Handgemachtes in Braunschweig

Handwerk. Ein Begriff, der bereits selbst seine Definition verrät: Mit der Hand gemacht. Für mich drückt das Prädikat „handgemacht“ etwas Besonderes aus: Jemand hat persönlich und im wahrsten Sinne des Wortes eigenhändig etwas hergestellt. Dafür braucht es ein über Jahre hinweg erworbenes Können, sowie viel Übung, Geduld und Fleiß. Im Gegensatz zu Maschinen können Menschen keine Produkte herstellen, die einander vollkommen gleich sind. Ich mag es, wenn ich erkenne, dass etwas ein Einzelstück ist: So zeigt das Ergebnis der Handarbeit auch immer etwas von dem Menschen und seiner Geschichte dahinter.

In diesem Sinne habe ich mich in Braunschweigs Innenstadt auf die Suche nach Handwerksgeschäfte begeben und dabei viel erfahren: über Nachhaltigkeit, verschiedene Lebenswege und natürlich über die Leidenschaft für das Handwerk.

Rautmann Geigenbau

Eine der ältesten Geigenbauwerkstätten Deutschlands liegt nahe am Staatstheater Braunschweig. Bei Rautmann Geigenbau, das seit 1844 besteht, fühle ich mich direkt wohl. Das liegt nicht nur an der verwunschenen Atmosphäre im Geschäft, das viele Geigen in verschiedenen Größen, Holzfarben und Zuständen beherbergt, sondern auch an dem ruhigen und freundlichen Geigenbaumeister Matthias Vorbrodt. Er hat das Unternehmen im Jahr 2013, nachdem mit Elfi Rautmann die letzte Geigenbauerin aus dem Familienunternehmen verstorben war, übernommen. Ungefähr 180 bis 200 Stunden benötigt er, um eine Geige herzustellen – echte Geduldsarbeit. Kein Wunder, dass Matthias Vorbrodt so eine Ruhe ausstrahlt! Einen Einblick sowohl in das mit antiken Möbeln eingerichtete Geschäft als auch in die Arbeit des Geigenbauers gibt es bei YouTube zu sehen.

Rautmann Geigenbau: nah am Staatstheater gelegen ist es leicht zu erreichen. Foto: BSM

Rautmann Geigenbau: nah am Staatstheater gelegen ist es leicht zu erreichen. Foto: BSM

Schöppenstedter Str. 42, 38100 Braunschweig | Mittwoch und Freitag 13:00–18:00 Uhr

Rudolf Goerke Schuhmacherei und Schuhhandel

Das schöne Schild mit dem roten Stiefel macht auf die Schuhmacherei Goerke aufmerksam. Foto: BSM

Das schöne Schild mit dem roten Stiefel macht auf die Schuhmacherei Goerke aufmerksam. Foto: BSM

Neben dem Rathaus am Platz der Deutschen Einheit findet sich seit Jahrzehnten die Schuhmacherei von Rudolf Goerke. Mit festem Handschlag begrüßt mich dessen Ehefrau Rita Goerke in der Werkstatt, in der es angenehm nach Leder duftet. Seit 1970, so erzählt sie mir, existiert nun das Geschäft in Braunschweig. Schuhmachermeister Carsten Sertl, der gerade mit vollem Einsatz an einem Paar Schuhen arbeitet, zeigt mir bei der Gelegenheit direkt, wie es aussieht, wenn er einer Sohle im letzten Feinschliff eine saubere Kante verpasst.

Leider, so Carsten Sertl, lernen heutzutage nicht mehr viele junge Leute das Handwerk der Schuhmacherei. Durch günstige Ware sind zudem viele in Versuchung, ihre abgelaufenen Schuhe einfach wegzuwerfen, anstatt sie reparieren zu lassen. Ich trage bei meinem Besuch weiße Stoffschuhe und frage, ob auch diese repariert werden könnten. Die Antwort? Ein klares Ja! Das werde ich gerne in Anspruch nehmen. Auch Taschen, Rucksäcke und sogar Zelte können bei Goerke repariert werden. Nachhaltigkeit pur!

Schuhmachermeister Carsten Sertl bei der Arbeit. Foto: BSM

Schuhmachermeister Carsten Sertl bei der Arbeit. Foto: BSM

Langer Hof 2B, 38100 Braunschweig | Mo–Do 9:30–18:30 Uhr, Freitag 9:30–19:00 Uhr, Samstag 9:30–18:00 Uhr

Juwelier und Goldschmiede Kleine Burg

Barbara Schwarz-Herz arbeitet seit einem Vierteljahrhundert bereits hier an der Kleinen Burg. Foto: BSM

Barbara Schwarz-Herz arbeitet seit einem Vierteljahrhundert bereits hier an der Kleinen Burg. Foto: BSM

Bereits seit 1991 arbeitet die Juwelierin und Goldschmiedin Barbara Schwarz-Herz in dem schönen Fachwerkhaus an der Kleinen Burg. Als ich vorbeischaue, sind gerade zwei Paare im Geschäft. Ich merke direkt: zu ihren Kundinnen und Kunden hat Barbara Schwarz-Herz ein sehr persönliches Verhältnis. Gerne nimmt sie sich Zeit und macht eigene Vorschläge, was sie aus einem bestimmten Schmuckstück machen könnte. Sie verrät mir, dass sie gerne alte und aus der Mode gekommene Schmuckstücke in neue, einzigartige Teile verwandelt. Das Thema Nachhaltigkeit taucht hier also wieder auf: Es scheint mit dem Handwerk eng verbunden. Klar – wer aus alten Dingen etwas Neues macht oder sie repariert, schont die Umwelt. Noch etwas Außergewöhnliches erzählt mir Barbara Schwarz-Herz: Bei ihr können zukünftige Eheleute ihre Trauringe persönlich in der Werkstatt vollenden, zum Beispiel mit einer Gravur oder einer matten Oberfläche.

Kleine Burg 11, 38100 Braunschweig | Mo–Fr 11:00–18:30 Uhr, Samstag 10:00–18:30 Uhr

Nähwerk

Im Nähwerk ist auch die Einrichtung stilvoll und freundlich. Foto: BSM

Im Nähwerk ist auch die Einrichtung stilvoll und freundlich. Foto: BSM

Meine Erkundungstour führt mich nun ins Magniviertel, wo Duong Nguyen und Julia Eschment Anfang Mai das Näh- und Änderungsatelier Nähwerk eröffnet haben. Die zwei befreundeten Modedesignerinnen lernten sich durch ihr Studium in Hannover kennen und bieten nun eigene Mode, Maßanfertigungen sowie Workshops in Braunschweigs Fachwerkviertel an.

Duong Nguyen begrüßt mich freundlich und erklärt mir, was es mit der Kollektion ALKEMIA auf sich hat, die mir direkt beim Hereinspazieren aufgefallen ist. Ihre Geschäftspartnerin Julia Eschment konzipiert verschiedenste Kleidungsstücke aus nachhaltigen Materialien, die sie mit Stoffen aus zweiter Hand kombiniert. So wird aus Second Hand-Kleidungsstücken ganz neue Mode. Ich bin begeistert, dass auch hier die umweltfreundliche Herangehensweise „aus Alt mach Neu“ verfolgt wird.

Die Kollektion ALKEMIA kombiniert Materialien als zweiter Hand mit neuen Schnitten und setzt sich so für Nachhaltigkeit ein. Foto: BS;

Die Kollektion ALKEMIA kombiniert Materialien als zweiter Hand mit neuen Schnitten und setzt sich so für Nachhaltigkeit ein. Foto: BS;

Am Magnitor 6, 38100 Braunschweig | Di–Fr 11:00–18:00 Uhr, Sa: 11:00–16:00 Uhr

Bäckerei Fucke

„Der Magni-Bäcker“ – so nennt sich die Bäckerei Fucke in der Kuhstraße. Und das nicht zu Unrecht: Seit 1960 besteht an dieser Stelle der Familienbetrieb, der seine Wurzeln bereits im Jahr 1920 hat. Auf bald 100 Jahren Tradition ruht sich hier jedoch niemand aus: Immer neue Leckereien gibt es zu entdecken. Ich kaufe heute ganz bodenständig ein klassisches Vollkornbrot, denn besonders hier kommt es auf die Qualität an. Freuen tue ich mich schon auf die Weihnachtszeit, in der es bei Fucke neben Lebkuchen auch Braunschweiger Magenbrot gibt – eins meiner Lieblingsgebäcke!

Bäckerei Fucke stellt jedes Jahr frische Braunschweiger Lebkuchen her. Foto: Karsten Fucke

Bäckerei Fucke stellt jedes Jahr frische Braunschweiger Lebkuchen her. Foto: Karsten Fucke

Kuhstraße 32, 38100 Braunschweig | Mo–Fr: 06:00–18:30 Uhr Samstag: 06:00–15:00 Uhr | Internetseite

Simones Seifenmanufaktur

Was duftet denn hier so gut? Ebenfalls im Magniviertel hat Simone Becker ihr Hobby zum Beruf gemacht: Bei Simones Seifenmanufaktur gibt es in gemütlicher Atmosphäre nicht nur handgesiedete Seifen für viele Einsatzgebiete zu kaufen, sondern auch Workshops zu belegen, in denen Seifenliebhaber und -liebhaberinnen selbst den Herstellungsprozess mitbegleiten können. Simone Becker ist als Fachfrau beim Stöbern im Laden eine große Hilfe: Da sie die Seifen selbst fertigt, kennt sie alle Inhaltsstoffe, wobei sie auf Palmöl, unnötige Plastikverpackungen und reizende ätherische Öle verzichtet, um die Seifen umweltfreundlich und sanft zu halten.

Herzförmige Seifen in Simones Seifenmanufaktur. Foto: BSM

Herzförmige Seifen in Simones Seifenmanufaktur. Foto: BSM

Magnikirchstraße 1, 38100 Braunschweig | Mo–Fr von 11.00–18.00 Uhr und Sa von 11–16.00 Uhr | Internetseite

Das Portal des Huneborstelschen Hauses ist mit Schnitzereien geschmückt. Foto: Gisela Rothe

Das Portal des Huneborstelschen Hauses ist mit Schnitzereien geschmückt. Foto: Gisela Rothe

Auf meinem Rückweg komme ich am Burgplatz vorbei. Wussten Sie, dass hier die Handwerkskammer Braunschweig-Lüneburg-Stade im Huneborstelschen und Von Veltheimschen Haus sitzt? Letzteres ist 1573 entstanden und damit eines der ältesten Gebäude am Burgplatz. Die Schnitzkunst an der Fassade des Huneborstelschen Hauses wiederum überrascht mich mit witzigen Motiven, die zum Beispiel sonderbare Tierwesen zeigen. Die Vorstellung, dass jemand vor beinahe 500 Jahren – denn so alt ist die Fassade –mit Kreativität und Geschick diese Bilder schnitzte, lässt mich lächeln. Handwerk fasziniert manchmal eben noch nach einem halben Jahrtausend.

Weitere Ideen für den nächsten Besuch in der Innenstadt gibt es im Einkaufsführer.

Titelbild: Matthias Vorbrodt ist in der Geigenbauwerkstatt in seinem Element. Foto: BSM

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