Ein topaktueller Blick in die Geschichte

Eine Welt in Bewegung; neue Ideen, die Altes und Bekanntes in Frage stellen; eine Medienrevolution in vollem Gange. Kommt Ihnen das bekannt vor? Dann haben Sie etwas gemeinsam mit den Braunschweigern vor 500 Jahren: Frühkapitalismus und Fernhandel waren die damaligen Globalisierungserscheinungen, die Entwicklung des Buchdrucks die Digitalisierung von heute. Genau wie uns die Frage herumtreibt, wie man in unbeständigen Zeiten das richtige Leben führen kann, fragten sich das auch unsere Vorfahren im Jahre 1517. Die Antworten, die den gottes- und jenseitsfürchtigen Menschen in jenem Jahr präsentiert werden, sind revolutionär: Es sind die 95 Thesen Martin Luthers, der Beginn der Reformation.

Im Aufbruch. Reformation 1517-1617“ lautet der Titel der großen Sonderausstellung, mit der sich das Braunschweigische Landesmuseum der Reformation und ihren Folgen für die Löwenstadt widmet. Denn Braunschweig war nicht nur ein Spielort der Reformation unter vielen im deutschsprachigen Raum: Hier verfasste Johannes Bugenhagen, enger Vertrauter Luthers, eine Lutherische Kirchenordnung mit Strahlkraft für ganz Norddeutschland bis nach Skandinavien. Die neue Kirchenordnung bleibt nicht nur auf Fragen der Religionsausübung beschränkt. Im Sinne des Reformationsgedankens greift sie in zentrale Bereiche der Stadtgesellschaft ein, regelt zum Beispiel des Schulwesen und soziale Belange. Die Reformation und ihre Folgen sind damit bis heute – auch jenseits von Kirche und Religion – für Braunschweig von Bedeutung.

Blick in die Ausstellung "Im Aufbruch. Reformation 1517 - 1617". Foto: A. Pröhle, BLM

Blick in die Ausstellung „Im Aufbruch. Reformation 1517 – 1617″. Foto: A. Pröhle, BLM

„Geschichte ist nicht ‚retro‘“

Die diversen Parallelen zu Fragen der Gegenwart sind offensichtlich, die Ausstellung verknüpft die Geschichte der Reformation in Braunschweig mit der Lebenswelt des Besuchers. „Unsere Ausstellung bietet unterschiedliche Perspektiven auf die Reformation. Wir versuchen, verschiedene Fragen zu stellen und Impulse zu geben“, erklärt Heike Pöppelmann, Leiterin des Braunschweigischen Landesmuseums. Kooperationspartner der Ausstellung ist das Theologische Zentrum Braunschweig. Direktor Dieter Rammler lobt ebenfalls das zeitgemäße Konzept von „Im Aufbruch“: „Geschichte ist in dieser Ausstellung nicht ‚retro‘, sondern voller Impulse für Gegenwart und Zukunft. Es ist keine kirchliche Selbstbespiegelung, sondern eine Ausstellung, die die gesellschaftsprägende Kraft der Reformation erzählt.“ Der Arbeitsplatz von Dieter Rammler befindet sich übrigens direkt neben der ehemaligen Franziskanerkirche St. Ulrici-Brüdern. Die Kirche, in der Johannes Bugenhagen 1528 seine berühmte Kirchenordnung verfasste, ist nicht nur die Wiege der Reformation in Braunschweig, sondern auch Teil der Ausstellung. Gleiches gilt für das ehemalige Klostergebäude St. Aegidien, Wirkungsstätte des Benediktinermönchs und frühen Luther-Anhängers Gottschalk Kruse.

Blick in die Ausstellung "Im Aufbruch. Reformation 1517 - 1617". Foto: A. Pröhle, BLM

Blick in die Ausstellung „Im Aufbruch. Reformation 1517 – 1617″. Foto: A. Pröhle, BLM

Entdecke die Welt!

Die Hauptausstellung im Landesmuseum am Burgplatz wird anhand von sechs Kernelementen der Reformation präsentiert, die verschiedenen Abschnitte sind entsprechend gestaltet: Die Vergänglichkeit des irdischen Lebens, die Angst vor Apokalypse und Fegefeuer sowie der Ablasshandel als Anstoß des reformatorischen Protests fasst der Begriff „Flüchtigkeit“ zusammen, der Besucher findet sich in einem Kirchengebäude wieder. Das Thema „Beschleunigung“ wird durch eine Marktsituation unterstrichen, der Abschnitt „Optionen“ durch eine Rathauskulisse. Die „Zerrissenheit“ begegnet uns als schwarzweißes Schachbrettmuster, die „Kontrolle“ als Fürstenkanzlei und die „Gewohnheit“ als Pfarrhaus. Darüber hinaus wurde mit dem Kindermuseum ein Angebot speziell für junge Besucher und Schulklassen geschaffen. Dessen Motto gilt gleichermaßen für alle Ausstellungsbesucher: „Entdecke die Welt“ – mit dieser Ausstellung ein großes Vergnügen!

Blick in die Ausstellung "Im Aufbruch. Reformation 1517 - 1617". Foto: A. Pröhle, BLM

Blick in die Ausstellung „Im Aufbruch. Reformation 1517 – 1617″. Foto: A. Pröhle, BLM

Standorte

Braunschweigisches Landesmuseum Burgplatz 1 38100 Braunschweig
St. Ulrici-Brüdern mit Café Kreuzgang Eingang Schützenstraße 38100 Braunschweig
Braunschweigisches Landesmuseum Hinter Aegidien Hinter Aegidien 38100 Braunschweig

Öffnungszeiten

Alle Ausstellungsorte, sofern nicht anders angegeben Di bis So 10 – 17 Uhr, Mo geschlossen Jeden 1. Di im Monat 10 – 20 Uhr
Standort St. Ulrici-Brüdern Di bis Sa 10 – 18 Uhr, So 12 – 18 Uhr, Mo geschlossen
Das Café Kreuzgang ist während der Öffnungszeiten am Standort St. Ulrici-Brüdern geöffnet.

Eintrittspreise

Der Eintritt berechtigt zum einmaligen Besuch aller drei Ausstellungsorte, inkl. Kindermuseum, auch an verschiedenen Tagen.

Erwachsene 9 Euro | ermäßigt 7 Euro | Kinder (6 – 17 Jahre)  4 Euro | Freier Eintritt für Kinder bis 5 Jahre
Familienkarte 1 (1 Erwachsener + max. 3 Kinder) 11 Euro | Familienkarte 2 (2 Erwachsene + max. 3 Kinder) 18 Euro
Erhältlich im Braunschweigischen Landesmuseum und in St. Ulrici-Brüdern: Audioguide (deutsch + englisch) 2 Euro
Erhältlich im Braunschweigischen Landesmuseum: Audioguide für Kinder (deutsch) 2 Euro

Text: Jan Engelken

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