„Liebe zum Krimi, Liebe zum Detail, Liebe zur Logik“

Dirk Rühmann ist Autor der ersten Stunde. Quelle: Braunschweig Stadtmarketing GmbH

Dirk Rühmann ist Autor der ersten Stunde. Quelle: BSM

Bereits seit 2002 jagt Dirk Rühmann seinen Zuhörern bei Mord auf der Oker Schauer über den Rücken. Er wurde 1960 geboren und schreibt seit 24 Jahren Kriminalromane über Braunschweig und Sylt. Wo allerdings Birgit Lautenbach und Hardy Crueger genau planen und recherchieren, bevor sie schreiben und dabei wenig dem Zufall überlassen, geht Dirk Rühmann seine Bücher ganz anders an. Er ist einer, der von der Inspiration gepackt einfach losschreibt – quasi volle Fahrt voraus und mit dem Kopf durch die Wand.

Wie würden Sie Mord auf der Oker beschreiben?
Ich finde, dass Mord auf der Oker eine originelle Veranstaltung ist, die mir Spaß macht, da man immer mit anderen Menschen zusammen kommt und ganz unterschiedliche Fahrten und Reaktionen erleben kann. Es ist auch immer eine Überraschung, wie das Wetter ist und wie sich die ganze Situation entwickelt.

Wie lang sind Sie schon dabei?
Mit mir hat Mord auf der Oker 2002 angefangen. Damals war ich der einzige Autor, im zweiten Jahr gab es dann einen weiteren. Im Laufe der Jahre kamen immer mehr dazu und die Besetzung wechselte auch. Heute sind sechs Autoren bei Mord auf der Oker dabei.

Was war Ihr einprägsamstes Erlebnis bei Mord auf der Oker?
Ein einprägsames Erlebnis war 2003, als an Bord ein Fernsehbeitrag gedreht wurde. Der Dreh ging zwei Stunden, zum Schluss wurde aber nur knapp eine Minute zu Mord auf der Oker gesendet. Ein anderes Mal sind zwei Flöße zusammengestoßen, weil beide Flößer gepennt haben. Das hat zwar fürchterlich gekracht, es ist aber zum Glück nichts passiert.

Wie sind Sie zum Schreiben gekommen?
Ich habe vor 24 Jahren einfach damit begonnen. Ich meinte, ein gutes Thema zu haben und auch, dass ich daraus eine gute Geschichte schreiben kann. Was dabei herauskam, war vermutlich der grauenvollste Murks. Ich hatte dadurch aber die Bestätigung, dass ich so eine Arbeit von Anfang bis Ende durchziehen kann. Das zweite Buch fiel mir schon leichter. Ich habe dann immer weiter geschrieben und jede Geschichte, wie schlecht sie auch war, irgendwie veröffentlicht. So bin ich im Laufe der Jahre immer besser geworden. Wenn ich heute Geschichten von damals lese, frage ich mich oft, wie ich so etwas nur schreiben konnte. Damals wie heute habe ich viele Ideen, sodass ich schnell eine neue Geschichte erfinden kann. Und ich kann sie auch immer nur schnell schreiben, sonst verliere ich den Faden. Es muss dann also sehr schnell aus mir raus und zu Papier gehen.

Was ist das besondere für Sie an einem Krimi?
Dass man menschliche Abgründe und Katastrophen aufzeigen und nach den Gründen dafür fragen kann. Mich interessiert, welche psychologischen Fehlentwicklungen für ein bestimmtes Verhalten verantwortlich sind und wie ein Täter zum Beispiel nach einem Mord weiterleben kann. Und dass das Gute am Ende siegt. Zumindest an dieser einen Stelle für diesen einen Fall.

Wie ist der Weg von der Idee bis zum Buch?
Wenn ich eine Idee habe, setze ich mich hin und fange an. Ich sage dann häufig, ich möchte jetzt weiterschreiben, da ich gespannt bin, wie die Geschichte weitergeht. Die Ideen kommen mir dann  beim Schreiben, was auch dazu führen kann, dass geschulte Leser kritisieren, dass meine Geschichten Brüche haben und ich die Geschichte am Anfang gar nicht zu Ende gedacht habe. Das mag man so sehen, auf der anderen Seite ist es vielleicht gar nicht schlimm, wenn sich die Geschichte beim Lesen anders entwickelt als zunächst vermutet.

Wie sehen Ihre Lesungsfahrten aus?
Ich lese immer Kurzkrimis vor, die etwa 60-80 Minuten in der Vorlesezeit dauern. Somit gibt es auf der 90-minütigen Fahrt zwei kurze Pausen und die Menschen hören eine Geschichte in voller Länge.

Arbeiten Sie aktuell an einem Werk?
Derzeit arbeite ich mit einem jungen Hobbyfilmer zusammen, der mich entdeckt hat und meine Geschichten verfilmt. Wir haben uns eine Krimi-Serie ausgedacht, in deren Mittelpunkt der Hauptkommissar Uwe Sanddorn und seine Kollegin Bianca Droste stehen. Die erste Folge gibt es bereits auf DVD zu kaufen, für die zweite beginnen die Dreharbeiten demnächst. Die Mitwirkenden sind überwiegend Amateure und es steht kaum Budget für professionelle Lichttechnik zur Verfügung. Die Aufnahmen sind dafür, wie ich finde, trotzdem relativ professionell.

Haben Sie Vorbilder unter den Autoren oder gibt es besondere Werke, die Sie inspirieren?
Das ist ganz unterschiedlich. Das liegt nicht immer am Autor, sondern oft auch an einer guten Idee, die ich dann gerne aufgreife und weiter ausbaue. Im vergangenen Jahr habe ich einen Roman geschrieben, der von einer Geschichte meines Kollegen Rütters inspiriert wurde. Er hat vor etwa zwei, drei Jahren über eine merkwürdige Mordserie aus dem vorherigen Jahrhundert geschrieben. Ich habe diese wahre Geschichte in die Gegenwart übertragen und neu erfunden. Jungen zwischen sechs und zwölf erfrieren einfach im bitterkalten Wald und man kann keine Gewalteinwirkung feststellen. Eine Mutter lässt nicht locker und geht immer wieder zu Kommissar Sanddorn. Der nimmt sich des Falls an und stößt auf parallele Fälle. Sie fangen an, eine Spur zu verfolgen und merken, dass sie kein Phantom sondern einen grauenvollen Serienmörder jagen.

Was sind drei Dinge, die man zum Krimi-Schreiben mitbringen sollte?
Die Liebe zum Krimi, die Lust am Puzzeln, um aus vielen, vielen Teilchen eine ganze Story zu machen. Das ist unheimlich schwer und hier können viele Fehler passieren, wenn man nicht schnell schreibt. Dann vergisst man, was man schon geschrieben hat und Handlungen wiederholen sich. Außerdem muss man eine Liebe zur Logik haben. Also dass das, was man zerlegt, sich am Ende auch wieder logisch zusammensetzt. Zusammenfassend: Liebe zum Krimi, Liebe zum Detail, Liebe zur Logik.

Informationen

Termine: freitags, samstags und sonntags um 20 Uhr
Zusatztermine: Juni bis August: samstags um 19 Uhr
Treffpunkt: OkerTour Anleger, John-F.-Kennedy-Platz/
Kurt-Schumacher-Straße, direkt an der Brücke
Dauer: ca. 1,5 Stunden
Mindestteilnehmerzahl: 15 Personen
Preis: 18 € pro Person bei öffentlichen Lesungen
Gruppen ab 18 Personen: 18 € pro Person

Termine für die Lesungen von Dirk Rühmann:

Samstag, 9.5.
Freitag, 15.5.
Freitag, 22.5.
Samstag, 23.5.
Freitag, 29.5.
Samstag, 6.6.
Samstag, 20.6.*
Samstag, 4.7.
Samstag, 11.7.
Freitag, 24.7.
Samstag, 22.8.*
Samstag, 29.8.
Samstag, 5.9.
Samstag, 19.9.

*Zusatztermin 19 Uhr

Tickets für Mord auf der Oker können auf Braunschweig.de oder in der Touristinfo, kleine Burg 14, gebucht werden.

 

(Artikelbild: BSM / okerland-archiv)

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