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Ein Ausflugstipp mit Tradition

Zwei menschen vor einem Fachwerkhaus

Durch die Ebertallee im Prinzenpark, am Kreuzteich entlang, eingebogen ins Naturschutzgebiet, am Haus Entenfang vorbei und dann einmal quer durchs idyllische Grün … wissen Sie schon, wo’s hingeht? Mitten im Naturschutzgebiet Riddagshausen liegt das Ausflugscafé Schäfer’s Ruh. Genau wie mich zieht es im Sommer viele Braunschweiger*innen an, die eine Radtour durchs Grüne machen wollen und unterwegs gerne für einen frischen Apfelstrudel oder knusprigen Flammkuchen anhalten. Seit 1994 ist das Café schon in den Händen von Eva und Manfred Vollprich, die sich nach einer Weltreise dazu entschlossen, die Geschichte des traditionsreichen Lokals fortzuschreiben. Bei herrlichem Sonnenschein treffe ich mich mit den beiden in dem Café, das für mich seit meiner Kindheit zu einem Sonntagsausflug dazugehört.

Ein Fahrradweg mit Schild
Der Weg zu Schäfer’s Ruh führt durchs idyllische Naturschutzgebiet Riddagshausen. Foto: BSM

Ein Café mit Tradition

Eröffnet wurde das Café 1907 von Friedrich Schäfer, der zuvor eine Gaststätte in Schapen betrieben hatte. Mit Hirten oder Schafen hat das Lokal also nichts zu tun, auch wenn der Name es vermuten ließe. Schon damals war es ein Ausflugslokal, aber auch eine Bahnhofsgaststätte. Direkt gegenüber liegt der alte Bahnhof Schapen, der viele Gäste aus dem Elm brachte. 1920 übernahm dann Schäfers Schwiegersohn Dietrich Knief den Betrieb, der ihn wiederum 1959 an seine drei Töchter weitergab. „Die drei sind in diesem Haus geboren, haben hier gelebt und gearbeitet. Keine von ihnen hat je geheiratet oder Kinder bekommen. Deswegen war die Ära der Familie zu Ende, als sie gesundheitlich nicht mehr konnten“, erzählt Eva Vollprich. Die drei Frauen übertrugen das Grundstück an die Stadt Braunschweig, behielten aber lebenslanges Wohnrecht. So suchte die Stadt für das Haus 1993 neue Pächter und wie der Zufall es wollte, hatte das Ehepaar Vollprich zur gleichen Zeit genau danach Ausschau gehalten.

Ein Fachwerkhaus unter Bäumen
Seit 1907 ist Schäfer’s Ruh das Ziel vieler Ausflügler. Foto: BSM

Gesucht und gefunden

„Wir waren viel im Ausland unterwegs, haben dort gearbeitet und am Schluss eine Weltreise gemacht,“ erzählt Eva Vollprich. „Zu der Zeit dachten wir uns: Wenn wir wiederkommen, würden wir gerne so etwas eröffnen wie Schäfer’s Ruh.“ Beide kannten das Ausflugslokal schon aus ihren Kindertagen. Doch damit, dass es nicht nur „so etwas wie“, sondern tatsächlich Schäfer’s Ruh werden sollte, hatten sie nicht gerechnet. Als sie nach Stationen in Australien, Neuseeland und Japan wieder in Braunschweig waren, erfuhren sie, dass die Stadt neue Pächter für das Lokal suchte.

Ein altes Sofa vor einem Tisch im Innenraum
Auch im Inneren herrscht eine rustikale Gemütlichkeit. Foto: BSM

Eva und Manfred Vollprich bewarben sich mit einem Konzept für das Café samt Businessplan und konnten schon ein Jahr später eröffnen. An die Eröffnung erinnern sich die beiden noch ganz genau: „Als wir aufgeschlossen haben und die Treppe runtergegangen sind, standen schon die ersten Gäste am Zaun und haben applaudiert. Zwei Jahre lang war das Lokal ja zu und da hat halb Braunschweig mitgefiebert,“ erinnert sich Manfred Vollprich. „Das war überwältigend, weil wir überhaupt nicht damit gerechnet hatten,“ ergänzt Eva Vollprich. „Wir waren natürlich aufgeregt und wussten nicht, wie viele Leute kommen würden. Und dann stand um das Café alles voller Menschen.“

Natürlich alles frisch

Am Gebäude hatten die beiden Gastronomen nicht viel verändert, nur alles etwas aufgefrischt. Sie schliffen die Dielen ab, tauschten einige der alten Sofas gegen neue, besorgten selbstgetöpfertes Geschirr. Sogar auf Stühlen aus der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg können Gäste heute noch sitzen. Von Anfang an das Aushängeschild des Cafés: der selbstgebackene Kuchen. Als gelernter Bäcker- und Konditormeister stand das für Manfred Vollprich natürlich außer Frage. Als nächstes Highlight kamen die Strudel – Apfel, Pflaume, Gries – und vor ein paar Jahren schließlich noch Flammkuchen. „Daran habe ich ziemlich lange getüftelt“, gibt der Bäckermeister zu. „Ich wollte nicht die fertigen Böden nehmen, sondern natürlich alles selber machen.“ Ein Jahr und viele Probeessen später war das perfekte Rezept gefunden. „Die Flammkuchen sind jetzt der Renner,“ ergänzt Eva Vollprich zufrieden. Von klassisch bis saisonal stehen nun immer sechs bis acht Flammkuchen auf der Speisekarte – die derzeitige Empfehlung ist ein Flammkuchen mit Pfifferlingen.

Ein Stück Kuchen mit Sahne
Leckerer Kuchen unter hohen Bäumen … die perfekte Kombination im Sommer. Foto: BSM

Aber nicht nur im Sommer lohnt sich ein Besuch in Schäfer’s Ruh. Auch Braunkohlwanderungen enden hier gerne, denn im Winter wird es auf der Speisekarte deftig mit Braunkohl und Bregenwurst, ein Klassiker in Braunschweig und Umgebung. Wenn es draußen kalt ist, laden die gemütlichen Sofas in den Innenräumen zum Aufwärmen bei einem Teller Suppe ein. Und zu besonderen Anlässen wird sogar der Ofen angeschmissen.

Der Tipp für alle Ausflügler

Ob im Sommer aufs Fahrrad geschwungen, im Winter durch den Schnee gestapft oder bei einer weiteren Anreise ins Auto gestiegen – Schäfer’s Ruh zieht zu jeder Jahreszeit ein bunt gemischtes Publikum an. Im letzten Jahr sogar ein Fernsehteam, wie mir das Ehepaar Vollprich berichtet. Zwei Tage lang wurde Schäfer’s Ruh zu einem Krimischauplatz, das Ergebnis wird voraussichtlich 2021 im Ersten zu sehen sein.

Während ich noch eine Weile im Schatten der großen Bäume sitze und den frischen Blaubeerkuchen probiere (genau das Richtige an heißen Sommertagen), füllen sich die Außenplätze mit Gästen, die zur Nachmittagszeit vor allem Kaffee und Kuchen bestellen. Auch wenn das Café im Naturschutzgebiet Riddagshausen etwas versteckt liegt, ein echter Geheimtipp ist es für Braunschweigerinnen und Braunschweiger sicherlich nicht – eher ein offenes Geheimnis unter Ausflüglern.

Informationen

Schäfer’s Ruh
Lindenallee 22
38104 Braunschweig – Schapen
Telefon: 0531 360 240

Öffnungszeiten Mai bis Oktober:
Mittwoch bis Freitag: 11 bis 18 Uhr
Samstag und Sonntag: 10 bis 18 Uhr

Öffnungszeiten November bis April:
Mittwoch bis Freitag: 11 bis 18 Uhr
Samstag und Sonntag: 9 bis 18 Uhr

Je nach Jahreszeit und Witterung kann das Café auch früher schließen.

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