Nostalgie auf zwei Rädern

Das Fahrrad ist mein liebstes Fortbewegungsmittel. Besonders jetzt im Frühling genieße ich die warme Luft, die mir beim in die Pedale treten um die Nase weht. In Gesellschaft macht mir das Radeln besonders viel Spaß. Ihnen auch? Dann sollten sie die Fahrradveranstaltung Velo Classico am 29. April nicht verpassen, denn dort kommen neben Radsportfans auch Vintage-Liebhaber auf ihre Kosten.

Italienisches Lebensgefühl

Inspiriert wurde Velo Classico von dem Fahrradrennen L’Eroica in der Toskana. Die jährlich stattfindende Radrundfahrt mit historischen Rennrädern zieht bereits seit 1997 Radsportbegeisterte an und die Fangemeinde wächst stetig: Im letzten Jahr nahmen knapp 3.000 Menschen teil. Bei der deutschen Version von L’Eroica, der Velo Classico, können nun auch Braunschweigerinnen und Braunschweiger mitradeln. Heute bin ich mit Florian Selig verabredet, der das Radevent zusammen mit seinem Team organisiert und mich in passender Vintage-Kleidung begrüßt. Stolz präsentiert er mir auch sein Fahrrad: Ein Retro-Rad mit antiker Optik. „In den letzten Jahren habe ich die Radtour fotografisch begleitet. Nun freue ich mich, das Event zum ersten Mal auch organisatorisch mitzugestalten“, sagt Florian Selig.

Zeitreise in die Vergangenheit

Florian Selig, Mit-Organisator von Velo Classico, im klassischen Vintage-Outfit. Foto: BSM

Florian Selig, Mit-Organisator von Velo Classico, im klassischen Vintage-Outfit. Foto: BSM

„Unverkennbares Markenzeichen der Velo Classico sind die Vintage-Kleidung und die klassischen Fahrräder. Deswegen ist es wünschenswert, dass sich auch die Teilnehmer entsprechend kleiden“, erzählt mir der Organisator. Der Kleidungsstil des 18. Jahrhunderts zeichnet sich durch aufwendige Verzierungen, Musterungen und helle Farben aus. Bei Männern waren Sakkos aus Tweed im Trend. Diese wurden meist mit spitzenverzierten Hemden kombiniert. Die Frauenmode dieser Zeit wurde von Reifröcken bestimmt, die mit Unterröcken aus Spitze getragen wurden. Darüber trug man ein Oberkleid, welches sich aus einem ausgeschnittenen Leibchen und einem offenen Rock zusammensetzte. Die Schuhe waren häufig aus feinem Leder und ähnlich wie bei den Herrenschuhen mit einer silbernen Schnalle geschmückt. „Zu dieser Zeit war hochwertige Kleidung sehr wichtig“, erzählt mir Florian Selig.

Im 19. Jahrhundert wurde die Kleidung dann nach englischem Vorbild schlichter. Es wurden eher dunkle Farben wie Kastanienbraun oder Grau bevorzugt. Bei Männern und Frauen gleichermaßen beliebt waren die Knickerbocker: Etwa wadenlange Hosen mit weiten Beinen, die aus hochwertigem Leder gefertigt wurden und somit sehr strapazierfähig waren. „Auch Kopfbedeckungen waren zu dieser Zeit sehr beliebt“, sagt Florian Selig. Neben dem Dreispitz schmückte man sein Haupt mit dem Zweispitz oder einem Zylinder.

„Teilnehmer, die nicht von Kopf bis Fuß mit zeitgenössischer Kleidung erscheinen, brauchen natürlich keine Angst haben, von dem Event ausgeschlossen zu werden. Das ein oder andere historische Accessoire ist wünschenswert, aber letztendlich geht es uns bei Velo Classico darum, Gleichgesinnte bei einer abwechslungsreichen Radtour zusammenzuführen“, erklärt mir Florian Selig.

Historische Drahtesel

Bei Velo Classico sind auch Vintage-Fahrräder erwünscht. Foto: BSM

Bei Velo Classico sind auch Vintage-Fahrräder erwünscht. Foto: BSM

Bei der Velo Classico ist neben der Kleidung auch das Mitbringen von zeitgenössischen Fahrrädern erwünscht. „Vintage-Fahrräder gibt es beispielsweise auf Flohmärkten und bei bestimmten Anbietern, die sich auf die Retrosparte fokussiert haben“, erklärt mir der Organisator des Events.

„Dass wir mit der Velo Classico in diesem Jahr in Braunschweig zu Gast sein dürfen, freut mein Team und mich sehr“, verrät mir Florian Selig. Die Löwenstadt ist nämlich nicht nur eine fahrradfreundliche Stadt, sondern auch eine Stadt mit Zweirad-Tradition. Hätten Sie das gewusst? Der Braunschweiger Pionier Heinrich Büssing fertigte in seinem ersten Unternehmen sogar Velocipedes, eisenbereifte Räder mit Tretkurbel, an, die im 19. Jahrhundert zum Verkaufsschlager wurden. Die Werkstätten von Heinrich Büssing gehörten Ende der 1860er Jahre zu den Vorreitern im Fahrradbau.

Die Region erfahrbar machen

Bei Velo Classico ist der Weg das Ziel: Es gibt keine Zeitmessung, keine Rangliste und keine Wertung. Somit kommt es nicht darauf an, die Strecke schnellstmöglich zurückzulegen, sondern vielmehr darauf, das Umland in netter Gesellschaft zu erkunden. „Mit dieser besonderen Radtour möchten wir die Region erfahrbar machen und zwischen den Teilnehmerinnen und Teilnehmern Begegnungen schaffen. So können sie sich beispielsweise darüber austauschen, bei welchen Anbietern es Vintage-Fahrräder oder entsprechende Kleidung zu kaufen gibt“, erzählt mir Florian Selig.

Auf zwei Rädern geht es bei Velo Classico entlang schöner Naturlandschaften der Region. Dabei können die Radlerinnen und Radler zwischen zwei unterschiedlich langen Strecken wählen, deren Startpunkt jeweils am Schloss Richmond liegt. Während die Diamantrunde besonders für Anfänger geeignet ist, eine Strecke von 45 Kilometern umfasst und über Salzdahlum, Atzum und Evessen bis nach Sickte führt, ist bei der 100 Kilometer langen Wolters Runde etwas mehr Ausdauer gefragt. Es geht vom Startpunkt aus über Wolfenbüttel, Hornburg, Königslutter und wieder zurück. Dabei gibt es für die Radfahrer unterwegs Stärkung mit regionalen Produkten. „Bei den Depots bieten wir den Teilnehmerinnen und Teilnehmern regionale Speisen und Getränke an. Wir arbeiten beispielsweise mit der Fleischerei Neubauer und mit der Biobäckerei Evessen zusammen.“ Beide Touren enden am Gelände der Hofbrauerei Wolters, wo ein musikalisches Rahmenprogramm die Veranstaltung ausklingen lässt. „Wer sich besonders in Schale geschmissen hat, wird belohnt: Das schönste Outfit wird im Anschluss prämiert“, verrät mir Florian Selig.

Informationen

Velo Classico am 29. April
Startpunkt: jeweils am Schloss Richmond. Endpunkt: Brauerei Wolters Gelände
Zwei Strecken: Diamantrunde 45 Kilometer, Wolters Runde 100 Kilometer
Anmeldung vor Ort erforderlich

Titelbild: Auf zwei Strecken geht es bei Velo Classico entlang herrlicher Naturlandschaften. Foto: Velo Classico

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