Alle/s auf/s LAUT

Heiko Bruhn ist 24 Jahre alt, trägt ein Basecap, eine schwarzrahmige Brille und Piercings im Gesicht. Er absolviert seit April 2015 sein Anerkennungsjahr als Sozialarbeiter im Kulturpunkt West. Dort treffe ich ihn, um mit ihm über sein erstes großes Projekt zu sprechen: das Weststadt LAUT Festival. Sieben Bands treten am 28. August 2015 im Garten des Kulturpunkt West auf, außerdem gibt es ein Tanzzelt mit elektronischer Musik und alles, was ein Festival sonst noch braucht, von Kickertischen bis hin zu leckerem (veganen) Essen und kühlen Getränken.

Heiko Bruhn und ich setzen uns in das Lesezimmer des Kulturpunkt West, in dem eine Tauschbibliothek untergebracht ist. Es ist warm, draußen im Garten spielen ein paar Kinder mit einem Wasserschlauch. Wir einigen uns schnell auf das Du.

Heiko Bruhn vom Kulturpunkt West organisiert das LAUT Festival. Foto: BSM

Heiko Bruhn vom Kulturpunkt West organisiert das LAUT Festival. Foto: BSM

Bevor wir zu dem Festival kommen, erzähl‘ mir kurz, wie Du im Kulturpunkt West gelandet bist. Kommst Du aus Braunschweig?
Heiko Bruhn: Nein, ich hatte vorher keine große Beziehung zur Weststadt. Ich komme ursprünglich aus Lübeck. Für das FSJ bin ich nach Berlin gegangen und habe mich da für ein Jahr als Streetworker in Neukölln getummelt. Danach ging es für mich nach Wolfenbüttel zum Studium. An der hiesigen Fachhochschule im Studienbereich Soziale Arbeit ist es so, dass man nach dem Bachelorabschluss noch ein einjähriges Berufspraktikum absolvieren muss, um die staatliche Anerkennung als Sozialarbeiter zu erlangen. Weil ich mich zum Ende des Studiums schon sehr auf die Praxis gefreut habe, habe ich mich dafür entschieden, dieses Anerkennungsjahr direkt nach dem Studium zu machen. Hier im Kulturpunkt West läuft das in Teilzeit auf zwei Jahre gestreckt. Das hat seine Vorteile. So kann ich Projekte, wie zum Beispiel das Festival, langfristig begleiten, auswerten und überlegen, was man im nächsten Jahr besser machen kann.

Was sagst Du zu den Vorurteilen, die der Weststadt nachgesagt werden?
Heiko Bruhn: Ich selbst hatte keine Vorurteile, da ich nicht aus der Ecke komme und bisher keine großen Berührungspunkte mit der Weststadt hatte. Ich habe das eher in den Reaktionen von anderen gemerkt: „Oh, Weststadt!? Ja, hm.“ Dabei empfinde ich das ganz anders. Klar, hier stehen ein paar Hochhäuser mehr als andernorts, aber allein die Vielzahl an engagierten Mitbürgern, die ich hier schon erlebt habe, zeigt mir, dass die Weststadt mehr ist, als Außenstehende vielleicht denken.

Das hört sich sehr überzeugt an. Welche Aufgaben übernimmst Du denn hier während Deines Anerkennungsjahres?
Heiko Bruhn: Meine Aufgaben sind sehr vielfältig. Es ist ein großer Batzen an Presse- und Öffentlichkeitsarbeit für die Projekte und Veranstaltungen im Kulturpunkt West, auch um die Erstellung der Plakate und die Druckaufträge kümmere ich mich. Ich kann aber auch eigene Projekte planen. Meine ersten sind die Trendsportwoche, in der wir für Jugendliche Workshops mit erfahrenen Trainern anbieten, und das Weststadt LAUT Festival. Hier in der Weststadt gibt es außerdem, wie schon erwähnt, unglaublich viele engagierte Gruppen, mit denen wir kooperieren. Da ist es meine Aufgabe, bei Sitzungen dabei zu sein und mitzuhelfen.

Kommen wir zum LAUT Festival. Von der Idee bis zur Umsetzung, wie lief´s?
Heiko Bruhn: Es gibt unglaublich viel zu beachten, wenn man ein Festival plant. Ich arbeite nebenbei ehrenamtlich im Jugendzentrum B58 und organisiere da mit anderen im Team Konzerte mit allem Drum und Dran. Von daher ist mir das nicht ganz fremd, obwohl das Festival schon mehr Arbeit macht. Aber es macht auch Spaß, ich kann mich selbst stark mit einbringen. Unsere Leiterin Andrea Götte gibt uns angenehm viel Freiraum, steht aber auch jederzeit für Hilfe und Rückfragen zur Verfügung.

Selbst einbringen, heißt das auch bei der Zusammenstellung der Künstler?
Heiko Bruhn: Ja, die Musikerauswahl habe ich mehr oder minder alleine übernommen und habe versucht, dabei eine möglichst bunte Mischung zu gewährleisten. Auf jeden Fall wollte ich das Elektrotanzzelt mit anti aesthetik zusammen machen. Ein regionales Künstlernetzwerk, das es zu unterstützen gilt. Die Bands und DJs sind alle aus Braunschweig und der Umgebung – denen dürfte man schon mal begegnet sein, wenn man sich auf Konzerten öfter umschaut.

Was erwartet die Besucher musikalisch?
Heiko Bruhn: Rapflection eröffnen das LAUT auf der Bühne. Ihnen folgen Phil Hutzon, Avaengard, Goats Rising, Rascal, Uptown Earl und Jonny S & the Gäng. Von Hip Hop über Punk bis Pop und ein bisschen Metal ist also alles dabei. Zwischen den Bäumen stellen wir das Tanzzelt auf, richten Liege- und Sitzmöglichkeiten ein. Wir haben zum Glück sehr freundliche Nachbarn mit dem Gewerbeaufsichtsamt, das uns ebenfalls einen Teil seines Gartens zur Verfügung stellt.

Außer den Künstlern habt ihr aber noch weitere lokale Partner mit im Boot …
Heiko Bruhn: Ja, auf einem Festival sollte man auch etwas Essbares anbieten. Dafür werden Micky & Molly sorgen. Außerdem unterstützt uns das Kinder- und Jugendzentrum Rotation mit einem Techniker und Equipment. Viva con Agua Braunschweig beteiligt sich mit einem Informations- und Aktionsstand und Kickpack stellt uns einige ihrer Kickertische und Tischtennisplatten aus Karton zur Verfügung.

Gab es mal einen Punkt, an dem Du gedacht hast: Das wird nix?
Heiko Bruhn: Nein, eigentlich nicht. Ich bekam nur kurz Panik, als wir die Veranstaltung auf Facebook erstellt haben. Da gab es einen Zulauf in einer Geschwindigkeit, die mich dann wirklich überrascht hat. Es waren in den ersten 24 Stunden um die 200-300 Zusagen. Als ich sah, wie viele man über das Internet erreichen kann, dachte ich, wenn das jetzt so weiter steigt bis zur Veranstaltung, habe ich hier ein riesiges Problem und weiß gar nicht, wie ich den ganzen Leuten verklickern soll, dass sie nicht alle reinkönnen. Es freut mich zwar, dass die Veranstaltung so eine große Resonanz hat, aber es tut mir natürlich um jeden leid, der nicht reinkommt, falls es eng wird. Wir haben uns dann im Laufe der Planungen auf der Basis der Auflagen, die es für unseren Veranstaltungsort zu beachten gibt, für eine maximale Zuschauerzahl von 500 Leuten entschieden.

Dann hoffen wir, dass genau 500 Leute kommen. Vielen Dank für das Interview und viel Erfolg beim LAUT!

Früh da zu sein, lohnt sich also. Einlass ist ab 15 Uhr, der Eintritt frei. Bevor ich das Donauviertel wieder verlasse, zeigt mir Heiko Bruhn noch kurz den Garten, in dem das Festival stattfindet. Lauschig, mit viel Grün und hohen Kiefern. Noch ein Grund, am 28. August der Weststadt einen Besuch abzustatten.

Informationen

LAUT Festival
umsonst und draußen
28. August 2015, 15 – 22 Uhr
Ludwig-Winter-Straße 4, 38120 Braunschweig

(Artikelfoto: Veranstaltungsplakat, Kulturpunkt West)

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