.-Kennedy-Platz überqueren wir und fahren in Richtung Löwenwall. Im Park steht unter einer Straßenlaterne eine bronzene Katze auf einem Sockel. Die Installation von Michael Sailstorfer heißt „Solarkatze“ und erinnert an die vielen Maneki-neko, die winkend in Chinarestaurants sitzen.

Wärmende Strahlen von oben: Die Solarkatze von Michael Sailstorfer. Foto: BSM/Marek Kruszewski

Wärmende Strahlen von oben: Die „Solarkatze“ von Michael Sailstorfer. Foto: BSM/Marek Kruszewski

Zum letzten Kunstwerk unseres Rundgangs fahren wir über den Steintorwall und kreuzen die Museumsstraße. Am Eingang des Museumparks, auf der Anhöhe des ehemaligen Ulrich-Bollwerks, hat Kai Schiemenz seine „Bastion Beauté“ errichtet. Das Kunstwerk erinnert spiegelnd und reflektierend an die historische Befestigungsanlage, die im Mittelalter Braunschweig umgab.

Lichtparcours Braunschweig 2016

Erinnert an die Befestigungsanlage im Mittelalter: „Bastion Beauté“ von Kai Schiemenz. Foto: BSM

Das war unsere kleine Radtour zu den Kunstwerken des Lichtparcours. Der Rundweg ist ausgeschildert, so dass man sich kaum verfahren kann. Wer mehr Informationen zu den Kunstwerken und den Dingen rechts und links entlang des Weges haben möchte, kann den Rundgang zum Lichtparcours in der Braunschweig App nutzen.

 

Lichtparcours Braunschweig 2016

11. Juni bis 22. September 2016
www.lichtparcours.de
www.braunschweig.de/angebote-lichtparcours
Übrigens: Unter #lichtparcoursBS16 sammeln wir alle Bilder zum diesjährigen Lichtparcours.

Artikelbild: Thilo Frank „You and me, wandering on the snake´s tail“. Foto: BSM/Marek Kruszewski

3 Kommentare zu “Licht- und Schattenspiele

  1. Manorainjan sagt:

    Ab dem 24. Juni gibt es kostenlos „Braunschweiger Bürgerinnen und Bürger und ihr Lichtparcours – Spaziergänge zu ausgewählten Kunstwerken“ mit Persönlichkeiten aus der Region:
    Gerhard Glogowski
    Cornelia Götz
    Gabriele Heinen-Kljajic
    Tobias Henkel
    Anke Kaphammel
    Wolfgang Klement
    Ulrich Markurth
    Susanne Robra-Bissantz
    http://www.braunschweig.de/lp16/angebote.html#143010100000347614

  2. Manorainjan sagt:

    Ich habe den Verdacht,
    dass die kleinen weißen Schilder
    den Parcours markieren sollen.
    .

    Lp
    —–
    ’16

    Ist das so?

  3. Maria Pöttering sagt:

    Hallo Manorainjan,
    richtig beobachtet: Die kleinen Schilder markieren den Rundweg des Lichtparcours. Man kann ihnen in beide Richtungen folgen.

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