
Update (9.11.2017): Die Führung „Braunschweigs Innenstadt – Ist schön. Wird schön.“ wird nicht mehr angeboten. Ein Spaziergang zu den Punkten lohnt sich aber immer noch.
Aus meiner Wolfenbütteler Jugend kenne ich Braunschweigs Stadtkern von vielen Shoppingausflügen noch sehr gut. Seitdem ich hier wohne, hat die Innenstadt jedoch eine große Wandlung durchgemacht, die ich bisher nur ganz diffus mit: „Braunschweig wird irgendwie immer schöner!“ beschreiben konnte. An der ersten Route der Stadtführung „Braunschweigs Innenstadt – Ist schön. Wird schön.“, die im Rahmen der Citymarketingkampagne nur in diesem Jahr angeboten wird, nehme ich also aus zwei Gründen teil: weil ich mich dafür interessiere, wie Braunschweigs Innenstadt sich bis heute entwickelt hat. Aber auch, weil ich gespannt bin, welche Veränderungen in den nächsten Jahren anstehen.
Wie viel sich im letzten Jahrzehnt in der Innenstadt getan hat, erzählt der Stadtführer Thomas Blume, der den Titel der Führung kurzerhand um „Ist schön. Wird noch schöner!“ ergänzt und direkt seine persönliche Leidenschaft für Braunschweig offenbart. Wir starten in einer kleinen Gruppe an der Touristinfo, wo Thomas Blume, der aus einem großen Wissensschatz über Braunschweig schöpfen kann, direkt beginnt: Braunschweigs Stadtkern wurde im Jahr 1944 zu 90 Prozent bei einem Luftangriff zerstört, die Wiederaufbauarbeiten in den 1940er und 1950er Jahren mussten vor allem schnell und günstig durchgeführt werden. Im Rahmen der Städtebauförderung sind seit den 1970er Jahren bereits viele Orte restauriert und modernisiert worden, in den letzten zehn Jahren jedoch ist so viel in der Innenstadt verändert worden, dass nun diese Stadtführung über den Wandel seit 2004 berichtet.
Wir gehen von der Touristinfo aus am ehemaligen Kaufhaus Franke vorbei, das mittlerweile eine die Fachwerkarchitektur der gegenüberliegenden Gebäude spiegelnde Fassade besitzt. Das Modegeschäft New Yorker hat hier seinen Flagshipstore eingerichtet und das Kaufhaus von Grund auf modernisiert. Unser erstes Ziel ist der Kohlmarkt, den ich vor zehn Jahren mit meinen Freunden nur zum Überqueren in die nächste Straße genutzt habe. Heute aber ist er einer der Orte mit der höchsten Aufenthaltsqualität: Hier im Sommer an einem der vielen Tische der Außengastronomie einen Platz zu ergattern, ist manch ein Mal eine Herausforderung. Die Tritonen auf dem Brunnen speien wieder Wasser, die Fassaden der umliegenden Häuser werden abends oft in bunten Farben beleuchtet und durch den neuen Pavillon wird hier bei Ut’n grooten Pott mittlerweile auch der Hunger gestillt.
Thomas Blume lässt mit seiner Begeisterung und den vielen, auch oft spontan erzählten Anekdoten, die Geschichten der Braunschweiger Innenstadt lebendig werden. Nicht zuletzt mit Hilfe von vielen Vorher-Nachher-Fotos. So auch am Bankplatz, den wir nun erreichen. Hier war noch vor wenigen Jahren ein zweckmäßiger Parkplatz zu finden, auf dem sich vor allem Müllcontainer und Autos tummelten. Seit 2008 aber schmücken ihn sich umeinanderwindende Hochbeete und Bänke und auch die Container sind verschwunden – die Müllsammlung erfolgt jetzt unter der Erde, sodass nur die Zylinder für den Einwurf überirdisch sichtbar sind.
Weiter geht es zum Friedrich-Wilhelm-Platz, wo bei Nacht leuchtende Wolkenbänke den Platz beleben. Die finden sich auch auf dem gegenüberliegenden Platz vor der Braunschweigischen Landessparkasse wieder: hier allerdings in Rot. Terrassenförmige Stufen, so verrät Thomas Blume, sollen hier zur Seite des alten Bahnhofs angebaut werden und noch mehr Möglichkeiten zum Verweilen bieten.
Unsere kleine Gruppe spaziert nun zum Ägidienmarkt. Hier können wir sogar den Bauprozess live beobachten: Aktuell werden hier, unter anderem von dem uns grüßenden Baggerfahrer, die Straßendecken und Fußwege erneuert. Es sollen zudem noch Bäume und beleuchtete Sitzmöglichkeiten geschaffen werden. Der Ägidienmarkt hatte schon 2016 einen neuen Charakter bekommen, als die Gleisbetten modernisiert und mit hellen Natursteinen ausgelegt wurden. Zudem wurden die Begrenzungen zu den Seiten entfernt, sodass nun eine Straßenüberquerung von der Ägidienkirche zum Magniviertel für Fußgänger und Radfahrer möglich ist. Wie praktisch! Und freundlicher wirkt der Platz dadurch ebenfalls.
Nun ist es nicht mehr weit zum herrschaftlichen Residenzschloss mit seiner glänzenden Quadriga. Es wurde vor zehn Jahren fertig gestellt und schließt die Lücke vom Herzog Anton Ulrich-Museum und dem Staatstheater zur Innenstadt. Hier befinden sich das Stadtarchiv, die Stadtbibliothek, das Kulturinstitut und die Kulturverwaltung. In den benachbarten Schloss-Arkaden, deren moderne Architektur sich von dem klassizistischen Residenzschloss abhebt, befinden sich 150 Einkaufsläden und Restaurants.
Von hier aus schlendern wir an den Cafés und Geschäften vorbei zum Platz der Deutschen Einheit. „Früher“ diente er vor allem als Parkplatz, heute lädt er mit seinem Wasserspiel, das besonders Kinder schon bei den ersten Sonnenstrahlen anzieht, zum Spielen und Verweilen ein.
Nach diesem spannenden Spaziergang, der mich viel über Braunschweigs Innenstadtentwicklung hat lernen lassen, kehren wir wieder zur Touristinfo zurück, wo wir unsere aufgrund der dunklen Wolken am Himmel ausgeliehenen Regenschirme wieder abgeben. Diese stehen durch den CityService auch außerhalb einer Stadtführung in der Touristinfo oder in ausgewählten Geschäften zum Entleihen bereit.
Wie erinnern Sie sich an das Braunschweig der vergangenen Jahre? Was sind für Sie die wichtigsten Veränderungen?
Informationen
Stadtführung „Braunschweigs Innenstadt – Ist schön. Wird schön.“
Route 1
Termine: 03.6., 05.8., 07.10.2017
Treffpunkt: Touristinfo Braunschweig, Kleine Burg 14
Route 2
Termine: 01.7., 02.9., 04.11.2017
Treffpunkt: Rathaus, Platz der Deutschen Einheit
Uhrzeit: Jeweils um 14:30 Uhr
Dauer: ca. 1,5 Stunden
Preis (Person): 8,50 €
Artikelbild: BSM
Update (9.11.2017): Die Führung „Braunschweigs Innenstadt – Ist schön. Wird schön.“ wird nicht mehr angeboten. Ein Spaziergang zu den Punkten lohnt sich aber immer noch.
Keine Kommentare