Eine faire Weltreise

Bunte Farben, handgemachte Kunst und der Duft von frisch geröstetem Kaffee: Mitten im Zentrum von Braunschweig kann man bei Contigo auf eine kleine Weltreise gehen. Seit mehr als fünf Jahren bietet das Geschäft am Ringerbrunnen Fair Trade Produkte aus der ganzen Welt an und lädt dazu zum Genießen von selbst geröstetem Kaffee ein – auch vor Ort. Mit dem Thema Fair Trade habe ich mich persönlich noch nicht auseinandergesetzt, weshalb ich bei meinem ersten Besuch viele Fragen im Kopf habe: „Was bedeutet eigentlich Fair Trade? Woher kommen die Produkte und unter welchen Bedingungen werden sie hergestellt?“ Regina Schlichting-Jung, seit 2015 Filialleiterin, hat mir in einem Gespräch den fairen Handel und die Grundsätze von Contigo erklärt.

Die Geschichte von Contigo

Contigo ist spanisch und bedeutet „mit dir“. „Der Name steht für die Partnerschaft auf Augenhöhe mit unseren Produzenten“, erklärt mir die Filialleiterin, als wir unser Gespräch beginnen. Die Idee für Contigo ging aus der 1970 gegründeten „Aktion Dritte Welt Handel“ hervor, die schon damals für fairen Handel kämpfte. 1994 wurde das erste Geschäft in Göttingen eröffnet. Seit 1998 ist dort die Contigo-Zentrale angesiedelt, von wo aus Kontakte zu Produzenten geknüpft und die Waren importiert, koordiniert und verteilt werden – auch an ca. 500 Weltläden in Europa. „Wir importieren fast alle unsere Produkte selber und haben zu den Produzenten persönlichen Kontakt“, erklärt mir Frau Schlichting-Jung stolz. Nach der längeren Suche eines Ladengeschäftes – es musste groß genug für Verkaufsraum und Kaffeerösterei sein – wurde im November 2014 in Braunschweig ein Contigo-Laden eröffnet. „So kurz vor Weihnachten war das wirklich spannend, überall standen noch Kartons und die Kunden strömten schon herein. Aber wir waren von Anfang an mit Spaß dabei und der ist auch bis heute geblieben.“

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Das bunte Warenangebot von Contigo lädt zum stöbern ein. Foto: BSM

Fairer Handel durch den Grundsatzvertrag

Aber was bedeutet eigentlich fairer Handel? Die Expertin erklärt es mir: „Wir bieten unseren Partnern faire Preise für gute Arbeit, langfristige Partnerschaften, eine Vorfinanzierung, kostenfreie Beratungsleistungen und Transparenz. Durch die Vorfinanzierung beispielsweise geben wir auch kleinen Betrieben, wie Familienunternehmen, die Chance am Markt teilzunehmen.“ Ich erfahre, dass bei Contigo mit jedem Handelspartner zu Beginn ein Grundsatzvertrag geschlossen wird. In diesem Vertrag müssen die Partner zusichern, dass es bei ihnen keine Kinder- oder Zwangsarbeit, keine Diskriminierung in jeglicher Form, einen angemessenen Lohn und menschenwürdige, gesundheitsunbedenkliche Arbeitsplätze für ihre Mitarbeiter gibt. Außerdem müssen sie sich damit einverstanden zeigen, eine gewisse Transparenz gegenüber Contigo zu wahren. „So können wir sicher sein, dass alle unsere Standards eingehalten werden. Wir überprüfen auch bei Besuchen die Betriebe und besprechen die Qualität oder neue Kollektionen.“

Produkte aus der ganzen Welt

Jetzt bin ich neugierig geworden, aus welchen Ländern die Produkte im Contigo-Laden eigentlich kommen. „Von A-Z sind Länder aus der ganzen Welt dabei“, erklärt mir Regina Schlichting-Jung. „Bei uns kann man eine Weltreise erleben und die Geschichten zu jedem Produkt und seinem Hersteller erfahren.“

Also fangen wir bei A wie Ägypten an und ich erfahre, dass von dort vor allem Dekorationselemente aus Glas herkommen. In B wie Brasilien werden die von Regina Schlichting-Jung als „super bequem“ beschriebenen Hängematten produziert, die hinter mir hängen. Weiter östlich in I wie Indien hat Contigo besonders viele Partner: Sie stellen Kunst, Schmuck, Leder und Papierwaren her. „Hinter den meisten Betrieben stehen starke Frauen, oft auch als Chefin. Sie ermöglichen auch anderen Frauen in ihren Betrieben eine gute Arbeit und Ausbildung“, berichtet mir die Filialleiterin. So zum Beispiel auch in V wie Vietnam, wo die von Contigo mitkonzipierten Raumwunder-Taschen „Hobobag“ hergestellt werden.

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Zu jedem Produkt und seinem Hersteller werden die Kunden ausführlich informiert. Foto: BSM

„Unsere Kunden können sich über all diese Geschichten bei uns informieren. Wir erzählen sie gerne, es gibt aber auch Flyer zu jedem Produkt, damit der Kunde zu Hause in Ruhe nachlesen kann.“ Mittlerweile bietet Contigo in Zusammenarbeit mit dem Reiseveranstalter AcceptReisen sogar Erlebnisreisen an, zum Beispiel nach Afrika oder Nepal, bei denen die Partnerbetriebe besucht werden. Eine weitere bemerkenswerte Entwicklung ist, dass in einigen Ländern nicht nur die Betriebe, sondern auch die umliegende Region vom Handel mit Contigo profitiert. „Einer unserer Partner hat ein Krankenhaus für seine Mitarbeiter mitgegründet, dass auch die Bewohner der Region aufsuchen können. Solche Entwicklungen freuen uns natürlich besonders.“

Besonderer Kaffeegenuss

Als ich mich zu Beginn im Laden umgeschaut habe, ist mir sofort ein großer Kaffeeröster ins Auge gefallen. Während unseres Gespräches haben wir uns an der kleinen Theke im Laden niedergelassen und ich durfte einen Latte Macchiato probieren – er schmeckte hervorragend und bekam mir, die einen empfindlichen Magen hat, sehr gut. Warum es hier Kaffee gibt? Regina Schlichting-Jung erzählt: „Fast alle Läden verfügen über eine eigene Kaffeerösterei – das gehört einfach zu unserem Konzept. Die Kaffeebohnen beziehen wir über die GEPA (Fair Trade Company) und rösten sie dann zwei bis dreimal die Woche vor Ort, sodass der Kunde uns dabei zusehen kann.“ Die besondere traditionelle Trommelröstung bei Contigo dauert länger, die Temperaturen sind dabei niedriger und die Kosten höher als bei der industriellen Röstung. Dafür ist der Kaffee am Ende besonders geschmackvoll, arm an Reizstoffen und extrem ergiebig. „Gerne können die Kunden bei uns den Kaffee auch vor Ort probieren, wir bieten die Sorten abwechselnd an, immer zwei verschiedene Kaffees und einen Espresso“, lädt die Filialleiterin ein.

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Im hinteren Teil des Ladens kann man Kaffeeköstlichkeiten genießen. Foto: BSM

Eine weitere Besonderheit des Kaffees ist der hohe Qualitätsstandart. Die Bohnen werden ökologisch, das heißt ohne Kunstdünger und chemische Pflanzenschutzmittel, im Hochland (über 1.500 Meter) angebaut – dadurch entstehen ein vielfältiges Aroma und feine Säuren.  Außerdem wird vom Anbau bis zur Ernte alles sorgfältig per Hand erledigt. Für diese exzellente Arbeit werden die Kleinbauern mit einer stabilen Handelsbeziehung und gutem Einkommen, unabhängig vom Weltmarkt, entlohnt.

Die Tür ist immer offen

Wer sich nun selber vom Fair Trade-Konzept überzeugen möchte, sollte einfach mal bei Contigo vorbeischauen. „Wir freuen uns wenn die Kunden kritisch nachfragen und sich von uns informieren lassen. Unsere Tür steht, außer im Winter, immer offen – dann trauen sich die Leute eher hereinzukommen.“ Generell ist die Nachfrage nach Fair Trade und der bewusstere Umgang mit Waren in den letzten Jahren gestiegen, das merke ich selber in meinem Umfeld und durch die Medien. Ein Trend, der mir einen kleinen Funken Hoffnung auf eine gerechtere Welt für alle schenkt.

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Im Herzen der Innenstadt findet man das schöne Ladengeschäft von Contigo. Foto: BSM

Informationen:

CONTIGO Fairtrade Shop
Schuhstraße 1-3, 38100 Braunschweig
Telefon: 0531 38973439

Öffnungszeiten:
Montag bis Samstag 10:00 bis 19:00 Uhr

 

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Braunschweig ist Fairtrade-Stadt.

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