Organisiert unorganisiert

Am kommenden Wochenende findet das Barcamp Braunschweig 2014 im Haus der Wissenschaft statt. Zum fünften Mal kommen rund 200 Menschen aus ganz Deutschland und der Region zusammen, um untereinander Wissen auszutauschen, gemeinsam Workshops durchzuführen und zu diskutieren. Kaum ein Veranstaltungsformat macht den Begriff der Wissensgesellschaft so greifbar wie das Barcamp, die „Unkonferenz“, die weder Themen vorgibt noch Grenzen zwischen Vortragenden und Publikum kennt. Im Interview erklärt uns Barcamp Braunschweig 2014-Organisator Christian Cordes, wie ein Barcamp funktioniert, wann es damit in Braunschweig losging und warum das Barcamp Braunschweig nicht nur Nerds glücklich macht.

Christian Cordes bereitet im Zeitraum das Barcamp Braunschweig 2014 vor. Foto: Stephen Dietl

Christian Cordes bereitet im Zeitraum das Barcamp Braunschweig 2014 vor. Foto: Stephen Dietl

Christian, du organisierst des Barcamp 2014 in Braunschweig. Was ist eigentlich ein Barcamp und worum geht’s dabei?

Der Begriff Barcamp geht zurück auf die sogenannten „FooCamps“. Foo steht dabei für „Friends of O’Reilly“, benannt nach dem US-amerikanischen Verleger und Softwareentwickler Tim O’Reilly. Der hat früher regelmäßig Menschen, die ihn inspiriert haben, über mehrere Tage zu sich nach Hause eingeladen, um sich auszutauschen und verschiedenste Themen zu erörtern. Die Prämisse war: nicht er selbst gibt die Themen vor, sondern der Input kommt von den Gästen. Aus dieser Idee sind dann die Barcamps entstanden, die im bewussten Gegensatz zu den exklusiven FooCamps bei Tim O’Reilly ein breites Publikum ansprechen. Das „bar“ von Barcamp kommt aus der Programmiersprache und findet dort als Platzhalter Verwendung. Und genau darum geht es: wir organisieren einen Platzhalter, eine Location, damit Menschen mit Ideen dort eine Plattform für ihre Vorträge oder Workshops finden.

Seit wann sind Barcamps in Deutschland ein Thema?

In den USA gibt es Barcamps schon seit rund zehn Jahren. Ab ca. 2006 ist die Barcamp-Welle dann auch nach Deutschland herübergeschwappt, die ersten Events hierzulande gab es in Köln, Berlin und München. In Braunschweig wurde uns dann ziemlich schnell klar: sowas brauchen wir hier auch!

Du gehörst zu den Gründern des Braunschweiger Barcamps?

Richtig, Lars Roth und ich haben 2007 per Twitter einen Aufruf gestartet mit der Frage, warum es eigentlich in Braunschweig noch kein Barcamp gibt. Daraufhin haben sich eine Menge Leute gemeldet, die auch Interesse an einem Barcamp in Braunschweig hatten und es wurde ein Orga-Team gegründet. So ist das Barcamp Braunschweig entstanden und über die Jahre sukzessiv gewachsen.

Die Aula des Haus der Wissenschaft ist beim Barcamp der Ort, wo alle zusammenkommen. Foto: Alexander Hahn

Die Aula des Haus der Wissenschaft ist beim Barcamp der Ort, wo alle zusammenkommen. Foto: Alexander Hahn

Wie hat sich das Barcamp Braunschweig seit der ersten Ausgabe im Jahr 2009 entwickelt?

Wir haben mit 80 Teilnehmern angefangen, mittlerweile sind wir bei rund 200. Wir haben aber nicht nur die Teilnehmerzahl, sondern auch den Bekanntheitsgrad der Veranstaltung steigern können. Die Teilnehmer kommen aus dem Rhein-Main-Gebiet, aus München und sogar aus der Schweiz, um eines von Deutschlands ersten Barcamps mitzuerleben.

Welche Bedeutung hat das Barcamp Braunschweig in der deutschen Barcamp-Szene?

Ich rechne das Barcamp Braunschweig zu den Top 25 der Barcamps in Deutschland. Dazu muss man wissen, dass pro Woche bundesweit ca. zwei bis drei Barcamps ausgerichtet werden.

Was ist das Besondere am Braunschweiger Barcamp?

Zunächst einmal, dass es nach einer Pause im letzten Jahr 2014 wieder stattfindet! Mit dem fünften Braunschweiger Barcamp können wir außerdem ein kleines Jubiläum feiern, auf das wir sehr stolz sind. Und man kann sagen, dass aus der Barcamp-Bewegung in Braunschweig Vieles entstanden ist, das die Region bereichert hat: Coworking, Webmontag, pl0gbar – alle diese Dinge haben im Umfeld des Barcamp Braunschweig oder direkt dort ihren Anfang genommen.

In den einzelnen Sessions werden verschiedene Themen vorgetragen. Foto: Alexander Hahn

In den einzelnen Sessions werden verschiedene Themen vorgetragen. Foto: Alexander Hahn

Auch bei dem bevorstehenden Barcamp werden keine Themen vorgegeben. Aber wo liegen die Trends, mit welchen Themen ist zu rechnen?

Ich gehe davon aus, dass „Wearables“ – also beispielsweise Smartwatches wie von Apple oder Pebble – ein Thema sein werden. Damit zusammen hängen die Themenkomplexe „Quantified Self“ und „Self-Tracking“. Hier werden mithilfe mobiler Gadgets wie dem Fitness-Gürtel oder mittels Smartphone-Apps Daten über die eigene Gesundheit und zu Lebensgewohnheiten gesammelt. Ein weiteres Thema wird das barrierefreie Web sein. Neue Dienste wie z.B. Squarespace vereinfachen das Erstellen einer eigenen Homepage erheblich, Webdesign wird auf diese Weise anfängertauglich.

Die Barcamp-Szene wirkt sehr web- und technikaffin. An wen richtet sich das Barcamp Braunschweig, ist es ein Event für Nerds?

Nein, das Themenfeld kann auch den Moderations- oder Bügelperlen-Workshop beinhalten, wir geben ja wie gesagt kein Thema vor. Es ging auch schon um gesellschaftspolitische Themen und Kunst oder um Yoga und Rückenschule. Natürlich lebt ein Barcamp davon, dass die Veranstaltung ins Netz getragen wird, z.B. über Facebook oder Twitter – ein bisschen Social-Media-Affinität sollte man schon mitbringen.

Was lässt sich zum Ablauf des Barcamps sagen, was steht auf dem Programm?

Am Freitagabend haben wir das Café Riptide gemietet, dort wird unsere Warm-up-Party stattfinden. Zum Auftakt des Barcamps wird dann am Samstagmorgen die sog. Session Wall gebaut. Dort verteilt man die Themen der Barcamp-Teilnehmer auf die einzelnen Räume und Zeitfenster. Und wenn die Teilnehmer am Samstagabend nicht zu müde sind, gibt es auch noch ein kleines Unterhaltungsprogramm – da haben wir immer noch ein bisschen was in der Hinterhand.

Wie werden die Themen ausgewählt?

Du kannst dich als Teilnehmer anmelden und sagen, zu welchem Thema du Input liefern möchtest. Die Teilnehmer entscheiden dann gemeinsam, ob das Thema interessant für sie ist oder nicht, so entsteht das Programm. Generell gilt: wenn jemand ein Thema hat und das Thema auf Interesse stößt – wir finden dafür einen Platz und führen es durch!

Christian, vielen Dank für das Gespräch!

Barcamp Braunschweig 2014 29./30. November 2014 Haus der Wissenschaft Braunschweig
Alle Infos und Karten unter http://www.barcamp-braunschweig.de/
Es sind noch Restkarten verfügbar!

(Text: Jan Engelken; Artikelbild: Matthias Schirmag)

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