Auf der Spur: Braunschweiger Straßennamen

Welche Persönlichkeiten stecken eigentlich hinter den Straßennamen der Löwenstadt? Der aufmerksame Passant hat sicher schon die Hinweise entdeckt, die unter den Straßenschildern platziert sind und die eine kurze Info über den Namensgeber liefern. Und auch meine Kollegin hat Ihnen bei einem Stadtrundgang schon einmal eine Auswahl an Straßennamen und den Personen dahinter vorgestellt. Jetzt möchte ich mehr über die berühmten Persönlichkeiten erfahren, deren Namen die Straßen trage, die ich tagtäglich passiere. Also begebe ich mich auf Spurensuche.

Herzog Friedrich-Wilhelm

Das Reiterstandbild vor dem Residenzschloss erinnert an den Herzog Friedrich Wilhelm. Foto: BSM / Gerald Grote

Das Reiterstandbild vor dem Residenzschloss erinnert an den Herzog Friedrich Wilhelm. Foto: BSM / Gerald Grote

Die Friedrich-Wilhelm-Straße kenne ich wie meine Westentasche, schließlich habe ich hier einige Jahre gewohnt. Ich mag die Straße und den angrenzenden Friedrich-Wilhelm-Platz: ein belebter Knotenpunkt mit Bars, Cafés und Verweilmöglichkeiten. Doch ich muss zugeben, dass ich mich nie wirklich gefragt habe, welche Bedeutung Herzog Friedrich Wilhelm für die Löwenstadt hat. Wer war der Mann, dem nicht nur eine Straße, sondern auch das imposante Reiterstandbild vor dem Residenzschloss gewidmet wurde? Friedrich Wilhelm kam 1771 als vierter Sohn des Herzogs Carl Wilhelm Ferdinand zur Welt. Nach dem Tod seines Vaters wurde er 1806 Regent des Fürstentums Braunschweig. Doch dies nur auf dem Papier, denn Napoleon schlug das Fürstentum dem inzwischen neu gegründeten Königreich Westphalen zu. Zum Held wurde Friedrich Wilhelm, als er im Jahr 1815 zusammen mit Braunschweiger Soldaten erfolgreich für die Befreiung des Fürstentums Braunschweig kämpfte. Er fiel während des Gefechts gegen Napoleon in Quatrebas bei Waterloo. Heute begegnet uns der schwarze Herzog dank des Straßennamens und der Statue auf dem Schlossplatz immer wieder im Alltag

Druckfrisch: Georg Westermann

Die Büste Heinrich Büssings steht im Braunschweigischen Landesmuseum. Foto: Wikimedia Commons. Malchen53, Braunschweigisches Landesmuseum.

Die Büste Heinrich Büssings steht im Braunschweigischen Landesmuseum. Foto: Wikimedia Commons. Malchen53, Braunschweigisches Landesmuseum.

Welche Erinnerungen haben Sie an Ihre Schulzeit? Streiche, Spiele auf dem Hof oder die Fahrt im Schulbus – ja, das alles kommt mir auch in den Sinn, wenn ich daran zurückdenke. Und ich werde garantiert nie die Erdkundestunden vergessen, in denen es hieß „Atlas raus!“ und ich meinen gefühlt drei Kilo schweren Atlas mit der markanten Aufschrift „Westermann“ auf den Tisch legte. Unvergessen auch das Durchblättern eines neuen Buchs zum Schuljahresbeginn, wenn die Seiten noch frischgedruckt dufteten. Der Name Westermann zierte viele weitere meiner Lehrbücher und zog sich wie ein roter Faden durch die Schulzeit. Der Westermann-Verlag hat seinen Sitz in Braunschweig und so verwundert es nicht, dass vor dem großen Verlagsgebäude das Straßenschild mit der Aufschrift „Georg-Westermann-Allee“ steht. Als Georg Westermann im Jahr 1869 in der Löwenstadt das Licht der Welt erblickte, war sein späterer Werdegang fast schon vorprogrammiert. Die Liebe zu Büchern und dem Verlagswesen wurde ihm in die Wiege gelegt, denn schon sein Vater und sein Urgroßvater führten erfolgreich den Westermann-Verlag in Braunschweig. Auch heute noch ist das markante rote Logo auf vielen Schulbüchern zu finden und sorgt in den Köpfen für lebhafte Erinnerungen an die Schulzeit.

Rollender Familienbetrieb: Heinrich Büssing

Made in Braunschweig: Hinter der Marke Büssing steckt echte Familientradition. Heinrich Büssing gründete 1903 die Büssing AG, die sich fortan zu einem der größten Anbieter von Omnibussen und LKWs in Europa entwickelte. Die Fahrzeuge mit dem unverkennbaren Markenzeichen, dem Löwenemblem, begegnen einem regelmäßig im Straßenverkehr. Zufall oder nicht? Der Heinrich-Büssing-Ring verbindet die Innenstadt mit den stadtauswärtsführenden Straßen, wo Busse und LKW ja bekanntlich ihr Zuhause haben.

Dieses Gemälde zeigt die Herzogin Anna Amalia mit ihren beiden Söhnen. Foto: Wikimedia Commons

Dieses Gemälde zeigt die Herzogin Anna Amalia mit ihren beiden Söhnen. Foto: Wikimedia Commons

Wie Musik im Ohr: Herzogin Anna Amalia

Sie liebte die Musik und spielte Klavier, Harfe, Flöte, außerdem war sie Sängerin und Komponistin. Ein echtes musikalisches Talent eben. Im Jahre 1739 in Wolfenbüttel geboren, wuchs Anna Amalia als fünftes von 13 Kindern am Braunschweiger Hof auf. Ihre Eltern, Herzog Carl von Braunschweig-Wolfenbüttel und Herzogin Philippine Charlotte nahmen die Bildung ihrer Tochter sehr ernst. So wurde Anna Amalia von Lehrern des Collegium Carolinium, der späteren Technischen Universität Braunschweig, unterrichtet. Schon mit zarten 16 Jahren verließ sie jedoch mit ihrem Gatten Herzog August Constantin die Löwenstadt und zog nach Weimar. Braunschweig hinterließ sie ihren wohlklingenden Namen, der auf dem Straßenschild hinter dem Residenzschloss zu finden ist.

Quantensprung für die Wissenschaft: Max Planck

Es steht außer Frage: In Braunschweig wird Wissenschaft großgeschrieben. Im Jahr 2007 wurde die Löwenstadt auch offiziell dafür ausgezeichnet und so feiern wir in diesem Jahr „10 Jahre Stadt der Wissenschaft“. In so einer forschungsorientierten Stadt verwundert es nicht, dass der berühmte Physiker Max Planck Namensgeber einer Straße in der Löwenstadt ist. Seine Formeln mögen zwar den ein oder anderen im Physikunterricht zur Verzweiflung gebracht haben, doch seine Erkenntnisse waren bahnbrechend: Er gilt als Begründer der Quantenphysik und erhielt dafür im Jahr 1919 den Nobelpreis für Physik.

Übrigens: Das Projekt „Bildung im Vorübergehen“ der Bürgerstiftung Braunschweig unterstützt die flächendeckende Ausstattung der Straßenschilder mit Zusatzschildern. Mit einer Spende von 100 Euro realisiert die Bürgerstiftung Braunschweig in Kooperation mit der Stadt ein Unterschild nach Wahl der Spenderinnen und Spender.

Titelbild: Die Friedrich-Wilhelm-Straße ist heute eine belebte Straße zu jeder Tageszeit. Foto: BSM

Kommentar zu “Auf der Spur: Braunschweiger Straßennamen

  1. Manorainjan sagt:

    Das Gemälde der Herzogin Anna Amalia mit ihren beiden Söhnen ist von Anna Rosina de Gasc gezeichnet worden, wie man auf der Beschreibungsseite
    https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Anna_Amalia_von_Braunschweig-Wolfenbuettel_1773-74.jpg
    sehen kann.

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