Der Schlosserbauer

Wie groß wohl 21 Tonnen Sandstein sind? Auf dem Weg ins Atelier des Braunschweiger Künstlers Thomas Doneis versuche ich mir vorzustellen, wie viel Platz der tonnenschwere Sandstein im Raum einnehmen wird. Der riesige Klotz steht am Anfang des Projekts „Kunst trifft Soziales“ und wird in den nächsten vier Jahren zu einer detailgetreuen Nachbildung von Schloss Neuschwanstein.

Angekommen am Atelier in der Taubenstraße 11 empfängt mich Thomas Doneis. Der tätowierte Künstler ist selbst ein Kunstwerk: Von Kopf bis Fuß zieren Tattoos seine Haut, selbst Gesicht, Ohren und Schädel sind mit blauer Tinte bedeckt. Er zeigt mir den Stein, aus dem schon maßstabsgetreu die Silhouette von Schloss Neuschwanstein herausgeschnitten ist. Bis 2019 will er daran arbeiten und aus dem Sandstein eine filigrane Skulptur erstellen: „Man wird alles erkennen, die Fenstereinfassungen, die Reliefs an den Mauern, Dachrinnen – sogar die Bäume will ich maßstabsgetreu nachbauen.“ Dafür ist Thomas Doneis im August nach Bayern gefahren, hat dort das Schloss besichtigt, die Bauweise studiert und alles fotografisch dokumentiert. Diese Fotos sind zusammen mit einem Modell des Schlosses die Vorlage für Doneis‘ Arbeit.

Am Ende der vier Jahre soll eine Nachbildung des Schlosses fertig sein, die ihresgleichen sucht. Die aus Sandstein geschlagene Skulptur verziert Doneis mit Edelsteinen, Kupfer, Bronze und Gold: Die Edelsteine dienen als Bäume, aus Bronze werden die Skulpturen auf dem Schloss gegossen und mit Kupfer sollen die Dächer beschlagen werden, ganz so wie das Original.

Im Hintergrund das Modell, nach dem Thomas Doneis den großen Sandsteinblock bearbeitet. Foto: BSM

Im Hintergrund das Modell, nach dem Thomas Doneis den großen Sandsteinblock bearbeitet. Foto: BSM

Thomas Doneis will mit seinem Kunstwerk kein Geld verdienen, ganz im Gegenteil: Er spendet einen Teil des Erlöses an soziale Projekte. Welche das sein werden, steht noch nicht fest. „Ich möchte eine Gemeinschaft bilden, die das Geld verwalten und über die sozialen Projekte entscheiden soll“, so Doneis. „Dafür habe ich die Facebook-Gruppe ‚Kunst trifft Soziales‘ gegründet, in der sich alle beteiligen können, die Interesse an dem Projekt haben.“ Als echter Künstler möchte auch Doneis der Nachwelt etwas hinterlassen. In seinem Fall sollen es aber nicht (nur) Kunstwerke sein, er möchte aufgrund der Unterstützung von sozialen Projekten in Erinnerung bleiben. Sein Motto: „Ich möchte nicht jammern, sondern die Probleme selbst in die Hand nehmen. Es gibt genügend finanzschwache Familien, die auf zusätzliche Hilfe angewiesen sind, denen will ich eine Zukunft bieten.“

Der Spendenhintergrund erklärt auch die Motivwahl: „Schloss Neuschwanstein gehört zu den bedeutendsten Bauwerken Deutschlands. Jeder Mensch kennt das Gebäude, 12.000 Besucher kommen jeden Tag, um sich das Schloss anzusehen. Deshalb habe ich die Hoffnung, dass sich das Projekt gut verkaufen lässt. Es gibt sogar schon Interessenten aus Japan, Amerika und Russland.“

Doneis ist spezialisiert auf filigrane Skulpturen, für die nur bestimmte Sandsteine in Betracht kommen. Für die Bearbeitung ist es wichtig, dass die Steine sehr feinkörnig sind und eine hohe Dichte aufweisen. Denn je feiner das Material, desto feiner können die Details herausgearbeitet werden, ohne dass der Stein zerkrümelt. Dafür hat Doneis in seiner Werkstatt ein Arsenal an Hämmern, Meißel und Pfeilen: Sauber aufgereiht liegen sie entlang der Wände, bereit für ihren Arbeitseinsatz. Noch allerdings wird schwereres Gerät gebraucht, Doneis arbeitet in dieser Phase mit der Flex und dem gröbsten Meißel, den er besitzt.

Am Eingang des Ateliers in der Taubenstraße 9 hängen tibetische Gebetsfahnen. Sie sollen Glück bringen. Foto: BSM

Am Eingang des Ateliers in der Taubenstraße 9 hängen tibetische Gebetsfahnen. Sie sollen Glück bringen. Foto: BSM

Wer möchte, kann Thomas Doneis bei seiner Arbeit zuschauen – bei ihm im Atelier oder per Webcam im Internet. Gerade werden noch die letzten Leitungen gezogen, aber bald schon soll es eine Liveübertragung aus dem Atelier geben. Zur Gewinnung von Spendengeldern wird er außerdem Workshops anbieten und auf Promotiontour durch Braunschweig gehen. Vom 27. bis 31. Januar 2016 ist Thomas Doneis zum Beispiel in der Burgpassage und stellt dort sein Projekt vor.

Mit den Spendengeldern, durch Sponsoren und Beteiligte will Doneis die Fertigungskosten des Kunstwerks von rund 1,5 Millionen Euro finanzieren. So werden zum Beispiel die Edelsteine für den Wald gesponsert, auch den Sandstein hat Thomas Doneis für das Projekt zur Verfügung gestellt bekommen. Insgesamt sind etwa 250.000 Euro Sachspenden geflossen. „Die Unterstützung und das Interesse hier in Braunschweig sind groß, damit habe ich nicht gerechnet. Aber ich bin immer noch auf der Suche nach Kooperationsmöglichkeiten und Spendern“, erklärt Doneis. Interessierte Spender und Hilfsbereite finden Infos auf der Homepage von Thomas Doneis.

Informationen

Atelier Thomas Doneis
Taubenstraße 11
38106 Braunschweig
Tel.: 0151-21437906
E-Mail: info@thomasdoneis.de
http://thomasdoneis.de/
Facebookgruppe Kunst trifft Soziales

(Besuche nach telefonischer Absprache)

(Artikelbild: Thomas Doneis)

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