Von der Gleisanlage zum Radrundweg

Bisher war bei einem „grünen Ring“, der die Stadt umschließt, immer von der Oker und den anliegenden Parks die Rede. Derzeit bekommt der Fluss allerdings Konkurrenz – und zwar von einer ehemaligen Gleisanlage.

Das Ringgleis war einst eine Eisenbahnverbindung, die sich (wie der Name schon sagt) ringförmig um die Stadt schloss. Das Herzogtum Braunschweig hatte sehr früh die wirtschaftliche Bedeutung der Eisenbahn erkannt und plante entsprechend der Haupthandelsverbindung eine Bahnlinie in Ost-West-Richtung. Die Nachbarländer Hannover und Preußen boykottierten jedoch dieses Vorhaben, sodass Braunschweig 1838 zunächst nur eine Südverbindung nach Bad Harzburg baute. Entsprechend der Streckenführung, entstand ein Bahnhof im Süden der Stadt und mit ihm ein ausgedehntes Industriegebiet. Bald zeigte sich aber die ungünstige Lage des Standortes, denn der Wind trug die verschmutze Luft aus dem Industriegebiet direkt über die Stadt.

Etlichen Diskussionen später entstand die Idee, eine Art Gürtelbahn um Braunschweig zu legen, die es der Industrie ermöglichte, sich auch in anderen Gebieten als in direkter Nähe zum Bahnhof anzusiedeln, damit die Bewohnerinnen und Bewohner Braunschweigs saubere Luft atmen können.

In den 1890ern folgten der Idee Taten. Zur Erschließung und Versorgung der Industrie im Westen der Stadt wurde eine Ringbahn gebaut: Die westliche Ringstrecke entstand. Im Laufe der Zeit erhielten fast 50 Industrie-, Handels- und Versorgungsbetriebe Gleisanschlüsse. Nach Ende des Zweiten Weltkrieges ging die Bedeutung der Eisenbahn zunehmend zurück, der Güterverkehr wurde von den Schienen auf die Straße verlagert. Ein großer Teil des Ringgleises wurde stillgelegt und abgebaut.

Doch was soll man nun mit einem etwa 19 Kilometer langen, größtenteils stillgelegten, Eisenbahnnetz anstellen? Mit der Frage beschäftigte sich der Fachbereich Stadtplanung und Umweltschutz und brachte 2011 seinen „Masterplan Ringgleis“ zu Beschluss. Darin stand, was in den nächsten Jahren entlang des ehemaligen Gleises entstehen soll: „ein umschließender grüngeprägter, klimaschutzwirksamer Freiraumring von hohem Naherholungs- und Freizeitwert mit integriertem Rad- und Fußweg.“

Zugegeben, das klingt erst einmal ziemlich abstrakt. Damit Sie sich vorstellen können, wie die Umsetzung dieses Planes in natura aussieht, nehme ich Sie mit auf eine kleine Radtour entlang des ersten fertiggestellten Streckenabschnittes, dem Westlichen Ringgleis:

 

Nach Vorbild dieses ersten Abschnittes soll ein 19 Kilometer langer Fuß- und Radweg entstehen, der einmal rings um die Stadt führt. Als Radfahrfreundin finde ich diesen Plan richtig gut und wenn ich sehe, wie viele Leute mir bei meiner kleinen Tour mitten unter der Woche begegnen, bin ich sicher, dass es vielen Braunschweigerinnen und Braunschweigern ähnlich geht. Viermal im Jahr setzt sich der Gesamtstädtische Arbeitskreis Ringgleis zusammen und lädt die Bewohnerinnen und Bewohner der Löwenstadt dazu ein, an der weiteren Entwicklung des Ringgleises mitzuarbeiten. Wer Lust hat, sich daran zu beteiligen, findet die Termine für die nächsten Treffen unter www.braunschweig.de/ringgleis.

Nachtrag: Dass es sich auf dem Ringgleis auch wunderbar joggen lässt, zeigt dieser Blogbeitrag: Hier läuft es sich besonders gut.

Beitragsbild: BSM

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