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Das Langerfeldt-Haus – ein Gebäude mit Geschichte

Das Langerfeldt-Haus

Wenn Gebäude sprechen könnten, würden sie wahrscheinlich gar nicht mehr aufhören zu erzählen. Von den Menschen, die einst in ihnen gewohnt haben – von der Nachbarschaft, die sich seit ihrem Bau verändert hat – von den Geschäften, die in ihren Räumen öffneten oder wieder schließen mussten. Ein Gebäude, über dessen Geschichte in den letzten Jahren immer wieder gesprochen wurde, ist das Langerfeldt-Haus in der Braunschweiger Innenstadt. Zwischen den Straßen Papenstieg und Sack beherbergt es neben der Buchhandlung Graff, Summersby, dem MONO und der Rechtsanwaltsgesellschaft Compleneo seit Oktober 2020 auch die Büroräume der Braunschweig Zukunft GmbH und der Braunschweig Stadtmarketing GmbH. Über die Geschichte des Hauses – von der Wäscherei bis zum heutigen Langerfeldt-Ensemble – habe ich mich einmal schlau gemacht und so einiges über die Räume erfahren, in denen ich von jetzt an meine Geschichten für Sie recherchieren und schreiben werde.

Wie alles begann

Braunschweiger*innen erinnern sich noch an das Wäschehaus Langerfeldt, das bis Ende 2017 seine Türen zur Fußgängerzone geöffnet hatte und bis dahin auf eine 145-jährige Geschichte zurückblicken konnte. 1872 gründete der damals 23-jährige Carl Ernst Friedrich Langerfeldt das Unternehmen als „Leinen = Waaren = Geschäft en gros und en detail“, das anfangs noch in der Breiten Straße zu finden war. 1878 zog das Stammhaus dann an die Adresse Sack 16, unter der Sie heute die Buchhandlung Graff finden. Zwanzig Jahre später kamen die Grundstücke Sack 17 und 18 dazu, sodass 1897 aus diesen Gebäuden das eindrucksvolle Geschäftshaus werden konnte, an dessen Aussehen die Fassade heute noch erinnert. Genutzt wurde das Ensemble im Laufe der Jahrzehnte nicht nur als großzügiger Verkaufsraum, in seinem Inneren befand sich auch eine Wäscherei und einige der oberen Geschosse dienten als Wohnraum.

Die fassade des Langerfeld-Hauses am Sack
Die Fassade des Gebäudes ist auch heute noch beeindruckend. Foto: BSM

Das Kaufhaus Langerfeldt war ein Generationenunternehmen im doppelten Sinne: So wurde es nicht nur als Familienunternehmen über Generationen hinweg geführt, sondern war auch für Generationen von Braunschweiger*innen ein fester Anlaufpunkt in der Innenstadt. Modische Alltagskleidung, schicke Abendgarderobe und qualitative Wäsche wartete in den Verkaufsräumen auf künftige Besitzer*innen. Abends erleuchteten die dekorierten Schaufenster den Bürgersteig und luden späte Spaziergänger*innen zum Schaufensterbummel ein.

Der Wandel des Gebäudes

Das Hauptgebäude am Sack 17 muss schon Ende des 19. Jahrhunderts mit seiner neobarocken Fassade, gusseisernen Säulen, stuckverzierten Decken und einer dreiläufigen Geschosstreppe wirklich beeindruckend ausgesehen haben. Architekt des historischen Langerfeldt-Hauses war Max Osterloh. Vielleicht haben Sie den Wasserturm am Giersberg oder das Städtische Museum vor Augen, denn auch hier finden Sie die Handschrift des Architekten. Anfang des 20. Jahrhunderts kam es dann zu Umbauarbeiten. Das Gebäude bekam einen Aufzug und passte sich auch sonst dem Geschmack der Zeit an: so verschwand zum Beispiel der Stuck an den Decken und die verzierten Säulen bekamen Verkleidungen. Alles wurde geradliniger und schlichter.

Fassade des Langerfeldt-Hauses am Papenstieg
Hermes, der griechische Gott der Kaufleute, blickt von der Fassade am Papenstieg auf Vorbeigehende hinunter. Foto: BSM

Was allerdings noch viel mehr Einfluss auf die Gestalt des Gebäudes hatte, war der Wiederaufbau nach den Kriegszerstörungen und die darauffolgenden Baumaßnahmen in den 60er Jahren. Hier wurde nämlich der komplette Grundriss verändert, neue Decken und sogar Wände wurden eingezogen, die die Seitenflügel vom ehemaligen Lichthof trennten. Im Jahr 2000 kam dann ein Mittelbau zwischen dem Gebäude am Sack und dem am Papenstieg dazu, sodass das Langerfeldt-Haus heute ein Ensemble aus vielen Gebäudeteilen ist. Nach weiteren Umbaumaßnahmen konnten schließlich ab 2019 nach und nach die neuen Mieter*innen ihre Räume beziehen.

Eine kleine Stadt in der Stadt

Heute kann man sagen, das Langerfeldt-Haus beherbergt von allem etwas: Einzelhandel, Gastronomie, Büroflächen, sogar Ärzte und Notare. „Jeder Mieter macht etwas anderes,“ heißt es dazu in der Broschüre, die 2019 zum Umbau des Gebäudes entstanden ist. „Eigentlich ist das die Uridee von Stadt. Nur hier in einem verkleinerten Abbild.“ Wenn Sie also durch die Innenstadt schlendern und ein gutes Buch suchen, ist die Buchhandlung Graff die richtige Adresse, für zeitgenössische japanische Küche lohnt sich ein Besuch im MONO und wenn Sie noch modische Kleidung für die Wintersaison brauchen, schauen Sie mal bei Summersby vorbei. Weil auch das Stadtmarketing von nun an im Langerfeldt-Haus zu finden ist, habe ich all diese verlockenden Angebote ab jetzt täglich vor der Nase. Ob das meinem Geldbeutel guttut, wird sich noch zeigen …

Quelle: Wiegand, Oliver (Hg.): „Langerfeldt-Haus. Ein Denkmal im Wandel“, 2019.

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