Mehr als Tanzen

„Scherzhaft sagen wir, dass der Silver Club ein Jugendzentrum für Erwachsene ist“, antwortet Sascha Werthschulte auf die Frage, wie er den Silver Club beschreiben würde. „Viele Menschen mit unterschiedlichen Interessen treffen sich hier, manche bleiben den ganzen Abend, einige kommen  nur zu bestimmten Programmpunkt, zur Diskussionsrunde, zur Lesung oder zum Tanzen. Ganz so, wie jeder Lust hat und wo die Interessen liegen. Das ist auch das Ziel des Silver Clubs: Wir wollen einen Raum schaffen, wo Kultur stattfindet, die niemanden ausschließt und offen für alle ist.“

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Foto: Bei der Veranstaltung in der Mensa 2 der Technischen Universität kündigt Sascha Werthschulte den nächsten Programmpunkt an. Foto: Kerstin Lautenbach-Hsu

Sascha Werthschulte ist Mit-Gründer und -Organisator der Silver Club-Veranstaltungen. Seit 2007 gibt es den Silver Club in Braunschweig, geboren wurde die Independentveranstaltung im privaten Kreis. Regelmäßig traf sich Sascha Werthschulte mit einigen Freunden, um über Kunst und Kultur zu diskutieren. Irgendwann kam in der Gruppe die Idee auf, eine öffentliche Veranstaltung zu organisieren, die Kunst und Kultur in Braunschweig fördert und bereichert.

Dabei war es den Freunden wichtig, eine Veranstaltung für alle, unabhängig vom Alter und von der finanziellen Lage, zu etablieren. „Je älter man wird, desto mehr gehen doch die Leute ihren eigenen Weg. Die einen gehen hierhin, die anderen dahin. Die einen können häufiger weggehen, in manchen jungen Familien fehlt einfach das Geld für Kultur. Eine Veranstaltung, bei der man zusammenkommt, sich austauscht und sich trifft, die fehlte in Braunschweig.“ So wurde der Silver Club gegründet, als gemeinnützige Veranstaltung, bei der der Austausch über Themen im Vordergrund steht, aber auch Spaß und Tanzen.

Jede der Veranstaltungen steht unter einem Leitthema, wie zum Beispiel der Silver Club zur Kunst und Kulturfreiheit, bei der das kulturelle Leben in der DDR im Mittelpunkt stand. Eine andere Veranstaltung gab Singer/Songwritern aus der Region eine Plattform, eine weitere widmete sich dem Thema Eintracht, und damit war nicht nur Eintracht Braunschweig gemeint.

Silverclub

Das Foto aus 2012 zeigt die Diskussion der Veranstaltung „fbz reloaded“. Daraus resultierte die Initiative „Neues FBZ“, aus der der KufA e.V. entstand. Knapp drei Jahre später findet der Silver Club im neuen Heim des KufA e.V. statt. Foto: Kerstin Lautenbach-Hsu

Das Thema des kommenden Silver Clubs am 16. Januar 2014 lautet „Marktplatz der Möglichkeiten“. Hier präsentieren sich soziale Gruppen, die Braunschweiger Band Nightcreatures nimmt uns mit auf eine musikalische Reise in die Pop&Wave-Welt und Videokünstlerin Alisa Berger zeigt ihr neuestes Werk. Beginnen wird der Abend ganz ungewöhnlich mit einer Varieté-Show, enden ganz klassisch mit einer Tanzparty. Das sind alles mögliche Optionen, die im K67 demnächst ebenfalls passieren könnte. Außerdem diskutieren Kulturdezernentin Dr. Anja Hesse, Dr. Elke Flake als Vertreterin des Landesarbeitsgemeinschaft Soziokultur Niedersachsen und Heike Blümel als Leiterin der DRK-Kaufbar in einer Präsentation über die Notwendigkeit eines sozio-kulturellen Zentrums in Braunschweig. Genau genommen betreibt der Silver Club also Öffentlichkeitsarbeit für die Themen, die er aufnimmt. Eine ziemlich coole Öffentlichkeitsarbeit, mit Musik und Bier – meinetwegen könnte es davon mehr geben. Aber im Ernst: Der Silver Club erreicht eine Öffentlichkeit, die einzelne Projekte oftmals nicht erreichen können.

Dabei darf nicht vergessen werden, dass der Silver Club von einer Gruppe von Freunden organisiert wird, die damit nichts verdienen. Und auch nicht verdienen wollen. Ganz im Geiste der Independentbewegung ist es ihr Ziel, zu zeigen, dass wenn alle zusammen etwas erarbeiten, mit wenigen Mittel viel erreicht werden kann.

Derzeit kümmern sich im Kernteam 15 Menschen um den SilverClub, weitere 15 helfen bei der Durchführung der Partys zum Beispiel als Thekenkräfte mit. Erdacht, organisiert, gebaut wird dabei fast alles selbst: von der Idee über die Suche eines geeigneten Veranstaltungsortes, der Erstellung des Programms, der Werbung und dem Aufbau bis hin zur Thekenschicht, dem Sicherheitsdienst und der Moderation. „Der Silver Club möchte zeigen, dass all das möglich ist. Dass man nicht immer Geld in die Hand nehmen muss, sondern Ideen in die Hand nimmt und Leute davon begeistert“, so Sascha Werthschulte.

Bild 1_Anja Sniehotta_Jugendkirche April 2014

Ein besonderer Ort für den Silver Club war die Jugendkirche im April 2014. In besonderer Atmosphäre wurde bis in die frühen Morgenstunden getanzt. Foto: Anja Sniehotta

Der Silver Club versteht sich als eine Kunst- und Kulturförderung ohne Gewinnabsicht und auch ohne finanzielle Förderung. Frei von Sponsoring zu sein, bedeutet für die Organisatoren auch frei denken zu können. „Man sollte auch über das Unmögliche nachdenken, um auf das Mögliche zu kommen“, zitiert Sascha Werthschulte seinen Uni-Professor. Trotzdem gibt es natürlich Unterstützung in Form von Sachspenden oder Beratung, ohne die eine solche Veranstaltung nicht möglich wäre. Es kann also sein, dass der Vermieter des Veranstaltungsraumes keine Miete erhebt oder ein Getränkehersteller die Thekenanlage kostenfrei zur Verfügung stellt.

Was auffällt: Der Silver Club ist in der ganzen Stadt vernetzt. Ob mit der freien Kulturszene oder mit der Hochschule für bildende Künste, ob mit dem Kulturdezernat oder mit einem kleinen sozialem Verein, mit fast allen kulturellen Akteuren der Stadt ist er in Gesprächen und versuchet mit ihnen gemeinsam etwas zu bewegen. Genauso wie auch der Silver Club in Bewegung bleiben wird. Aus dem Anspruch, die kulturelle Vielfalt Braunschweigs zu zeigen, ergibt sich auch die Notwendigkeit, immer auf der Suche nach neuen Themen, neuen Orten und neuen Künstlern zu sein.

Wie viele andere Gäste hat der Silver Club auch mich längst begeistert. Zugegeben, ich war öfter zum Tanzen dort als zu den Diskussionen, aber es reizt mich gerade, dass ich mir aus der Veranstaltung das herauspicken kann, was mich interessiert. Hinzu kommt friedliche, respektvolle und gleichzeitig ausgelassene Atmosphäre unter den Gästen: Vielmehr ist der Silver Club eine Feier unter Freunden als eine anonyme Veranstaltung. Da nimmt auch schon einmal ein Gast einen Besen in die Hand und kehrt das heruntergefallene Bierglas weg. Und genau das macht den Charme einer Independentveranstaltung aus.

(Artikelbild: Anja Sniehotta)

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