Modische Zeitreise ins Mittelalter

Haben Sie Lust auf eine Zeitreise? Dafür brauchen Sie keine Zeitmaschine wie etwa bei „Zurück in die Zukunft“. Alles, was Sie tun müssen ist, sich am Pfingstwochenende zum Burgplatz zu begeben und sich ins mittelalterliche Getümmel zu stürzen. Drei Tage lang ist der Mittelaltermarkt zu Gast in der Löwenstadt: Gaukler, Ritter und Musikanten unterhalten mit kurzweiligem Klamauk, traditioneller Musik, Handwerkskunst und beeindruckenden Ritterspielen.

Die Akteure an diesem Wochenende werden sich für dieses Spektakel auf jeden Fall in Schale schmeißen und sich stilecht ankleiden. Wenn Sie auch wissen möchten, wie man sich im Mittelalter eigentlich gekleidet hat, lesen Sie einfach weiter. Eine Sache vorweg: Ein Vorurteil, das sich stets hartnäckig im Zusammenhang mit dem Mittelalter hält, ist, dass die Menschen nicht sonderlich auf ihr Aussehen geachtet haben sollen. Zugegeben, vielleicht entsprach der Hygienestandard nicht dem heutigen. Doch wer sich mit dem Mittelalter beschäftigt, weiß, dass das äußere Erscheinungsbild nicht unwichtig war, da die Kleidung insbesondere Aufschluss über den sozialen Stand zuließ.

Und auch die Nase rümpfen musste man scheinbar nicht an jeder Ecke: Nachweislich wurden Riechbehälter zur Abwehr von Krankheiten am Körper getragen, die tierische oder pflanzliche Duftstoffe in festen Kugeln oder Salbenform enthielten. Solch eine Dose wurde an einem Kettchen um den Hals gehängt. Zusätzlich befand sich in ihr ein Meeresschwamm, der mit einem Duft getränkt war. Eine Art Parfüm also. Praktisch: Das Kettchen war gleichzeitig auch ein Schmuckstück.

Kleider machen Leute

Damit Sie kleidungstechnisch für den Mittelaltermarkt gut vorbereitet sind, ist es wichtig zu wissen, was früher in Mode war. Da das Mittelalter (6. bis 15. Jahrhundert) eine relativ lange Zeitspanne umfasst, gab es natürlich innerhalb dieser auch Unterschiede im Kleidungsstil. Bekleidung bedeutete für die Menschen im Mittelalter zum einen Schutz vor Witterungseinflüssen, zum anderen war sie Ausdruck des Standes. Der Stil der bäuerlichen Kleidung blieb, im Gegensatz zu den höheren Ständen, nahezu während der gesamten Epoche gleich. Eine mittelalterliche Magd trug eine einfache Bluse und einen Rock, dazu meist eine Haube. Bei Männern waren das Stehkragenhemd und die Bundhose, kombiniert mit einem Wams (eine Art Weste) charakteristisch. Außerdem wurden meist Naturfarben verwendet, da das Einfärben mit viel Aufwand und Kosten verbunden und eher der oberen Schicht vorbehalten war.

Der Kleidungsstil der betuchten Bevölkerung unterschied sich von den niedrigeren Ständen vor allem durch die hochwertigeren Stoffe und die bunten Farben. Im frühen Mittelalter trugen die Frauen gerne Tuniken, über die zusätzlich noch ein weiter Mantel gezogen wurde. Je nach Wohlstand waren diese aus mehr oder weniger hochwertigen Stoffen gefertigt und reich bestickt. Der adlige Mann zeigte sich in einem körperbetonten Rock, der ebenfalls tunikaartig geschnitten war. Im Laufe der Jahrhunderte wurde die Kleidung der Oberschicht bei Frauen und Männern enger am Körper getragen, reicher verziert und länger. Beim Kopfschmuck hatten die Frauen etwas mehr Auswahl: Während Männer meist Kappe oder Barett trugen, war das Haupt der Frauen mit Schleiern, Hauben, Hüten oder Haarnetzen geschmückt.

Ab dem 14. Jahrhundert waren in die Kleider der Frauen je nach Stand sogar wertvolle Pelze oder Schmuck, wie etwa Perlen, eingearbeitet und das Dekolleté wurde gerne betont.

 Schönheitsideal im Mittelalter

Die Statue von Uta von Naumburg steht bei der Ausstellung "Eva's Beauty Case und Adam's Necessaire" im Braunschweigischen Landesmuseum. Foto: BSM

Die Statue von Uta von Naumburg steht bei der Ausstellung „Eva’s Beauty Case und Adam’s Necessaire“ im Braunschweigischen Landesmuseum. Foto: BSM

Hätten Sie es gewusst? Während wir heute verschiedenen Models, Bloggern und Influencern nacheifern, galt im Mittelalter besonders eine Frau als Vorbild, was Schönheit angeht. Uta von Naumburg, besser bekannt als die schönste Frau des Mittelalters, entsprach dem damaligen Schönheitsideal: Ebenmäßige Gesichtszüge, blasse Haut und helle Augen sowie eine schlanke Silhouette galten als besonders attraktiv. Um 1250 entstand ihr Standbild, das heute im Naumburger Dom beheimatet ist. Eine Statue von Uta von Naumburg steht während der Ausstellung „Eva’s Beauty Case und Adam’s Necessaire“ im Landesmuseum.

Wenn Sie mehr über die Schönheitsideale, Kleidung und Kosmetik im Mittelalter erfahren möchten, lege ich Ihnen die Ausstellung im Landesmuseum, der wir bereits einen Besuch abgestattet haben, ans Herz

Beim Mittelaltermarkt am Pfingstwochenende können Sie den zeitgenössischen Kleidungsstil der Spielmannsleute, Mägde oder des Adels hautnah erleben. Haben Sie auch schon Ihr mittelalterliches Outfit parat?

Informationen

33. Mittelalterlicher Pfingstmarkt zu Braunschweig
Vom 19. bis 21. Mai 2018 auf dem Burgplatz
Marktzeiten: 11:00 bis 22:00 Uhr, am Pfingstmontag bis 19:00 Uhr
Kulturtaler: Erwachsene 6 Euro; ermäßigt 3 Euro; Kinder unter zwei Braunschweiger Ellen (114 cm) frei

Beitragsbild: Beim Mittelaltermarkt auf dem Burgplatz sind die Akteure historisch gekleidet. Foto: BSM

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