Hier bin ich Mensch, hier kehr‘ ich ein

Kies knirscht unter meinen Herbststiefeletten, als ich den Torbogen des Heinrich am Eingang des Stadtparks passiere. Ein frisches Lüftchen zieht durch die Baumkronen und löst vereinzelt rotegoldene Blätter, die federleicht gen Boden streben. Ein Eichhörnchen kreuzt meinen Weg und linst noch kurz frech in meine Kamera, um sich dann den wirklich wichtigen Dingen zuzuwenden: dem Futtervorrat. Ein lauschiges Plätzchen für ein Wirtshaus. 130 Jahre steht es hier im Stadtpark und bewahrt still die Geschichten von unzähligen Kaffeekränzchen und feuchtfröhlichen Abenden.

Am 10. Oktober erst feierte Lars Nussbaum, Besitzer des Heinrichs, Eröffnung und schon jetzt sind das Interesse und der Andrang unfassbar groß. Während meines Besuchs luken immer wieder neugierige Gesichter durch die Fenster, um zu schauen, wie es wohl innen jetzt aussieht. 160 Plätze bietet das Heinrich im Innenraum. Plätze, die sehr begehrt sind. Verständlich ist der Andrang dennoch, ist es doch herrlich heimelig hier dank des warmen Holzes, der hellen Brauntönen und dem Hang zu nostalgischen Details wie alten Büchern und zwei Kaminen.

„Essen wie bei Oma“ ist der Grundgedanke und so arbeiten hier ältere kocherfahrene Damen mit der jungen Generation der Küchenkünstler zusammen. Eine von ihnen kommt täglich und backt zwei Kuchen aus ihrem Rezeptbuch für Heinrichs Kaffeeglück von 15 bis 17 Uhr. Ein Blick auf die Speisekarte, die zur Zeit alle sechs Wochen wechselt, spiegelt diese Verbindung wieder: Deftiges Eisbein mit Erbsenpüree und Sauerkraut trifft auf leichtes Kürbiscremesüppchen mit Ingwer (übrigens vegan). Beim Dessert hat man die Qual der Wahl zwischen hausgemachter Roter Grütze mit Vanillesoße und Lebkuchenauflauf mit flüssigem Kern. Die Auswahl ist gewollt überschaubar – Qualität statt Quantität ist die Devise. Saisonal und regional wird hier gekocht und so ist das Team auch auf die Mumme gekommen. Was als Idee entstand, ist derzeit der Renner schlechthin: Das Mumme-Gulasch mit Spätzle geht weg wie warme Semmeln. Als Vegetarierin komme ich in dem Fall nicht in den Genuss, also wende ich mich doch mal der Getränkekarte zu. Eine gute Auswahl an Weinen und Whiskey lässt erahnen, dass dies sicher nicht mein letzter Besuch sein wird. Für die Freunde eines schön gezapften Pils wird ebenfalls gesorgt, genauso wie für die Liebhaber eines Kräuterlikörs oder Himbeergeistes nach dem Essen.

Gelegentlich wird auch Musik in der Luft liegen. Ein Klavier im Barbereich verlangt nahezu nach einem Pianisten und der dazugehörigen Sängerin. Vielversprechend ist auch der kleine, wirtshauseigene Musikpavillon vis-a-vis des Eingangs und in unmittelbarer Nähe des Biergartens, auf den wir uns noch bis zum nächsten Sommer gedulden müssen. Das Programm wird sich eher im akustischen Bereich bewegen, denn passend zum Konzept legt Nussbaum Wert auf eine gute Nachbarschaft – wummernde Bässe und elektronisches Gefrickel haben die Anwohner also nicht zu fürchten.

Das Heinrich-Team konzentriert seine Mühen auf keine elitäre Zielgruppe, viel lieber schafft es einen Ort, an dem alle sich wohl fühlen. Und in der Tat kann ich mir vorstellen, hier sowohl mit meiner Omi ein Stück Apfelkuchen zu verdrücken, mein nächstes Date zu bitten, doch hier zu reservieren als auch mit meinem Vater einen Single Malt zu zelebrieren. Um frei aus einem anderen Klassiker zu zitieren: Hier bin ich Mensch, hier kehr‘ ich ein.

Öffnungszeiten

Jasperallee 42
38102 Braunschweig
(05 31) 60 94 67 10

Montag bis Samstag 15 bis 1 Uhr
(warme Küche 17 – 23 Uhr)
Sonntag- und Feiertage 11 – 0 Uhr
(warme Küche 11 – 22 Uhr)

Heinrichs Kaffeeglück
täglich 15 – 17 Uhr

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