Rausreden war gestern – jetzt wird gemacht!

Eines Tages! Wie oft erwischen Sie sich dabei, dass ein Projekt daran scheitert, dass es einfach zu teuer oder schwierig umzusetzen ist? Ich möchte zum Beispiel schon lange einen niedrigen kleinen Tisch bauen. Nur kann ich nicht so gut mit Holz umgehen und wenn ich muss, finde ich noch mehr gute Gründe, weiter unkreativ auf dem Sofa zu bleiben. Eines Tages, so hoffe ich, kommt bestimmt die perfekte Gelegenheit …

Jetzt ist alles möglich

Das Protohaus ist leicht zu finden - vom Ring aus einfach in den Rebenpark abbiegen. Foto: BSM

Das Protohaus ist leicht zu finden – vom Ring aus einfach in den Rebenpark abbiegen. Foto: BSM

Ich fürchte, diese Ausreden halten nun nicht mehr stand. Denn ich war im Protohaus zu Besuch und muss sagen: Alles ist möglich! Hier habe ich wirklich für jedes Material Werkzeuge und Maschinen zur Verfügung. Vor allem aber ist das Protohaus eine freundliche Bastler-Gemeinschaft, in der jeder – auch ganz ohne Vorkenntnisse – beim Werkeln unterstützt wird. Uns seien wir ehrlich: Oft ist auch einfach das Unbekannte als Hürde genug.

Aus Problem mach Start-Up

Die Lounge im Protohaus lädt zum kreativen Austausch, Kaffeetrinken oder einfach Quatschen ein. Foto: BSM.

Die Lounge im Protohaus lädt zum kreativen Austausch, Kaffeetrinken oder einfach Quatschen ein. Foto: BSM

Die große Unbekannte aus der Welt zu schaffen, das war die Idee der beiden Gründer des Protohauses Chris Töppe und Frithjof Hansing. Mit Chris Töppe und Inga Stang, die im Protohaus für die Kommunikation, Events und vieles mehr zuständig ist, sitze ich in der Werkstatt am Rebenring auf selbstgebauten Palettenmöbeln, der Protohaus-Lounge. „Ich hatte das Bedürfnis während meines sehr theoretischen Maschinenbaustudiums etwas Praktisches zu machen, Hand anzulegen, Ideen zu verwirklichen. In der Uni war das aber kompliziert – so habe ich angefangen, mein WG-Zimmer in eine Werkstatt umzubauen.“ Genau vor diesen Herausforderungen stand sein Mitgründer Frithjof Hansing auch. Chris Töppe löste die Situation pragmatisch: „Ich habe das Telefon in die Hand genommen und einfach herumtelefoniert.“ Ich habe das Gefühl, dieses ganze Protohaus möchte mir meine Illusionen zerstören, wie schwer es ist, etwas zu machen, zu unternehmen, zu verändern.

Inga Stang setzt im Protohaus gerne Nähprojekte um. Foto: Protohaus

Inga Stang setzt im Protohaus gerne Nähprojekte um. Foto: Protohaus

Das FabLab-Konzept

Chris Töppe, einer der Mitbegründer des Protohauses. Foto: Protohaus

Chris Töppe, einer der Mitbegründer des Protohauses. Foto: Protohaus

Seit über zwei Jahren gibt es das Protohaus nun schon. Es wird gefördert von der Stadt Braunschweig und ist ein rein gemeinnütziges Projekt. Inspiriert wurden die Gründer übrigens von dem Konzept des FabLabs, das ursprünglich am MIT (Massachusetts Institute of Technology) entstand. Die Idee ist so einfach wie genial: Offene Werkstätten ermächtigen Bürgerinnen und Bürger, selbst etwas zu erschaffen. Chris Töppe sagt dazu: „Es ist wichtig, dass wir der Bürgerschaft die Möglichkeit geben, kreative Erfinder zu sein,“ und spricht von einer „Demokratisierung der Produktionsmaschinen.“ Das hört sich erst mal sperrig an, aber so wird es anschaulich: Ein Student, der sich einen teuren 3D-Drucker nicht erst kaufen muss, sondern ihn im Protohaus zusammen mit vielen anderen modernen Maschinen vorfindet, ist deutlich im Vorteil. „Es hat sich gezeigt, dass FabLabs den Freiraum bieten, in dem Leute gemeinsam arbeiten können: StartUps gründen, kreative Ideen umsetzen“, berichtet Chris Töppe und muss auch schon wieder zurück an die Arbeit eilen. Inga Stang zeigt mir jetzt erst einmal die Werkstätten – denn darum geht´s hier schließlich!

Da geht das Bastler-Herz auf

Ein Blick in den Werkbereich des Protohauses. Foto: BSM

Ein Blick in den Werkbereich des Protohauses. Foto: BSM

Im Werkunterricht war ich gut. Mein Brieföffner ist wirklich scharf geworden, noch heute mache ich damit meine Post auf. Aber so wirklich zuhause fühlte ich mich zwischen Holzspänen und dem metallenen Geruch der Werkzeuge nie. Umso toller finde ich es nun, das Inga Stang mir die verschiedenen Bereiche so lebendig und an vielen Beispielen zeigt. Wenige Schritte von der Lounge entfernt verwandelte sich der Raum in eine große Werkstatt, die jedes Bastler-Herz aufgehen lässt.

Diese drei Buddha-Köpfe entstanden im Protohaus. Foto: BSM

Diese drei Buddha-Köpfe entstanden im Protohaus. Foto: BSM

„Überall gilt, dass gar keine Vorkenntnisse notwendig sind. Man muss einen Einführungsworkshop belegen und darf dann selbstständig arbeiten. Und dann helfen wir uns immer gegenseitig.“ Sie zeigt auf drei bunte kleine Figuren: „Für diese Buddha-Köpfe haben wir eine Form mit dem 3D-Drucker gedruckt.“

Von Stickern und Surfboards

Ich sehe mich in dem Raum um. Gerade arbeiten hier sechs Personen. Das ist übrigens laut Inga Stang ein flauer Tag – es sind schließlich Sommer- und Semesterferien. „Ich nenne sie immer die Drohnenenthusiasten“, sagt Inga Stang über die jungen Männer, die gerade an einem Tisch eifrig arbeiten. Sie treffen sich hier regelmäßig und entwickeln ihre Drohnen weiter. Das tagtägliche Nebeneinanderarbeiten, die gegenseitige Hilfe und Inspiration bereichern das Protohaus und sind Teil seines Konzeptes. Auch die Makercommunity Braunschweig trifft sich hier – jeden Donnerstag.

In der Holzwerkstatt des Protohauses entstehen die verschiedensten Dinge. Foto: BSM

In der Holzwerkstatt des Protohauses entstehen die verschiedensten Dinge. Foto: BSM

Es gibt einen Lasercutter, der präzise fast alles schneiden kann, dann erkenne ich von meinem Besuch bei Polarherz  die Siebdruckmaschine wieder, und im E-Lab und Virtual Reality Bereich kann mit Software an leistungsstarken Rechnern gearbeitet werden. Beim zweiten Hinsehen entpuppt sich eine in Klemmen festgeschraubte Holzkonstruktion als Tisch, bei dem gerade der Leim trocknet. Die Holzwerkstatt liegt eine Tür weiter, genau wie die Metallwerkstatt. „Ein tolles Projekt war ein Surfboard, dass eine Frau hier gebaut hat. Mittlerweile hat sie es sogar schon ausgiebig getestet und ist sehr zufrieden“, erzählt Inga Stang. „Aber auch kleinere Projekte von Stickern über Näharbeiten bis hin zu Lampen werden umgesetzt.“ Betten, ein Bienenhotel und viele innovative Projekte entstanden hier schon, wie das von Oliver Witte, bei dem ausgediente Laptop-Akkus zu Stromspeichern werden. Damit war Witte sogar schon im NDR zu sehen .

Reparier´s doch!

Ob etwas Neues schaffen oder Altes reparieren - im Protohaus gibt es vom Lötkolben bis zur Siebdruckmaschine viele Möglichkeiten. Foto: BSM

Ob etwas Neues schaffen oder Altes reparieren – im Protohaus gibt es vom Lötkolben bis zur Siebdruckmaschine viele Möglichkeiten. Foto: BSM

„Machen, Digitales, Umwelt- und Naturschutz, das sind unsere Hauptthemen“, sagt Inga Stang. Als ich nachfrage, was es mit den letzten Punkten auf sich hat, merke ich: In Sachen Nachhaltigkeit hat das Protohaus viel zu bieten. Denn nichts ist verschwenderischer, als ein Produkt einfach wegzuwerfen und ein komplett neues zu kaufen. Besser ist reparieren. Und dazu gibt es hier viele Möglichkeiten: Kopfhörerkabel löten, ein Ersatzteil für die Waschmaschine im 3D-Drucker drucken, Handys reparieren.

So sieht es in einem 3d-Drucker aus. Foto: Protohaus

So sieht es in einem 3d-Drucker aus. Foto: Protohaus

Regelmäßig findet ein Repair Café statt, in dem gemeinsam versucht wird, verschiedene Dinge vor dem Wegwerfen zu retten. Zum Thema Umweltfreundlichkeit gehören auch die Kleidertausch-Partys und verschiedene Workshops rund ums Upcycling . Das Protohaus freut sich außerdem über Sachspenden, aus deren Fundus die Leute in den Werkstätten dann wieder Neues machen können.

High-Tech-Gewächshäuser

Die Gewächshäuser des Projekts Smart Digital Garden. Foto: Protohaus

Die Gewächshäuser des Projekts Smart Digital Garden. Foto: Protohaus

Ein weiteres Anliegen des Protohauses sind Forschungsprojekte. Der Smart Digital Garden ist wohl das Paradebeispiel: Zwei Gewächshäuser werden mit Sensoren ausgestattet auf dem Weg zum Gewächshaus der Zukunft, das in Megastädten auch auf Hausdächern Platz fände. Denn es ist leicht, da es ohne Erde auskommt. Inga Stang führt mich zu den zwei Gewächshäusern, in denen gerade gearbeitet wird. Tomaten und Salat wachsen hier nämlich bereits so erfolgreich, dass bei dem regelmäßig stattfindenden Community-Brunch schon davon gekostet werden kann. Gefördert wird das Projekt Smart Digital Garden von der Stadt Braunschweig, der Braunschweigischen Stiftung, und der Rebenpark hat Land zur Verfügung gestellt.

Loslegen

Lampen gehören zu den beliebtesten Projekten im Protohaus. Foto: BSM

Lampen gehören zu den beliebtesten Projekten im Protohaus. Foto: BSM

Zugegeben: Bevor ich da war, konnte ich mir nicht ganz vorstellen, was dieses Protohaus eigentlich ist. Ich musste feststellen: Das Prinzip ist einfach, aber stark. Einige Beispiele für die vielen kreativen Dinge, die hier schon entstanden sind, können Sie bei Instagram sehen. Ist es nicht wunderbar, all diese Geräte und Werkstätten zur Verfügung zu haben? Ich weiß jetzt jedenfalls, wo ich meinen Tisch umsetzen kann. Nebenbei lerne ich wahrscheinlich viele neue tolle Menschen kennen. Und diesmal schiebe ich mein Projekt wirklich nicht auf, versprochen!

Sie möchten auch im Protohaus aktiv werden? Vielleicht schauen Sie bei einem der zweiwöchentlichen OpenLab Days vorbei. Hier bekommen Sie bei einer Führung durch das Protohaus einen guten Überblick. Oder Sie gehen einfach vorbei, rufen an oder buchen direkt einen Workshop. Inga Stang steht Ihnen für Ihre Fragen zur Verfügung und freut sich auf viele Ideen und Probleme, die gemeinsam im Protohaus gelöst werden können.

Protohaus gGmbH
Rebenring 31
Gebäude A12
38106 Braunschweig
info@protohaus.org
(0531) 34 89 61 70
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Titelbild: Die Holzwerkstatt im Protohaus. Foto: BSM

2 Kommentare zu “Rausreden war gestern – jetzt wird gemacht!

  1. Larissa Schwandt Larissa Schwandt sagt:

    Hallo Manorainjan, vielen Dank für den Hinweis. Wir haben den Fehler inzwischen behoben. Viele Grüße!

  2. Manorainjan sagt:

    Die Bilder der Galerie funktionieren mal wieder nicht …

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