Seit 126 Jahren hier zuhause

Das Schöne an einem Blog ist für mich die Themenauswahl. Im Team beraten wir, über welche Themen wir berichten können und wie wir den Interessen unserer mittlerweile gewachsenen Leserschaft entgegenkommen. Manche Themen kommen dabei durch eine Tageslaune oder einen Vorschlag von außen zustande. Andere Themen sind auch in anderen Medien so präsent, dass wir als Löwenstadtblog dieses Thema aus einer anderen, neuen Perspektive beleuchten möchten. Genau in diese Kategorie fällt die Firma Borek. Seit 126 Jahren hält es das Familienunternehmen in der Löwenstadt, mittlerweile in vierter Generation erfolgreich geführt.

Die Anfänge von Richard Borek sind in der Firmenzentrale ausgestellt. Foto: BSM

Die Anfänge von Richard Borek sind in der Firmenzentrale ausgestellt. Foto: BSM

Der Name Borek ist mit Braunschweig so fest verwurzelt wie der Löwe mit dem Burgplatz. In direkter Nähe, am Domplatz, gehört das Geschäft zum festen Inventar der Braunschweiger Innenstadt. Im Münzhandel ist das Unternehmen Weltmarktführer, auch im Bereich der Briefmarkenkunde genießt das Unternehmen einen ausgezeichneten internationalen Ruf. Im Vergleich dazu spielt die internationale Bekanntheit der Löwenstadt eine kleinere Rolle. Bei mir stellte sich deshalb die Frage: Warum blieb die Unternehmensgruppe Borek eigentlich weiterhin in Braunschweig?

Um dieser Frage nachzugehen, habe ich Richard Borek jr. um ein Interview gebeten. Ich mache mich auf meinen Weg zur Firmenzentrale, die mit einem sehr grünen Argument vor der Haustür punktet: Der Bürgerpark befindet sich direkt auf der gegenüberliegenden Straßenseite. Richard Borek jr. kann diese Aussicht jeden Tag genießen, von seinem Büro aus kann er seinen Blick über den Park schweifen lassen.

Die perfekte kleine Großstadt

„Großstädte sind spannend, wenn man sie zum ersten Mal besucht. Aber nach einer Weile hat man seine Kneipe, die einem gefällt oder das Restaurant, das man gut findet. Wenn man das gefunden hat, wird eine Großstadt auch ganz schnell zur Kleinstadt“, antwortet mir Richard Borek auf meine Frage. Und weiter: „Braunschweig ist für mich die perfekte Großstadt. Ich kann mit dem Fahrrad zur Arbeit kommen, ich bin schnell in der Natur, das sind alles wichtige Eigenschaften und machen Braunschweig für mich lebenswert.“

Weitere angenehme Aspekte sind für ihn das kulturelle Angebot und die handelnden Personen, die sich mit ihrer Heimatstadt identifizieren. „Ich war in meinem Studium auch in anderen Großstädten unterwegs, aber viele Braunschweiger bleiben auch einfach ihr ganzes Leben hier. Christian Eitner (Gründer der Jazzkantine, Anm. d. Red.) ist zum Beispiel so ein Fall für mich, der hat hier so viele großartige Dinge mit seinen eigenen Produktionen auf die Beine gestellt und damit ganz neuen kulturellen Flair in die Stadt gebracht.“ Deshalb ehrte Borek Christian Eitner 2018 mit einer eigenen Briefmarke als Dankeschön für seine bisherigen Leistungen für die Stadt.

Christian Eitner wird für seine kulturellen Leistungen für die Stadt von Borek geehrt. Die Briefmarken kann er für seine Post verwenden. Foto: Michael Seidel

Christian Eitner wird für seine kulturellen Leistungen für die Stadt von Borek geehrt. Die Briefmarken kann er für seine Post verwenden. Foto: Michael Seidel

Gründen mit Verantwortung

Bei unserem Termin trägt Richard Borek pinke Sneaker. Pink ist die Überleitung zur Start-Up-Entwicklungshilfe borek.digital. Zusammen mit dem Lehrstuhl für Entrepreneurship der TU Braunschweig veranstaltet die Unternehmensgruppe verschiedene Workshops und Veranstaltungen, um junge Unternehmer zu unterstützen. Er erwähnt in unserem Gespräch dabei öfter den Begriff der gesellschaftspolitischen Verantwortung, die ein Unternehmer, egal ob groß oder klein, gegenüber seinem Standort hat. Diese Einstellung gibt er auch jungen Gründern, die im Rahmen des borek.digital-Programms nach Braunschweig kommen, mit auf den Weg.

Anton Borek (l.) gründete 1893 das Geschäft am Domplatz, das bis heute Bestand hat. Foto: BSM

Anton Borek (l.) gründete 1893 das Geschäft am Domplatz, das bis heute Bestand hat. Seitdem führen die nachfolgenden Generationen, Richard Borek I. (m.) und Richard Borek II. (r.) das Unternehmen erfolgreich weiter.  Foto: BSM

Während ich mich mit Richard Borek jr. unterhalte, merke ich, dass hier ein Braunschweiger Unternehmer spricht, der sich in der Pflicht sieht, dem Standort auch etwas zurückzugeben. Sein Vater, Richard Borek III., schenkte Richard Borek II. 1981 die Richard Borek Stiftung zum 70. Geburtstag. Seitdem engagiert sich die Richard Borek Stiftung gesellschaftlich, sie hilft bei der Entwicklung eines sozialen Stadtquartiers, fördert die Braunschweiger Kunst und die Pflege von Braunschweigs Parks. Das prominenteste Beispiel für Boreks Engagement in der Löwenstadt betrifft das Residenzschloss. Dort oben thront für jeden gut sichtbar, Europas größte Quadriga mit einer der Stadtgöttin Brunonia als Wagenlenkerin. Die Rekonstruktion der Quadriga konnte die Stadt Braunschweig nicht finanzieren, die Richard Borek Stiftung sprang ein und schenkte der Stadt die Quadriga.

Für die Zukunft sieht Richard Borek jr. Braunschweig gut gerüstet. „Im Idealfall erleben wir in 25 Jahren eine gewachsene, größere Stadt mit neuen dynamischen Unternehmern, die Arbeitsplätze schaffen, neue Ideen mit in die Stadt bringen und vielleicht eines Tages auch Marktführer in ihrer Branche werden. Damit kommen Leute nach Braunschweig, um hier etwas zu lernen, weil es das Know-how an einem anderen Standort vielleicht nicht so gibt.  So gewinnt Braunschweig weiter an Attraktivität “, überlegt Richard Borek jr. Mit borek.digital auch immer auf der Suche nach neuen Unternehmen, die sich dann vielleicht in Braunschweig niederlassen und ihre Firma hier aufbauen wollen. So wie es Richard Borek I. 1893 mit seinem Geschäft am Braunschweiger Domplatz einst vormachte.

 

Titelbild: Richard Borek jr. in seinem Büro mit Blick auf den Bürgerpark. Mit seinem Pullover erinnert er an borek.digital. Foto: BSM

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