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… und es summt im Bürgerpark

Ich bin verabredet mit Uwe Alpert. Uwe Alpert ist Stadtimker und Besitzer der Okerbienen. Gemeinsam mit seiner Frau Petra kümmert er sich um fünf Bienenkolonien im Stadtgebiet: eine im Bürgerpark, eine in Riddagshausen, eine an der Wabe, eine in Eisenbüttel und eine in der Nordstadt. Wir treffen uns im Bürgerpark, wo die größte Kolonie mit mehreren Völkern und Bienenstöcken beheimatet ist. Auf Anfrage kann man die Kolonie besichtigen. Bevor wir aber zu den Bienenvölkern gehen, müssen Vorbereitungen getroffen werden.

Ob ich ängstlich sei, fragt Uwe Alpert mich. Bin ich nicht. Ich mag es sogar sehr, Bienen zu beobachten und ich habe auch keine Angst davor, sie anzufassen. Während andere kreischend das Weite suchen, sobald sich Biene, Wespe oder Hummel beim Picknick nähert, warte ich geduldig, bis sich eine auf meine Hand niederlässt. Beste Voraussetzungen und der Grund, warum ich auf den Schleier – so nennen Imker den weißen Ganzkörperanzug – verzichten darf. Ganz ohne Schutz geht es dann aber doch nicht: Der Stadtimker klaubt trockenes Laub vom Waldboden und entzündet im Smoker ein Feuer. Der Smoker sieht aus wie eine blecherne Teekanne, außer dass unter dem Haltegriff ein Blasebalg angebracht ist, mit dem das Feuer und dadurch die Rauchentwicklung verstärkt werden. Der Smoker ist deshalb wichtig, weil der Rauch eine Signalwirkung hat: Wenn Bienen Rauch riechen, glauben sie, der Wald brennt. Um sich und ihre Ernte zu schützen, kriechen sie in den Bienenstock und sammeln so viel Honig wie möglich als Vorrat. Die zweite, wichtigere Funktion des Rauchs ist, dass er die Kommunikation der Bienen untereinander stört. Bienen kommunizieren über Schwingungen in der Luft und über die „Nase“, also über die Fühler (Bienen riechen 100x besser als ein Hund). Der Rauch stört die Ausbreitung der Schallwellen und überdeckt die natürlichen Gerüche der Gegend, an denen sich die Bienen sonst orientieren.

Bewaffnet mit dem Smoker betreten wir also die Wiese und sofort ist da dieses geschäftige Summen in der Luft, das man scheinbar nicht nur hören, sondern auch fühlen kann. Während wir über die Wiese stapfen, erzählt mir Uwe Alpert, dass er mittlerweile seit sechs Jahren Imker ist. Im Celler Bieneninstitut haben er und seine Frau verschiedene Kurse belegt, um sich das Know-how anzueignen, haben gelernt, wie Bienenvölker geführt werden. Jetzt gehören sie selbst schon zu den Erfahrenen und unterstützen junge Imker in der Anfangszeit.

Klar, so sehen moderne Bienenstöcke aus, denke ich, verrate Uwe Alpert aber lieber nicht meine romantisierte Vorstellung von Bienenkörben, die an Bäumen hängen. Moderne Bienen fliegen verstärkte Styropor-Bienenstöcke an. Die isolieren im Sommer die Wärme und halten im Winter die Kälte ab. Ein Sock besteht aus drei Einheiten, auch Zarge genannt. Die ersten zwei Zargen gehören den Bienen, hier hat der Imker nichts zu ernten, erklärt Alpert. Die dritte Zage ist die Honigzage. In ihr legen die Bienen ihre Honigvorräte an, die der Imker ihnen klaut. Zum Ausgleich gibt er ihnen im Winter als Ersatz Zuckerwasser. Das hört sich gemein an, ist aber für die Bienen gesünder als der Honig, da weniger Ballststoffe enthalten sind, versichert mir der Imker. Er verteilt mit dem Smoker Rauch, öffnet die oberste Zarge und zum Vorschein treten viele Holzrahmen, in denen die Bienen ihre Honigwaben bauen.

Alpert erklärt mir, dass das Leben einer Arbeiterbiene sich in drei Phasen gliedert: 21 Tage brauchen die Bienen zum Schlüpfen, ungefähr 21 Tage verbringen sie im Innendienst – dann bewachen sie den Eingang zum Stock, legen Futtervorräte für den Winter an und pflegen die Brut. Danach dürfen sie endlich in den Außendienst und Nektar sammeln. Bienen fliegen nur zu bestimmten Uhrzeiten Blüten an, nämlich dann, wenn die Blüte besonders viel Nektar trägt. Das ist von Pflanze zu Pflanze unterschiedlich – zu verschiedenen Uhrzeiten am Tag und verschiedenen Jahreszeiten im Jahresverlauf. Ein guter Imker weiß, welche Blüten wann Nektar tragen. Dadurch kann er auch sicher sein, dass es sich beim Lindenblütenhonig wirklich um Honig aus Lindenblüten und nicht aus Raps handelt. Wenn eine Biene Nektar sammelt, reichert sie diesen mit körpereigenen Enzymen an und so entsteht aus flüssigem Nektar zähflüssiger oder fester Honig. Während die Honigbiene Nektar sammelt, streift sie mit ihrem Körper über die Staubgefäße und sammelt gleichzeitig Blütenstaub. Den sieht man sogar mit bloßem Auge: Manche Bienen haben an den Beinen gelbe „Taschen“, Pollenhöschen genannt. Aus Harz stellen die Bienen Propolis her, eine antibiotische und fungizide Masse, mit der die Bienenstöcke desinfiziert werden. Wie ein Fußabtreter schützt ein dünner Propolisfilm am Bienenstock-Eingang und an den Wänden vor Erregern.. So ist es im Bienenstock, wo die Insekten auf engstem Raum, bei hoher Luftfeuchtigkeit und bis zu 35° Celsius arbeiten, steriler als in einem OP-Saal.

Okerbienen_Honigwabe

Während die einen Arbeiterinnen noch die Waben für den Honig fertigstellen, füllen die anderen die Waben schon mit dem süßen Nektar. Foto: BSM

Aus diesem sterilen Bienenstock holt Uwe Alpert nun einen Holzrahmen heraus, der Honigwaben enthält. Gut lässt sich erkennen, wo die Bienen hier ihre Honigvorräte anlegen und welche Waben als Brutwaben verwendet werden. Alpert bittet um meinen Zeigefinger und streicht mit diesem durch die Honigwabe. „Probieren Sie!“, meint er aufmunternd und ich koste den wohl leckersten Honig, den ich bislang probiert habe. Kein Wunder, schließlich ist der angenehm warm, schmeckt meinem subjektiven Empfinden nach süßer und kommt direkt aus der Wabe! Ich bin noch immer ganz aus dem Häuschen. Das bisschen Wabenwachs kann man ausspucken oder mitessen so wie ich. Es trägt ungemein zum Gefühl bei, etwas ganz besonderes gegessen zu haben.

Uwe und Petra Alpert verkaufen die Honigwaben im Ganzen, stellen aber auch klassischen Honig im Glas her. Aus dem Wachs ziehen sie Bienenwachskerzen für die Winterzeit. Honig aus der Stadtimkerei ist übrigens von sehr hoher Qualität: Stadtbienen sind, anders als die Kolleginnen auf dem Lande, unbelastet von Spritzmitteln, leben deshalb länger und verfügen über Nahrungsquellen bis in den Spätherbst hinein. Die Alperts lassen ihren Honig jährlich untersuchen und erhielten 2013 für ihren Frühjahrs- und Sommerhonig sogar die Goldmedaille des Deutschen Imkerbundes – zum dritten Mal in Folge.

Die eineinhalb Stunden, die ich mit den Bienen verbringe, vergehen wie im Flug. Richtig erholt kehre ich ins Büro zurück. Die Arbeit mit Bienenvölkern ist deshalb so entspannend, weil Imker sehr langsam arbeiten müssen, um die Bienen nicht aufzuschrecken. Und wie heißt es so schön: In der Ruhe liegt die Kraft.

Honig der Okerbienen

Den Honig der Okerbienen kann direkt bei der Stadtimkerei sowie in der Touristinfo erworben werden.

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