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Von Filmfans für Filmfans

Blick ins Kinopublikum

Das Internationale Filmfestival Braunschweig (BIFF), Niedersachsens ältestes regelmäßiges stattfindendes Filmfest, begeistert jedes Jahr zehntausende Besucherinnen und Besucher und hat sich seit seinen Anfängen im Jahr 1987 zu einem renommierten Filmfestival in Deutschland entwickelt. Schon während ich mir den Trailer zum 33. BIFF ansehe, wird deutlich, dass die Festivalbesucherinnen und -besucher sich auch in diesem Jahr wieder auf ein sehr abwechslungsreiches und emotionales Festivalprogramm freuen können. Aber wer stellt dieses Programm eigentlich zusammen? Wer sichtet die ganzen Filme und entscheidet am Ende, welche es auf die Festivalleinwände schaffen und welche nicht? Um das herauszufinden, habe ich mich mit Bianca Apmann, Vorstandsmitglied im Verein Internationales Filmfest Braunschweig e. V., und Karina Gauerhof, Assistenz der Festivaldirektion und Juniorkuratorin, über die Organisation des Festivals unterhalten.

Aus Liebe zum Film

Über 200 Veranstaltungen – das Filmfest hat sich zu einer festen Größe im Braunschweiger Kulturkalender entwickelt. Das bedeutet viel Arbeit für den Verein Internationales Filmfest Braunschweig e. V., der das Festival organisiert. „Der Verein hat vierzig Mitglieder, die sich ganzjährig ehrenamtlich engagieren“, erzählt Bianca Apmann, selbst Vereinsmitglied seit 2016 und mittlerweile im Vereinsvorstand tätig. „Hinzukommen ein fünfköpfiges festangestelltes Festivalteam und viele freiwillige Helfer.“ Auf den Verein aufmerksam geworden ist sie, als sie selbst Festivalbesucherin war. „Über die Festival-App habe ich gesehen, dass der Verein Unterstützung sucht“, erinnert sie sich. Es folgten ein Treffen mit dem Verein, ein nettes Gespräch und schon war sie als Mitgliedschaftsanwärterin in der Sichtungsgruppe für die Kurzfilme. Neben dem Sichten von zahlreichen faszinierenden Filmen, gehören unter anderem auch persönliche Gästebetreuung und individuelle Einführungen zu Filmvorführungen zu den Aufgaben der Vereinsmitglieder.

Zu dem fünfköpfigen Festivalteam gehört auch Programmleiterin Karina Gauerhof. Reisen gehört zu ihrem Arbeitsalltag, denn sie ist ständig auf der Suche nach den besten neuen Filmen – auch auf internationalen Filmfestivals. Bevor sie 2017 die Programmleitung übernahm, verantwortete sie zwei Jahre das Gästemanagement des Festivals. „Die Arbeit im Gästemanagement war vor allem durch den Kontakt zu den Filmemacherinnen und Filmemachern und den Schauspielerinnen und Schauspielern sehr interessant“, erzählt sie.

Bianca Apmann (links) und Karina Gauerhof
Bianca Apmann (links) und Karina Gauerhof berichten von ihrer Tätigkeit beim Filmfestival und verraten ihre persönlichen Film-Highlights. (Foto: Braunschweig Stadtmarketing GmbH)

Nach dem Festival ist vor dem Festival

Kaum, dass das Internationale Filmfestival Braunschweig vorbei ist, beginnen für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Filmfests und die Mitglieder des Vereins schon die Vorbereitungen für das nächste BIFF. „Bereits im Januar erhalten wir die ersten Filmeinreichungen über unsere Plattformen“, erklärt Bianca Apmann. „Da kommt einiges an Filmmaterial zusammen, deswegen beginnen wir auch direkt mit der Sichtung.“ Allein in der Kategorie Kurzfilme gab es für das 33. BIFF rund 500 Einreichungen, was unglaublichen 75 Stunden Film am Stück entspricht. „Eigentlich haben wir einen fließenden Übergang von Festival zu Festival“, ergänzt Karina Gauerhof. „Mit der Berlinale startet bereits im Februar die neue Saison der Filmfestivals. Dann machen wir uns auf die Suche nach tollen Filmen, die wir mit nach Braunschweig bringen können. Dort lassen sich auch oft schon die ersten Filmtrends erkennen!“

Berlin, Cannes, Venedig – Internationale Festivals liefern neben den zahlreichen Einreichungen vielversprechende Debütfilme, spannende Thriller und leichte Liebeskomödien. Die Filme werden verschiedenen Filmreihen zugeordnet und während der Festivalvorbereitungen von der zuständigen Sichtungsgruppe angeschaut und bewertet. Die Größe der Sichtungsgruppe variiert je nach Umfang der Filmreihe. „Unsere größte Filmreihe Neues Internationales Kino wird von zehn Personen gesichtet. Wir haben aber auch Gruppen, die nur aus zwei Personen bestehen“, erklärt Bianca Apmann. „Die Zusammensetzung wechselt von Jahr zu Jahr, je nach den Interessen der Sichtenden und der Größe der jeweiligen Filmreihe.“ Allein in diesem Jahr wurden 1.261 Filme gesichtet – hat man da eigentlich noch Lust in der Freizeit Filme anzuschauen? Meine beiden Gesprächspartnerinnen lachen und sind sich einig: „Ja, auf alle Fälle!“

Foto Filmrolle
2019 wurden allein in der Kategorie „Kurzfilm“ 500 Filme eingereicht – das entspricht einer Gesamtlänge von ca. 75 Stunden Filmmaterial. (Foto: Marek Kruszweski)

Die Mischung macht’s

Am Ende der zahlreichen Sichtungen bleibt die große Frage, welche Filme es in das Programm schaffen. „Viele Filme werden mehrfach gesichtet bevor eine finale Entscheidung getroffen wird. Jedes Mitglied der Sichtungsgruppe bringt seine Meinung je nach Film- und Genregeschmack ein“, erklärt Bianca Apmann. Neben den persönlichen Interessen stehe aber vor allem im Vordergrund, was einem möglichst breiten Publikum gefallen könnte, schließlich soll für alle Filmfans etwas dabei sein. Nach mehreren Monaten mit intensiven Gesprächen und vielen Stunden Filme schauen, steht das bunte Programm fest. 19 Filmreihen mit insgesamt 330 Kurz- und Langfilmen, davon 23 Deutschland- und zwei Weltpremieren, sorgen in diesem Jahr dafür, dass bei den Festivalgästen keine Langeweile aufkommt. Filmreihen wie Green Horizons oder BEYOND: SELF-DISPLAY beschäftigen sich mit wichtigen gesellschaftlichen Themen und die Reihe Primetime lockt mit großen Namen wie Woody Allen und Renée Zellweger sowie kurzweiligen Publikumslieblingen wie dem Film Kanarie aus Südafrika.

Ganz besonders am Herzen liegt dem Team die Filmreihe Heimspiel, die lokal gedrehte und produzierte Filme mit Bezug zur Löwenstadt Braunschweig oder der Region in den Fokus rückt. „Wir wollen nicht nur Werke aus der der weiten Welt zeigen, sondern auch Filmemacher von nebenan vorstellen“, erzählt Karina Gauerhof. Mit dabei sind Festivalerfolge wie Marina, spannende Krimis wie der letzte Teil der Sanddorn-Reihe ENDSTATION BRAUNSCHWEIG und bewegende Reportagen wie Rettet das Feuer. Ganz großes Kino aus unserer Region!

Foyer des Astor Kinos
Über 27.000 begeisterte Besucherinnen und Besucher in den Kinosälen und anderen Festivalorten verzeichnete das Internationale Filmfestival Braunschweig im Jahr 2018. (Foto: Frank Sperling)

Der Kinobesuch als Erlebnis

In den vergangenen Jahren konnte das Internationale Filmfestival Braunschweig einen kontinuierlichen Besucherzuwachs verzeichnen, zuletzt waren beim 32. BIFF knapp 27.500 Besucherinnen und Besucher zu Gast. Dass dieser Trend anhält ist dem Festival sehr zu wünschen, denn die Konkurrenz durch Streamingdienste, mit ihren riesigen und vor allem günstigen Angeboten, wächst. Bianca Apmann betont jedoch den größten Vorteil des Kinos gegenüber Netflix und Co.: „Ein Kinobesuch ist ein gemeinsames Erlebnis. Die Reaktion des gesamten Publikums auf das Geschehen auf der Leinwand ist einmalig und mitreißend. So etwas erlebt man zu Hause auf dem Sofa nicht.“ Lautes Gelächter, verstohlene Tränen und stockender Atem – ein Kinobesuch kann zur richtigen Achterbahnfahrt der Gefühle werden!

„Das Filmfestival bietet aber noch viel mehr als das gemeinsame Kinoerlebnis“, so Karina Gauerhof. „Wir haben zahlreiche Filmgäste beim Festival wie Regisseurinnen und Regisseure und Schauspielerinnen und Schauspieler, denen das Publikum Fragen stellen und so mehr über die Hintergründe der Filme erfahren kann. Außerdem zeigen wir eine Vielfalt an Filmen, die es wahrscheinlich nicht auf die großen Leinwände schaffen und so leider schnell wieder von der Bildfläche verschwinden.“ Ein Grund dafür sei vor allem die Fülle an Filmen, die weltweit auf den Markt kommt.

Augenpaar 33. BIFF
(c) Braunschweig International Filmfestival

Ein Festival im Festival

Selbstverständlich darf auch ein renommiertes Filmfestival sich nicht auf seinen Erfolgen ausruhen und muss sich immer wieder neu erfinden. Wieso dann nicht gleich ein Festival im Festival? Das 2018 gestartete Musikfilmfestival FxM: Film meets Music geht dieses Jahr erneut mit tatkräftiger Unterstützung des Staatsorchesters Braunschweig und dem Scharoun-Theater Wolfsburg in die zweite Runde. Besucherinnen und Besucher können sich auf fabelhafte Filmkonzerte freuen. Mit The Piano – Live in Concert eröffnet das BIFF die 33. Auflage fulminant mit einem vielfach prämierten Meisterwerk der Filmgeschichte und gleichzeitig der deutschen Erstaufführung des Filmkonzerts.

Blick auf das Staatsorchester in der Stadthalle Braunschweig.
Bereits im letzten Jahr begeisterte das Musikfilmfestival „FxM: Film meets Music“ das Publikum wie hier beim Eröffnungsfilmkonzert in der Stadthalle Braunschweig. (Foto: Patrick Slesiona/Filmfestival)

Gut zu wissen

Zu guter Letzt wollte ich natürlich noch wissen, welche Filme ich mir auf keinen Fall entgehen lassen sollte. Die Empfehlungen möchte ich hier mit Ihnen teilen:

Filmtipps von Bianca Apmann:

Filmtipps von Karina Gauerhof:

Viel Vergnügen beim 33. Internationalen Filmfestival Braunschweig!

Informationen

Braunschweig International Film Festival

19. – 24. November 2019
Verschiedene Spielstätten

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