I want to ride my bicycle – auf dem Ringgleis!

Einkaufen, Freunde besuchen, zur Arbeit fahren: Alles erledige ich mit dem Fahrrad. In Braunschweig finde ich das einfach entspannt, weil die Strecken nie zu lang sind, ich flexibel und schnell unterwegs bin und mich gleichzeitig an der frischen Luft bewegen kann. Ständig bin ich auf der Suche nach neuen schönen Strecken, denn ich fahre am liebsten dort entlang, wo es grün ist und wenig Autos unterwegs sind. Es ist also kein Wunder, dass ich vom Ringgleis absolut begeistert bin. Deshalb möchte ich Sie heute auf meine Fahrradtour entlang der alten Gleise mitnehmen.

Wir Braunschweiger wissen, was gut ist: Die Geschichte des Ringgleises

Bevor ich losradele, erzähle ich Ihnen kurz das Wichtigste zum Ringgleis: Wussten Sie, dass das Gleis, das ursprünglich hier entlanglief, Ende des 19. Jahrhunderts gebaut wurde, um die Industrie im westlichen Teil der Stadt zu versorgen? Daher gibt es auch viele schöne alte Backsteingebäude entlang des Weges.

Foto: BSM

Backsteinwand entlang des Ringgleises. Foto: BSM

Nachdem das Gleis dann in den 1980ern stillgelegt wurde, diskutierten schon in den 1990ern Braunschweigerinnen und Braunschweiger, ob es nicht öffentlich genutzt werden könnte. 2001 begann die Stadt Braunschweig dann mit der Umsetzung des ambitionierten Planes, ein 19 Kilometer langes Ringgleis um die Löwenstadt zu legen. Aktuell windet es sich vom Kennelbad bis zum Univiertel – ein Halbkreis, der bis 2019 noch um knapp zwei weitere Kilometer wachsen wird.

Industrie im Container

Der Infomations-Container zur Seifenfabrik am Ringgleis. Foto: BSM.

Der Infomations-Container zur Seifenfabrik am Ringgleis. Foto: BSM.

Jetzt geht es endlich los. Ich fahre auf Höhe der Hugo-Luther-Straße auf das Ringgleis. Sofort ist es angenehm ruhig, denn hier dürfen nur Fußgänger und Radfahrer entlang. Am Westbahnhof mache ich direkt meinen ersten Halt, um den roten Bahncontainer zu inspizieren. Er gehört zum Industriepfad, einem Informationssystem, das die Industriegeschichte Braunschweigs seit 2015 beleuchtet. Stolze 50 Unternehmen gab es im Bereich des heutigen Ringgleises zu Zeiten des Gleisbetriebes!

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Seifensieden am Ringgleis um 1921. Foto: BSM, Quelle: Deri Verlag Berlin.

Am interessantesten finde ich den Container in Höhe der Ernst-Amme-Straße, der über eine 1842 gegründete Seifenfabrik berichtet, denn ich liebe schöne Seifenstücke und auch heutzutage ist es zum Glück noch modern, sie in der Löwenstadt herzustellen .

Ein Fitness-Studio zwischen Birken

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Mein Kollege hat den Trimm-dich-Pfad ausführlich getestet und einen eigenen Beitrag darüber geschrieben. Foto: BSM

Als nächstes radele ich am Trimm-dich-Pfad vorbei. Beindrücken, Oberkörper-Ergometer oder Wellenlaufen – viele Geräte laden mich dazu ein, unter freiem Himmel zwischen Birken zu trainieren. Ich fühle mich an solchen Fitness-Pfaden immer ein bisschen wie ein Kind auf dem Spielplatz, weil ich die verschiedenen Stationen einfach ohne Fitnessstudio-Gefühl ausprobieren kann und viele Geräte einfach Spaß machen. Mein Favorit ist ganz klar die Slackline. Balancieren finde ich spannend und praktisch zugleich, denn wer weiß, wann ich das nächste Mal mit meiner Extraportion Balance punkten kann? Mein Kollege hat übrigens schon einmal einen ganzen Beitrag nur über den Trimm-dich-Pfad geschrieben.

Foto: BSM

Die historische Drehscheibe wurde früher zum Rangieren der Wagons genutzt. Foto: BSM

Kurz nachdem ich das Open-Air-Fitnessstudio hinter mir gelassen habe, entdecke ich eine seltsame runde Form im Gleisbett. Die Infotafel erklärt mir: Es ist eine Drehscheibe, mit der die Eisenbahnwaggons gedreht werden konnten – zum einfacheren Entladen. Sie war früher auf dem Gelände der Firma Brachvogel eingesetzt und ist die einzige Drehscheibe dieser Bauart, die in Braunschweig noch erhalten ist.

Von Kletterpilzen und coolen Rampen

Das Gleisbett im Vordergrund und der Kletterturm der Fliegerhalle im Hintergrund - auf dem Ringgleis gibt es viel zu entdecken. Foto: BSM

Das Gleisbett im Vordergrund und der Kletterturm der Fliegerhalle im Hintergrund – auf dem Ringgleis gibt es viel zu entdecken. Foto: BSM

Erst letztes Jahr kam eine neue Attraktion am Ringgleis hinzu: Die Fliegerhalle, in der Sie bouldern und klettern können. Von außen ist sie bereits ein richtiges Highlight: Das Dach der großen Halle ist abgerundet und neben ihr stehen ein kleiner und ein großer Kletterturm. Bei seinen 17 Metern Höhe wird mir schon bei der Vorstellung, dort hochzuklettern, schwindelig. Der kleinere Turm wäre da schon eher meins, er heißt wegen seiner Form übrigens umgangssprachlich „Pilz“.

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Am Skatepark darf legal gesprayt werden – bunte Kunstwerke sind genauso vertreten wie Tags. Foto: BSM

Ein Stück weiter entlang des Gleises liegt dann der Skatepark. Hier bezwingen einige Skateboarder die Rampen, und ein Mann fährt mit dem BMX bewundernswerte Kunststücke. Ich muss sagen, die Stadt Braunschweig hat hier vor wenigen Jahren gemeinsam mit dem Skateboardclub Walhalla einen Ort geschaffen, der für die Jugendkultur einen riesigen Mehrwert bildet. Auch die Betonwände erfreuen sich großer Beliebtheit, denn an ihnen darf legal gesprayt werden. Bunte Graffiti geben dem Platz somit einen kreativen Charakter.

 Wer kann schon nein zu Eis sagen?

Mein Weg führt mich nun am Coney Eisland vorbei. Nicht zu verwechseln mit der Halbinsel Coney Island an der südlichen Spitze von Brooklyn! Aber Spaß beiseite, denn Eis ist schließlich eine ernstzunehmende Genussangelegenheit. Das kleine Verkaufsständchen bietet sogar mehrere vegane Sorten an. Gerade an diesem heißen Tag genieße ich meine Kugel besonders: Fruchtige Mango, ein Traum.

Natur und Industrie liegen nah an …. Kultur!

Foto: BSM

Die Okerbrücke am Ringgleis: Nach links geht es zum Ölper See. Foto: BSM

Einer meiner Lieblingsabschnitte des Ringgleises liegt zwischen der Celler Straße und der Oker. Denn hier vermischen sich Industrie und Natur auf eine überraschende Weise: Dicke Rohre schmiegen sich an den mit vielen Bäumen begrünten Weg an. Würde es sie nicht geben, könnte ich beinahe denken, dass ich im Wald gelandet bin. Bald überquere ich schon die Okerbrücke. Links könnte ich jetzt einen Abstecher zum schönen Ölper See machen, doch das hebe ich mir für nächstes Mal auf.

Das Haus der Kulturen ist ein Ort des interkulturellen Austausches und von außen einfach schön. Foto: BSM

Das Haus der Kulturen ist ein Ort des interkulturellen Austausches und von außen einfach schön. Foto: BSM

Mein Weg führt mich nun vorbei an BS Energy zum Haus der Kulturen. Im ehemaligen Nordbahnhof möchte das Projekt den interkulturellen Austausch fördern. Das Gebäude alleine ist schon einen Besuch wert, denn seine herrschaftliche Architektur ist von allen Seiten ein Augenschmaus. Veranstaltungen und Seminare informieren hier über unterschiedliche Themen und das KulturCafé im Eingangsbereich ist als Ort der Begegnung konzipiert, in dem neben Eis, Kaffee und Obst auch der Austausch über das Projekt willkommen ist.

Nach meinem letzten Stopp radele ich noch ein bisschen weiter das Ringgleis entlang, denn der folgende Teil ist noch relativ neu – den muss ich also besichtigen! Parkähnliche Flächen überraschen mich hier: Wie schön, dass ich durch das Ringgleis so viele verschiedene Seiten der Löwenstadt entdecke. Ich freue mich schon jetzt auf viele weitere Fahrradtouren.

Titelbild: Mit dem Fahrrad lässt sich das Ringgleis hervorragend erkunden. Foto: BSM

4 Kommentare zu “I want to ride my bicycle – auf dem Ringgleis!

  1. RrBd RrBd sagt:

    Danke für den schönen Artikel über diesen tollen (Nicht-Nur-) Freizeitweg.

  2. Laura Piep Laura Piep sagt:

    Vielen Dank für das nette Lob! Viele Grüße, Laura Piep

  3. autorobert5 autorobert5 sagt:

    Klasse Artikel über dieses Braunschweiger Highlight.
    Bin gespannt auf die Fortsetzung.

  4. Laura Piep Laura Piep sagt:

    Hallo autorobert5, danke für Ihren netten Kommentar! Ich bin auch ganz begeistert vom Ringgleis. Viele Grüße, Laura Piep

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