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Neuer Ausblick: der Kohlmarkt

Tapetenwechsel bei der Braunschweig Stadtmarketing GmbH: Aus den Räumlichkeiten im Welfenhof geht es in die Schuhstraße 24. Hier zieht die Braunschweig Stadtmarketing GmbH mit der Braunschweig Zukunft GmbH zusammen. Auch in Hinblick auf die Vergangenheit, nämlich die Stadt- und Siedlungsgeschichte Braunschweigs, ist dieser Umzug von Bedeutung. Denn mit dem Umzug in die Schuhstraße rückt die Einrichtung, die sich seit über zehn Jahren für die Attraktivität der Stadt einsetzt, selbst in die unmittelbare Nähe eines der attraktivsten und ältesten Quartiere Braunschweigs, den Kohlmarkt im Zentrum der Braunschweiger Altstadt.

Kohlmarkt „historische Keimzelle der Stadt“
Der Kohlmarkt mit altem Sternhaus vor dem Abbruch 1894. Der Brunnen wurde 1869 nach einem Entwurf Oskar Sommers gebaut und steht bis heute. Foto: Elmar Arnhold/privat

Der Kohlmarkt mit altem Sternhaus vor dem Abbruch 1894. Der Brunnen wurde 1869 nach einem Entwurf Oskar Sommers gebaut und steht bis heute.
Foto: Elmar Arnhold/privat

Der Kohlmarkt (früher „Kohlenmarkt“) macht den Auftakt zur Reihe „Braunschweiger Architekturhighlights“, denn der Platz ist in vielerlei Hinsicht etwas Besonderes. Architekturexperte und Autor Elmar Arnhold (www.braunschweiger-baukultur.de, www.gebauteserbe.de) erläutert, warum: „Der Kohlmarkt ist eine der drei historischen Keimzellen der Stadt. Im 10. Jahrhundert entstand auf der Okerinsel eine Burganlage, die spätere Burg Dankwarderode. Von dort aus wurde der Okerübergang bewacht und geschützt, Handel konnte sich entwickeln. Parallel entwickelten sich zwei Siedlungsgebiete. Im Osten das heutige Magniviertel; auf die Weihe der Magnikirche im Jahr 1031 geht die erste urkundliche Erwähnung der Stadt Braunschweig zurück. Und hier im Westen entstand der Kohlmarkt mit der St. Ulrici-Kirche, wo sich zwei Fernhandelswege über die Oker kreuzten.“

Den Bombenhagel überstanden

Das historische Flair ist dem Kohlmarkt auch deshalb erhalten geblieben, weil er die verheerenden Bombenangriffe im Zweiten Weltkrieg relativ unbeschadet überstanden hat. Warum der Kohlmarkt zwar historisch, aber dennoch nicht nach Mittelalter aussieht, weiß Arnhold auch: „Die historische Bausubstanz am Kohlmarkt ist stark von der Architektur der Gründerjahre geprägt. Zwischen Reichsgründung und erstem Weltkrieg entwickelte sich die Innenstadt als Geschäftszentrum, so wie wir sie heute kennen. Alte Handwerks- und Kaufmannshäusern wurden abgerissen oder umgenutzt und häufig traten größere und rentablere Warenhäuser an ihre Stelle. Die massiven Gebäude aus Stein waren darüber hinaus resistenter gegen den Bombenhagel als die zahlreichen Fachwerkhäuser der Innenstadt.“

Platz wird von sechzehn historischen Gebäuden eingefasst
Golden leuchtet der Stern am "Haus zum Stern". Foto: BSM/Daniel Möller

Golden leuchtet der Stern am „Haus zum Stern“. Foto: BSM/Daniel Möller

Von den rund zwanzig Gebäuden, die den Kohlmarkt heute einfassen, sind sechzehn als Kulturdenkmale erhalten geblieben. Bis heute sticht vor allem das Haus am Kohlmarkt Nr. 2 ins Auge: Das „Haus zum Stern“ ist eines der opulentesten Gründerzeithäuser im Stil der deutschen Neorenaissance und stammt aus dem Jahr 1894. Und wer wie Elmar Arnhold ganz genau hinschaut, kann die Baugeschichte Braunschweigs am Kohlmarkt sogar bis in das 16. Jahrhundert verfolgen: „Die ältesten Spuren findet man am „Haus zur Rose“ mit seinem Renaissancegiebel, der um 1590 entstanden ist. Das Mauerwerk des Gebäudes ist allerdings noch wesentlich älter.“

Braunschweig voll von Architekturschätzen

Der Kohlmarkt ist einer der architektonisch und baugeschichtlich wichtigsten Orte in Braunschweig – aber bei Weitem nicht der einzige. Die Reihe „Braunschweiger Architekturhighlights“ wird deshalb ab jetzt bedeutende Bauwerke und Ensembles in Braunschweig vorstellen und näher beleuchten. Denn Braunschweig ist – trotz massiver Weltkriegsschäden – voll von Architekturschätzen. Danach hat der schlichte Funktionalismus der Nachkriegszeit weitere bekannte Bauikonen hervorgebracht und zeitgenössische Projekte wie der Neuaufbau des Schlosses, das Graff-Gebäude oder die New-Yorker-Fassade prägen das moderne Gesicht der Stadt.

Text: Jan Engelken
Artikelbild: Braunschweig Stadtmarketing GmbH/Daniel Möller

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