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Hoffentlich wird es ein Café

Als Schatten steht an der Wand Kaffeehaus.

Ich bin spät dran. Nicht nur jetzt auf dem Weg zum Kaffeehaus, sondern auch mit meinem Besuch dort im Allgemeinen. Seit Anfang April gibt es das Kaffeehaus im ehemaligen Graffiti schon, doch ich mache mich heute zum ersten Mal auf den Weg. Während ich die Sophienstraße entlanghetze, gehe ich im Kopf noch einmal durch, was ich schon über das Kaffeehaus weiß. Freundin A schwärmt von dem Käsekuchen, Freundin B vom Interieur und ein Bekannter holt sich dort oft einen Kaffee zum Mitnehmen, wenn er mit seinem Hund eine große Runde dreht. Und ich will mich jetzt auch überzeugen lassen.

Um Punkt 13 Uhr biege ich um die Ecke, gerade rechtzeitig zu meiner Verabredung mit Sinem und Selcuk Simsek und Evren Songürer. Evren bin ich schon öfter begegnet, meistens als aktiver Teil des Braunschweiger Nachtlebens. Nun traut er sich ins Tagesgeschäft, gemeinsam mit Schwester Sinem und Schwager Selcuk. Mitten in der Corona-Pandemie haben sie ein Café eröffnet, im ehemaligen Graffiti gegenüber der HBK.

Die Kaffeehaus-Atmosphäre: gemütlich und familiär

Während des Lockdowns haben sie den berühmten Laden für Kunstbedarfe umgebaut, haben Wände eingerissen, unzählige Schichten Tapeten abgekratzt und alte Wände freigelegt, die abgehängte Decke entfernt und so einen ganz neuen Raum geschaffen, der luftig und gemütlich zugleich wirkt. Wenn man das Kaffee betritt, steht man direkt vor dem weiß gefliesten Tresen, an der verputzten Wand formen Buchstaben die Getränkekarte. Rechts steht eine lange Tafel, links geht es in den Gastraum, der sich weit nach hinten erstreckt. Alte Holztische, zusammengewürfelte Stühle, hier und da bequeme Cocktailsessel um große Couchtische – die Einrichtung weckt Erinnerungen an Wohnzimmer von Großtanten und ist gleichzeitig modern. In den großen Fensterbänken und im Raum verteilt stehen Pflanzen, die für Heimeligkeit und ein bisschen Privatsphäre sorgen.

Vor einer Theke im Kaffeehaus stehen drei Personen, links und rechts zwei Männer, in der Mitte eine Frau.
Evren, Sinem und Selcuk im renovierten Kaffeehaus. Foto: BSM

„Bei der Einrichtung haben wir darauf geachtet, dass sich hier jeder wohlfühlen kann, erzählt Sinem. „Egal ob die Nachbarn oder Studierende von der HBK, ob junge Familien oder die Bewohner aus dem Altersheim hier um die Ecke. Hier soll sich keiner abgeschreckt fühlen und wir freuen uns über jeden Gast. Deshalb gibt es Platz für Kinderwagen, aber auch ein HBK-Student, der gerade aus dem Atelier kommt, muss sich keine Sorgen machen, dass er hier etwas dreckig macht.“ Und Evren fasst es so zusammen: “ Wir wollen ein nettes, gemütliches, familienfreundliches Café sein, in dem sich jeder etwas leisten kann.“

Ein Teil des Westlichen Ringgebiets

„Als wir eröffnet haben, war ja erstmal nur das To-Go-Geschäft möglich. Das war für uns ein Segen, weil wir nicht überrannt wurden und wir Abläufe optimieren konnten, erzählt Evren von den ersten Wochen im Café. „Schließlich machen wir das zum ersten Mal, auch wenn ich natürlich schon immer Gastgeber war und bin. Statt Rum-Cola verkaufe ich hier Kaffee, aber im Prinzip ist die Gastgeberrolle die gleiche. Wir sind in der Verantwortung unseren Gästen eine gute Zeit zu bescheren. Wenn wir das geschafft haben und wenn sie sich gut aufgehoben und wohlgefühlt haben, dann haben wir unseren Job gut gemacht.“

Für die Familie überraschend hat das Café von Anfang an großen Anklang gefunden. Schon während der Bauarbeiten sind immer wieder Leute aus der Nachbarschaft vorbeigekommen und haben neugierig gefragt, ob es doch „hoffentlich ein Café wird“. „Das hat uns in unserer Entscheidung sehr bestätigt“, erzählt Evren. Natürlich hätten sie sich vorher Gedanken gemacht, ob ein Café hier sinnvoll sei. Aber im Westlichen Ringgebiet hat sich in den letzten Jahren viel getan, hier gibt es viele Familien, viele junge Leute. „Wir wollten Teil dieser Entwicklung sein. Und wussten, dass diese Ecke hier so ein Café braucht und auch verdient. Trotzdem hat uns der gute Zuspruch glücklich gemacht und auch darin bestärkt, dass wir das Richtige tun. Wir können uns wirklich glücklich schätzen, dass wir hier so wohlwollend und herzlich empfangen wurden.“

Ein Tisch vor einem großen Schaufenster.
Etwas Neues, etwas Gebrauchtes … Als Hommage an das Graffiti ist die Holzvertäfelung um das große Fenster zum Cyriaksring geblieben. Foto: BSM

Schritt für Schritt weiter im Kaffeehaus

Mit den Öffnungsstufen ist auch das Café gewachsen. Zum To-Go-Geschäft kamen irgendwann die Außensitzplätze, dann wurde auch der Innenbereich geöffnet. Zum selbstgemachten Kuchen ist am Wochenende Frühstück hinzugekommen. Mittlerweile arbeiten rund zehn Mitarbeiter:innen für die Familie im Service und in der Küche. „Unsere Mutter hält uns in der Küche den Rücken frei, darüber sind wir sehr glücklich“, sagt Sinem und ergänzt, dass die drei das Café auch deshalb so gut „gewuppt kriegen, weil wir als Familie agieren. Es war schon lange unser Traum, dass wir irgendwie zusammenarbeiten. Als Familie deckt man sich ganz anders den Rücken. Wir sind alle füreinander da, das ist toll.“

Hinter der Theke steht eine Frau, die in die Kamera guckt. Auf der Theke stehen verschiedene Kuchen und Gebäckteile. Im Hintergrund macht ein Mann Kaffee an einer Siebträgermaschine.
Jeden Tag gibt es eine Auswahl an selbstgebackenen Kuchen und herzhaften Gebäckteilchen. Die Kuchen wechseln je nach Saison, immer aber gibt es den Käsekuchen und den veganen Apfelkuchen. Foto: BSM

Angeboten wir im Kaffeehaus nur das, was die drei auch selbst gut finden. Und auch hier findet sich das Familiäre wieder. Der Kaffee kommt aus der Braunschweiger Rösterei Leogold, das Brot von Backgeschwister, das Eis von einem Eisladen aus der Südstraße. Die Verbindung in die Stadt ist ihnen wichtig. Ebenso wie die Qualität. Alles wird frisch gemacht. Auch deshalb gibt es zunächst nur am Wochenende Frühstück, irgendwann soll das Angebot auch unter der Woche ausgeweitet werden.

Ideen für die Zukunft gibt es zu genüge, aber die drei wollen sich nicht übernehmen. Schritt für Schritt soll es weitergehen, nichts überstürzt werden. Wenn sie etwas anbieten, dann müssen sie davon überzeugt sein. Diese Leidenschaft für die Sache spüre ich im Gespräch ebenso wie ich sie in der Einrichtung und im saftigen Kuchen wiederfinde. Sofort habe ich mich herzlich willkommen gefühlt. Vielleicht, weil sich viele hier zu Hause fühlen, nicht nur Evren, Sinem und Selcuk. Bis bald, rufen sie sich verabschiedenden Gästen hinterher und auch ich bin mir sicher, dass ich nochmal vorbeischauen werde. Neben dem Käsekuchen gibt es noch so viele andere zu probieren …

Informationen

Kaffeehaus
Cyriaksring 35, 38118 Braunschweig
Di. bis So.: 10:00-18:00 Uhr
Kaffeehaus auf Facebook

Titelbild: Kaffeehaus

3 Comments

  • Natalie

    Antworten
    30.09.2021at15:57

    Sehr nettes Café, super freundliches Personal. Für das westliche Ringgebiet eine große Bereicherung. Als Nachbarn sehen wir täglich wie gut besucht das Kaffeehaus ist. Ich denke das spricht für sich und das Team. Weiter so!! Die hausgemachten Leckereien sind ALLE zu empfehlen…

  • Jakob

    Antworten
    29.09.2021at20:01

    Sehr schönes Café. Immer wieder genieße ich die hausgemachten Spezialitäten. Weiter so!

  • Hacer Averbek

    Antworten
    29.09.2021at12:00

    Immer lächelnde Gesichter und fantastische qualitativ hochwertige Speisen und Getränke.
    Macht weiter so 👍🏼

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