„Es wird reihenweise gemordet“

Birgit Lautenbach ist 1948 in Hamburg geboren und als Kind oft umgezogen, bis sie während des Studiums in Braunschweig ihre Heimat fand. Als pensionierte Lehrerin schreibt sie gemeinsam mit ihrem Mann Kriminalromane.

Wir haben uns im Café Christho’s verabredet und ich bin gespannt, was Birgit Lautenbach im Vergleich zu Hardy Crueger über ihre Arbeit für Mord auf die Oker erzählen wird. Werden sich die Antworten ähneln oder völlig unterschiedlich sein? Während unseres Gesprächs erfahre ich, dass auch Birgit Lautenbach zu den strukturierten Schreibern gehört. Es scheint doch eher ein Vorurteil zu sein, dass alle Autoren chaotische Köpfe sind. Ihre Begeisterung für Krimis lässt sich schlussendlich in einem einzigen Satz ausdrücken: Es kann jeden treffen.

Wie würden Sie Mord auf der Oker beschreiben?
Als Kult. Ich habe 2005 angefangen. Ich freue mich schon auf den Start der Saison. Mord auf der Oker ist für mich die erfolgreichste Veranstaltungsreihe, die es in Braunschweig gibt. Ich persönlich mag den unmittelbaren Kontakt zum Publikum: Zu sehen, wie die Leute aufnehmen, was ich zu bieten habe. Und meistens macht es auch einfach nur Spaß.

Wie ist das Feedback vom Publikum?
Mehrheitlich und mit großem Abstand ist die Reaktion positiv. Es gibt aber auch Gäste, die unzufrieden sind. Einmal habe ich sogar eine Frau erlebt, die nach einer halben Stunde aussteigen wollte. Das war ihr alles zu grausam und zu schrecklich, sie hatte etwas Heiteres erwartet. Also hat sie tatsächlich die Hosenbeine hochgekrempelt, Schuhe und Strümpfe ausgezogen, sich möglichst dicht ans Ufer fahren lassen und ist vom Floß ins Wasser gestiegen und ans Ufer gelaufen. Aber ansonsten finden’s die Leute sehr gut.

Sie schreiben mit Ihrem Mann zusammen. Wie kann man sich das vorstellen, wie schreiben Sie zu zweit an einem Buch?
Das beginnt damit, dass wir gemeinsam eine Idee erarbeiten. Die trägt dann den ganzen Roman. Jeder schreibt seine Teile, die gemeinsam durchgesprochen und überarbeitet werden. Das schlussendliche Zusammenfassen macht mein Mann. Er bearbeitet allgemein eher die Teile, in denen es um harte Aspekte wie Handlung und Tempo geht. Ich betrachte die psychologische Seite, das Hineinversetzen in die Charaktere.

Wie gehen Sie beim Schreiben eines Buches vor?
Ganz am Anfang, bevor wir losschreiben, entsteht eine Art Storyboard. Wir kleben weiße Blätter wie ein Leporello aneinander. In die Mitte kommt eine Linie. Unten steht der Handlungsfortgang und oben stehen die auftretenden Personen und Einzelheiten wie Landschaftsbeschreibung oder Beschreibung von Ereignissen, die nicht unmittelbar zur Handlung gehören. Das wird dann abgearbeitet. Es überrascht mich immer wieder, wie genau sich dieser Plan tatsächlich wiederfindet. Es gibt tatsächlich auch Autoren, die schreiben einfach drauf los und wissen auch noch gar nicht, worauf das hinaus laufen soll. Ich kenne einen Krimiautoren, der sagt, er fängt an und weiß am Anfang noch nicht einmal, wer der Täter ist. Für mich wäre das nichts. Ich muss schon wissen, wie es am Ende ausgeht.

Arbeiten Sie aktuell an einem Werk?
Ja, an dem Text für Mord auf der Oker für diese Saison.

Also erscheinen Ihre Texte nicht als Buch, sondern werden direkt nur für Mord auf der Oker geschrieben?
Ja. Anfangs war das so, dass ich bei Mord auf der Oker aus unseren Romanen gelesen habe. Das heißt, ich musste viel zusammenstreichen, um den Hörern während der Fahrt eine ganze Geschichte erzählen zu können. Irgendwann bin ich bei Recherchen auf einen Serientäter gestoßen, der hier in der Gegend seine Taten begangen hat. Im niedersächsischen Staatsarchiv in Wolfenbüttel lagen die Prozessakten.Ich habe recherchiert und eine Geschichte geschrieben, die genau in die 90-minütige Floßfahrt passt. Ich hatte das Gefühl, die Gäste mögen es, wenn die Geschichte aus einem Guss ist. Natürlich werde ich oft gefragt, wo man die Geschichten kaufen kann und es ist schade, dass die Mord auf der Oker-Texte nicht veröffentlicht werden. Aber  dafür sind sie auch nicht vorgesehen. Es ist ja aber auch schön, wenn die Gäste die Geschichten nur bei Mord auf der Oker erleben können. Diese Saison geht es um eine Giftmörderin. Sie kommt allerdings nicht aus Braunschweig, sondern aus Bremen. Und so viel kann ich verraten: Es wird reihenweise gemordet.

Was fällt Ihnen als erstes zu dem Wort „Krimi“ ein?
Dass es jedem passieren kann. Jeder kann Opfer werden und jeder – und das finde ich fast am interessantesten – kann Mörder werden. Was im Krimi beschrieben wird, ist nur vordergründig der Mord. Das, was mich daran tatsächlich fasziniert, auch an diesen wahren Kriminalfällen, ist die Zerstörung des Lebens des Opfers, des Täters, der Familien und Angehörigen. Ein Verbrechen ist die Atomisierung all dessen, was wir gewohnt sind. Angenommen, Sie fahren jetzt nach Hause und erwarten dort die Menschen, die ihnen vertraut sind. Und dann kommen Sie an und im Flur liegt eine dieser Personen als Leiche. Oder Sie stehen plötzlich über einem Toten, den sie selbst umgebracht haben. Stellen sie sich das vor. Ihr Leben wäre von einer Sekunde auf die andere wie explodiert. Und das finde ich spannend.

Zu guter Letzt: Was sind drei Dinge, die ein Krimiautor Ihrer Meinung nach beherrschen sollte?
Denken, die Sprache und Ahnung von Menschen. Er sollte versuchen, zu erfassen, welche Facetten Menschen haben können.

Vielen Dank für das Gespräch.

 

Informationen

Termine: freitags, samstags und sonntags um 20 Uhr
Zusatztermine: Juni bis August: samstags um 19 Uhr
Treffpunkt: OkerTour Anleger, John-F.-Kennedy-Platz/
Kurt-Schumacher-Straße, direkt an der Brücke
Dauer: ca. 1,5 Stunden
Mindestteilnehmerzahl: 15 Personen
Preis: 18 € pro Person bei öffentlichen Lesungen
Gruppen ab 18 Personen: 18 € pro Person

Termine für die Lesungen von Birgit Lautenbach:

Freitag, 1.5.
Samstag, 2.5.
Sonntag, 10.5.
Samstag 13.6.*
Samstag, 20.6.
Freitag, 26.6.
Samstag, 18.7.*
Sonntag, 26.7.
Freitag, 31.7.
Freitag, 7.8.
Sonntag, 9.8.
Freitag, 14.8.
Samstag, 15.8.
Sonntag, 6.9.

*Zusatztermin 19 Uhr

Tickets für Mord auf der Oker können auf Braunschweig.de oder in der Touristinfo, kleine Burg 14, gebucht werden.

 

(Artikelbild: BSM)

Hinterlassen Sie einen Kommentar

© Braunschweig Stadtmarketing GmbH (BSM)