Auf Wolkenkratzern spazieren

Ich balanciere auf dem Arm eines Baukrans und kämpfe mit meinem Gleichgewicht. Ein Blick nach unten, in die schwindelerregende Tiefe, verrät mir, dass ich jetzt nicht fallen darf. Mir wird heiß, ich atme schnell und bekomme ein bisschen Panik. Vorsichtig setze ich einen Fuß vor den anderen, arbeite mich langsam weiter auf dem dünnen Metallgerüst vor – plötzlich stürze ich ab.

Schnell schiebe ich mir die Virtual Reality Brille hoch – ich stehe auf festen Boden. Das war verrückt.

Kunst für alle

Einmal im Jahr findet an der Hochschule für Bildende Künste in Braunschweig der „Rundgang“ statt. An diesen Tagen können Neugierige und Kunstliebhaber die Hochschule besuchen und einen Blick auf die dort angefertigten Arbeiten werfen. Alle Ateliers, Werkstätten und Ausstellungsräume haben dann geöffnet und zeigen verschiedenste Arbeiten von Studierenden. Täglich wird eine Führung angeboten, bei der mir ausgewählte Werke in Ruhe erklärt werden. Wer lieber auf eigene Faust die Räume erkunden möchte, kann sich im Internet einen eigenen Rundgang zusammenstellen. Dort sind alle Programmpunkte mit einer Erklärung aufgeführt und können nach Vorlieben gefiltert und gemerkt werden. Das probiere ich gleich aus!

Der persönliche Rundgang

Die Hochschule für Bildende Künste Braunschweig. Foto: BSM/Sascha Gramann

Die Hochschule für Bildende Künste Braunschweig. Foto: BSM/Sascha Gramann

Zunächst muss ich mich erst mal entscheiden, welche Bereiche ich mir überhaupt anschauen möchte. Von Fotografie über Malerei, Theater und Skulpturen bis hin zu Klangkunst, Lesungen und Diskussionen stehen viele spannende Themen zur Auswahl. Mich persönlich interessieren am meisten die Bereiche Fotografie, Film/Video und Digitale Medien.

Kunst aus dem Automaten

Im Bereich Fotografie werde ich auch gleich aufmerksam: Eine Fotoausstellung des 2. Semesters für Visuelle Kommunikation trägt den Namen „LOST PLACES“, ich klicke auf Merken. Verlassene Orte fand ich schon immer faszinierend und freue mich schon darauf, sie im richtigen Licht fotografisch eingefangen zu sehen. Auch spannend finde ich den Kunstkasten der HBK, den ich beim Rundgang ausprobieren kann: Optisch sieht er wie ein alter Kaugummiautomat aus, aber in ihm stecken viele kleine studentische und freie Arbeiten, von Comic bis Druckgrafik, die ich mir gegen einen kleinen Preis von vier Euro erwerben kann. Dafür muss ich einfach nur mein Geld in den Automatenschlitz stecken und schon bin ich stolze Besitzerin eines Kunstwerks – ist das nicht toll? Übrigens: Die Kunstkästen sind auch an einigen Punkten in der Innenstadt zu finden.

Film ab!

Weiter geht es im Bereich Film/Video, mit zwei Programmpunkten. Ich merke mir eine Filmvorführung am Samstagabend, bei der „SYSTEM ERROR – Wie endet der Kapitalismus“ von Florian Opitz gezeigt und im Anschluss eine Diskussion dazu geführt wird. Im Beschreibungstext erfahre ich, dass es um die Besessenheit der Menschen vom Wirtschaftswachstum geht, obwohl unser Planet eine Belastungsgrenze erreicht hat und warum wir trotzdem nichts dagegen tun. Dass Kunst nicht nur schön anzusehen ist, sondern auch wichtige Themen und Fragen unserer Gesellschaft visualisieren und ergründen kann, finde ich faszinierend und freue mich schon auf den Filmabend.

Über den virtuellen Wolken

Ohne Virtual Realiy Brille ein langweiliger Parcour – mit jedoch eine echte Prüfung für die Nerven. Fotos: Matthias Hüttmann.

Nun aber zurück zu meiner Einleitung, denn ein Projekt habe ich schon im Vorhinein genauer ergründen dürfen: Das Studio Digitale Medien mit „Walk atop a Skyscraper“ von Matthias Hüttmann. Sein Projekt beschäftig sich mit der Frage, wo die Grenze zwischen virtueller und echter Realität verläuft und wie real man die virtuelle Welt wirken lassen kann. Besucherinnen und Besucher des Rundgangs können das Projekt selber ausprobieren: Ausgestattet mit einer Virtual Reality Brille gilt es, sich im Raum von einem Startpunkt zum Ziel zu bewegen. Auf dem Boden sind flache Hindernisse angebracht, die dabei überwunden werden müssen – das sieht erst einmal recht einfach aus.

Als ich die Brille dann aufsetze, bin ich sofort fasziniert. Aus dem langweiligen Hindernisparcours sind echt Kräne und Gebäude in schwindelerregender Höhe geworden. Die Darstellung wirkt dabei so real, dass ich sogar vergesse, dass ich eigentlich in der HBK auf festem Boden stehe. Wie mein virtuelles Abenteuer weiter ging, haben Sie ja schon oben gelesen – es war wirklich spannend!

Sie können das Projekt während des Rundgangs in Raum 120 im Gebäude 1 in den Zeiten zwischen 14:00 und 18:00 Uhr ausprobieren. 

Wenn Sie auch mal auf einem Kran spazieren wollen oder neugierig sind, was sich sonst noch hinter den Türen der Kunsthochschule versteckt, dann schauen Sie doch beim Rundgang vorbei. Ihr persönliches Programm können Sie schon jetzt hier erstellen.

Informationen

HBK Rundgang Open Studios
Hochschule für Bildende Künste
Johannes-Selenka-Platz 1
38118 Braunschweig
Nicht alle Programmpunkte sind auf dem Campus zu finden, eine Übersicht aller Ausstellungsorte finden Sie hier.

Öffnungszeiten

Donnerstag, 5. Juli: 18:00 – 22:00 Uhr (18:00 Uhr Weidenhof, Eröffnung mit Musik und Aktionen)
Freitag bis Samstag, 6. bis 7. Juli: 10:00 – 20:00 Uhr
Sontag, 8. Juli: 12:00 – 18:00 Uhr

Titelbild: In schwindelerregenden Höhen balancieren – dank Virtual Reality. Foto: Matthias Hüttmann

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