Urban Gardening im Stadtgarten Bebelhof

Ein wenig belächelt wurde ich von meinen Freunden, als ich erzählte, dass ich einen Gartenworkshop besuchen wolle. Ich, die es nicht einmal schafft, ihre fünf Zimmerpflanzen am Leben zu halten. Dabei denke ich schon lange darüber nach, wie schön es wäre, ein kleines Beet mit Gartenkräutern zu haben. Nur habe ich leider keine Ahnung, wie ich das angehen soll.

Voller Tatendrang und Wissensdurst begebe ich mich deswegen auf den Weg in den Stadtgarten Bebelhof zum Gartenworkshop mit Burkhard Bohne. Hier herrscht bereits reges Treiben. 120 Hochbeete gilt es zu pflegen und zu bestücken. Ich sehe meine Mitstreiter Erde in Schubkarren laden, andere befreien die Beete von alten Pflanzen, Holz und Steinen. Der Garten wird vormittags von einem Gärtnermeister und fünf Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gepflegt. Nachmittags sind 15 Ehrenamtliche im Einsatz.

Unser Workshop beginnt an einem hohen Tisch, auf dem bereits kleine Gefäße mit zarten Pflänzchen stehen. Burkhard Bohne leitet den Workshop. Er ist Gärtnermeister und betreut hauptberuflich den Arzneipflanzengarten der TU Braunschweig. 2002 hat er den Klostergarten Riddagshausen mitaufgebaut. Er hält Workshops, schreibt Fachartikel und unterstützt verschiedene Projekte rund um das Thema Garten.

Seit März 2015 gehören dazu auch die Workshops im Stadtgarten Bebelhof. Im Winter hat das Gartenteam gemeinsam Bilanz aus dem ersten Jahr gezogen und einen detaillierten Plan aufgestellt, was dieses Jahr im Stadtgarten Bebelhof passieren soll. Das Ziel ist, Kräuter und Gemüse biologisch anzubauen und Samen für das nächste Jahr zu sammeln. Unsere Aufgabe heute ist es, Pflänzchen, die in der letzten Woche gesät wurden und seitdem im Gewächshaus gediehen sind, zu pikieren. Das bedeutet, dass wir die kleinen Pflanzen vereinzeln und in Töpfe setzen, damit sie sich gegenseitig beim Wachsen nicht im Weg stehen. Mir wird der „Helgoländer Wildkohl“ zugeteilt, von dem ich 15 Pflanzen pikieren soll. Diese Sorte ist dem Urkohl am ähnlichsten, auf den wiederum alle uns heute bekannten Kohlsorten zurückzuführen sind. Also zum Beispiel Rotkohl, Blumenkohl und Rosenkohl. Unter Anleitung fahre ich mit einem Pikierstab unter die Erde und hebe die Pflänzchen leicht an. Danach ziehe ich sie vorsichtig aus der Erde, knipse ein Stück Wurzel ab (das optimale Verhältnis Pflanze zu Wurzel ist eins zu eins) und setze sie vorsichtig in die neuen Töpfe. Es ist gar nicht so einfach, die kleinen Pflänzchen auseinanderzunehmen, schließlich darf auch keines von ihnen abknicken. Voll konzentriert pflanze ich jedes meiner Pflänzchen ordnungsgemäß ein.

Als nächstes gehen wir an die Hochbeete. Einige der Samen werden hier direkt eingepflanzt, darunter Rübchen, Dill, Rote Beete und Möhren. Für jedes der Beete gibt es einen exakten Pflanzplan, der anzeigt, welche und wie viele Pflanzen wir einpflanzen sollen. Nie hätte ich gedacht, dass es dabei so viel zu beachten gibt: Sind die Pflanzen Hell- oder Dunkelkeimer, benötigen sie nährstoffarmen oder nährstoffhaltigen Boden, wie tief müssen sie eingepflanzt werden und welche Pflanzen sind besonders gute Nachbarn? Tatsächlich gibt es richtig gute Freunde unter den Nutzpflanzen. Möhren und Zwiebeln stehen beispielsweise gern nah beisammen und schützen sich gegenseitig vor Zwiebel- und Möhrenfliegen.

Nach zwei Stunden sind wir fertig mit unseren Aufgaben und ich habe das Gefühl, heute richtig viel gelernt zu haben. Die Gartenarbeit hat Spaß gemacht und ich bin ganz gespannt, wie sich unsere gepflanzten Samen weiterentwickeln. Der Abend hat mich auf jeden Fall angespornt, zu Hause mein eigenes Kräutergarten-Projekt anzugehen.

Der nächste Gartenworkshop findet am 19. April ab 17:00 Uhr statt. Die Workshops sind kostenlos, das Team des Stadtgartens freut sich aber über Spenden zur Aufrechterhaltung des Projektes. Auf ihrer Facebookseite informieren die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter regelmäßig über Veranstaltungen und Workshops im Bebelhof. Wer im Stadtgarten mithelfen möchte, kann zu den Öffnungszeiten vorbei kommen, gerade jetzt gibt es hier richtig viel zu tun. Und das Beste: Wer mitgärtnert, darf später auch miternten!

Informationen:

Öffnungszeiten
Betreute Gartennachmittage:
Dienstag, Freitag, Samstag und Sonntag von 14:00 bis 19:00 Uhr

Zusätzlich geöffnet zum Vorbeischauen:
Montag bis Freitag 10:00 bis 14:00 Uhr

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