
In wenigen Tagen übernimmt der Marktvogt wieder das Zepter in Braunschweig: Dann ziehen Handwerksmeister, Musiker und Tavernenwirte in ihren bunten Gewändern in die Löwenstadt ein und verwandeln den Burgplatz in einen mittelalterlichen Markt.
Beim Gedanken daran, steigt mir sofort der Duft von frisch gebackenem Knoblauchbrot in die Nase, ich sehe Kinder quietschvergnügt auf dem hölzernen Karussell ihre Runden drehen, während Gaukler ihre Kunststücke zum Besten geben und Musiker, ihre Gäste zum Tanzen bewegen.
Für alle, die bei ihrem Besuch auf dem Mittelaltermarkt mit ein wenig Sprachwissen glänzen wollen, habe ich sieben Sprichwörter herausgesucht, die ihren Ursprung im Mittelalter haben, aus unserem heutigen Sprachgebrauch aber nicht wegzudenken sind.
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Immer der Nase nach
Dieser Spruch wird heute oft mit angenehmen Gerüchen aus der Küche oder der Bäckerei in Verbindung gebracht, war ursprünglich aber ganz anders gemeint. Im Mittelalter wurde er Händlern und Gauklern auf dem Weg zur nächstgelegenen Burg mitgegeben. Da damals die Fäkalien im Burggraben entleert wurden, waren diese schon auf große Entfernung zu riechen.
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Sich etwas hinter die Ohren schreiben
Im Mittelalter konnten die meisten Menschen weder lesen noch schreiben, mussten aber trotzdem einen Weg finden, Verträge zu schließen. Dies erfolgte meist mündlich unter der Anwesenheit von Zeugen. Da man sich Ereignisse in Verbindung mit Schmerzen besser merken kann, zogen die Vertragspartner ihren Zeugen an den Ohren oder ohrfeigten sie bei Vertragsabschluss.
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Jemanden dahin wünschen, wo der Pfeffer wächst
Pfeffer galt im Mittelalter als exotisches Gewürz und war wegen seines langen Transportweges kostbar und teuer. Er wurde aus Indien importiert, was für die Menschen damals unglaublich weit entfernt war. Jemanden, den man möglichst nie wieder zu Gesicht bekommen wollte, wünschte man sich deswegen am liebsten dorthin.
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Jemandem etwas anhängen
Wer sich im Mittelalter strafbar machte, bekam ein Zeichen seines Vergehens um den Hals gehängt. Dann trugt beispielsweise ein Dieb den gestohlenen Gegenstand, Trinker eine Flasche und streitende Frauen einen Besen.
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In der Kreide stehen
Damals wie heute bedeutet „In der Kreide stehen“, dass man jemandem Geld schuldet. Im Mittelalter hingen Kreidetafeln in Wirtshäusern, an denen notiert wurde, wenn ein Gast seine Rechnung nicht bezahlt hat. Das sollte nicht nur die Säumigen an ihre Schulden erinnern, sondern auch andere Gäste zur Einsicht rufen. So lange man seine Schulden nicht beglich, stand man somit in der Kreide.
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Etwas aus dem Ärmel schütteln
Die Menschen trugen damals Kleider mit sehr weit geschnittenen Ärmeln. Somit konnte man diese auch als Taschen benutzen, beispielsweise Geld oder Papiere darin verstauen und Dinge ganz leicht aus dem Ärmel herbeizaubern.
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Einen Zahn zulegen
Diesen Spruch bekamen früher oft die Köche zu hören, wenn sie sich bei der Zubereitung der Speisen beeilen mussten. Die Töpfe hingen damals an gezackten Eisenschienen über dem Feuer. Wenn man „einen Zahn zulegte“, also die Töpfe eine Zacke tiefer hängte, war das Essen näher am Feuer und wurde schneller gar.
Informationen
31. Mittelalterlicher Pfingstmarkt zu Braunschweig
Vom 14. bis 16. Mai 2016 auf dem Burgplatz
Marktzeiten: 11:00 bis 22:00 Uhr, am Pfingstmontag bis 19:00 Uhr
Eintritt: Erwachsene 5 Euro; ermäßigt 3 Euro; Kinder unter zwei Braunschweiger Ellen (114 cm) frei
(Beitragsbild: Foto: Braunschweig Stadtmarketing GmbH / Frank Sperling)
Stefanie Fichte
Hallo Thomas Ostwald,
vielen Dank für den Tipp, die Seite werde ich mir bei Gelegenheit anschauen.
Mit freundlichen Grüßen
Stefanie Fichte
Thomas Ostwald
Eine sehr schöne Sammlung von alten Redewendungen. Noch mehr findet man übrigens hier: http://www.mittelalter-kontor.com/cms/redewendungen-sprichwoerter-redensarten.htmlne