„Mensch, ärgere dich nicht!“

„Ubongo“, ruft mein linker Sitznachbar. Mist – schon bei meinem ersten Spiel muss ich eine Niederlage nach der anderen einstecken. Bei „Ubongo 3D“ muss man mit verwinkelten Spielsteinen eine vorgegebene Form nachbauen, auf Zeit und gegen seine Mitspieler. Wer zuerst fertig ist, ruft den Spielnamen und bekommt Punkte in Form farbiger Edelsteine. Ausgeliehen habe ich es, weil es mich ein wenig an Tetris erinnert und das habe ich immer sehr gern gespielt. Mitspieler sind schnell gefunden und schon sitzen wir hier und bauen um die Wette.

Rund 750 Spielwütige besuchten am Wochenende die Messe "Braunschweig spielt". Foto: BSM

Rund 750 Spielwütige besuchten am Wochenende die Messe „Braunschweig spielt“. Foto: BSM

Hier? Das heißt in diesem Fall im Congress Saal der Stadthalle bei der Spielemesse Braunschweig spielt.  Am 19. und 20. März findet die Messe bereits zum achten Mal in Braunschweig statt, aber erstmals in der Stadthalle. Premiere feierte sie 2010 im Jugendzentrum Mühle. „Wir haben schon länger überlegt, die Veranstaltung zu verlegen. Dieses Jahr ist das Jugendzentrum belegt und das war der Anstoß, den wir brauchten. In der Stadthalle haben wir mit 1.000 Quadratmetern fast doppelt so viel Platz wie vorher“, erklärt mir Stefan Malz von Norddeutsche Spielekultur e.V., dem Veranstalter der Spielemesse. Dass sie den Platz brauchen, habe ich gemerkt, als ich Samstagmittag angekommen bin – es war gar nicht so einfach, einen freien Platz zu finden. Nur vereinzelt war ein Stuhl zwischen zahlreichen Spielebegeisterten frei. Dabei stehen rund 80 große Tische zur Verfügung.

Memorie, Mühle, Monopoly – ich habe schon immer gern gespielt. Angefangen habe ich in meiner Kindheit mit Klassikern wie „Mensch ärgere dich nicht“, danach haben es mir eher Kartenspiele angetan: Rommé, Skat und vor allem Doppelkopf. Das habe ich mit Stefan Malz gemeinsam, der während seines Studiums auch überwiegend Doppelkopf gespielt hat. „So richtig bin ich aber erst durch meinen Sohn zum Spielen gekommen. Ich habe viel mit ihm gespielt und das hat nicht nur seine, sondern auch meine Begeisterung geweckt. Das ging so weit, dass wir mittlerweile sogar selbst Spiele entwickeln“, erzählt er.

Ein weiterer „Ubongo“-Ruf, diesmal von meinem rechten Sitznachbar, macht eins ganz deutlich: Ich habe mein räumliches Vorstellungsvermögen leider völlig überschätzt. Nur einmal habe ich es geschafft, meine Form am schnellsten nachzubauen. Dementsprechend schlecht steht es um meinen Edelsteinvorrat, als die Auszählung beginnt. Leider belege ich den letzten Platz. Aber abhalten kann mich das nicht: Kopf hoch, weiterspielen!

Schwierige Entscheidung: Rund 500 Spiele konnten bei der Messe ausprobiert werden. Foto: BSM

Schwierige Entscheidung: Rund 500 Spiele konnten bei der Messe ausprobiert werden. Foto: BSM

Ich überfliege die Liste bei der Ausleihe, auf der rund 500 Gesellschafts- und Kartenspiele aufgeführt sind. Da fällt es mir schwer, mich zu entscheiden. Aber mein Blick bleibt an einem Namen hängen – Kamisado. Davon hat mir meine Ubongo-Mitspielerin eben erzählt. Es handelt sich um eine Mischung aus Schach und Dame. Als ehemalige Schachspielerin ist das doch etwas für mich! Als Antwort auf meine Frage nach dem Spiel bekomme ich jedoch nur ein bedauerndes Kopfschütteln – vergriffen. Ich widme mich wieder der Liste, doch mit einem „Willst du mitspielen?“ hält mir jemand ein Spiel vor das Gesicht: Kamisado. „Na klar!“

Uns erwartet ein buntes schachbrettartiges Spielfeld mit schwarzen und weißen Spielfiguren in Form von Türmen. Ziel des Spiels ist es, mit einem Turm der eigenen Farbe das gesamte Spielfeld zu überqueren. Die Türme des Gegners versperren dabei den Weg. Den Vergleich mit Dame und Schach kann ich nachvollziehen, auch Kamisado erfordert viel Konzentration. Genau das fällt mir unglücklicherweise schwer in einem Raum voller Menschen, in dem es so vieles gibt, von dem ich mich zu gerne ablenken lasse. Trotzdem kann ich zum Schluss zwei Siege verbuchen, allerdings auch zwei Niederlagen. Wir trennen uns mit einem Unentschieden – es geht aufwärts!

Als Heerführer  verteidigt man bei "Lords of Xidit" das magische Königreich Xidit gegen Monster. Foto: BSM

Als Heerführer verteidigt man bei „Lords of Xidit“ das magische Königreich Xidit gegen Monster. Foto: BSM

Ich bringe Kamisado zurück und stolpere praktisch über mein nächstes Spiel: Eine Gruppe sucht noch nach Mitspielern für „Lords of Xidit“. Da schließe ich mich an. Ich habe zwar noch nie davon gehört, aber ich bin ja hier, um Neues auszuprobieren. Glücklicherweise sind Spieleerklärer von Norddeutsche Spielekultur e.V. vor Ort, denn das Spiel stellt sich als knifflig heraus. Als Heerführer sammelt man im magischen Königreich Xidit militärische Einheiten, um Monster zu bekämpfen. Das klingt noch einfach, aber jeder Spieler muss pro Runde seine gesamten Züge für die anstehende Runde vorplanen. Dabei müssen die Bewegungen der Mitspieler und die Wanderungen der Monster und militärischen Einheiten beachtet werden. Ganz schön anspruchsvoll und trotzdem packt es mich, so sehr, dass ich nach eineinhalb Stunden sogar als Sieger dastehe und die Spielemesse mit einem Erfolgserlebnis verlassen kann.

Nach sieben Stunden auf der Messe bin ich auch ganz schön geschafft. Das Spieleangebot war so riesig, dass es schwer war, sich zu entscheiden. Glücklicherweise standen immer engagierte Helfer bereit, um zu beraten, Regeln zu erklären und in seltenen Fällen Mitspieler zusammenzubringen. Das funktionierte aber in der lockeren Atmosphäre meistens ganz von allein und ich habe nicht nur neue Spiele kennengelernt, die ich sicher nicht das letzte Mal gespielt habe, sondern auch interessante Gespräche geführt und viel Spaß gehabt. Vielleicht gehe ich morgen auch einfach nochmal hin…

Beitragsbild: BSM

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