Besser leben mit Permakultur!

Almut Siewert ist Organisatorin und Mit-Dozentin der Workshop-Reihe „Besser leben mit Permakultur“. In diesem Gastbeitrag möchte sie den Braunschweigerinnen und Braunschweigern das ganzheitliche Permakultur-Konzept nahe bringen.

Ein ganzheitliches Konzept erobert Braunschweig: Derzeit wird Permakultur vor allem in der Garten-Szene der Stadt als DER Ansatz für „noch ökologischeres Gärtnern“ und Selbstorganisation heiß gehandelt. Doch nicht nur in Braunschweig ist diese Entwicklung zu beobachten – sondern in ganz Deutschland, Europa, weltweit. Trotz ihrer großen Beachtung hat sich die Permakultur bei uns aber nur langsam bekannt gemacht.

Das soll jetzt besser werden. Aus dem wohl ältesten Permakultur-Projekt der Stadt heraus, dem Gemeinschaftsgarten „JugendUmweltPark“ (ökoscouts e.V.) im Westlichen Ringgebiet, hat sich inzwischen eine kooperative Workshop-Reihe entwickelt, die den Braunschweigerinnen und Braunschweigern an drei Terminen die wichtigsten Grundlagen der Permakultur vermitteln möchte. Unter dem Titel„3 x Garten. 3 x Permakultur. 3 x Braunschweig.“ kommen wir jeweils im JugendUmweltPark, einem weiteren Permakultur-Gemeinschaftsgarten, dem „Institut für Urbane Botnik e.V.“ (mit Permakultur-Designerin Sonja Lepper) und/oder dem Urban Gardening-Projekt und Bildungsort „Stadtgarten Bebelhof“ zusammen. Dabei wollen wir uns mit den wichtigsten Permakultur-Schwerpunktthemen beschäftigen.

Die meisten Lösungen gibt es schon …

… wir haben nur noch nicht den Mut gefasst, sie umzusetzen! Diese Überzeugung ist mein ganz persönliches Motiv, die Permakultur und ihre Potenziale in Braunschweig bekannt zu machen. Denn sie bietet letztlich Lösungen – dabei kann sie noch viel mehr als ökologisches Gärtnern. Die hier angewandten Ethiken, Handlungsprinzipien und Planungsmethoden sorgen nicht nur für eine verbesserte Qualität natürlicher Systeme („Earth Care“) – auch der sozioökonomische Situation („People Care“ und „Fair Share“) innerhalb der Gesellschaft wird entsprechend Rechnung getragen. So steht der Begriff heute auch für „permanente Kultur“, also für ein dauerhaft funktionierendes, gesellschaftliches Zusammenleben. Diese ganzheitliche Denkweise deckt sich vom Prinzip her mit den drei Säulen der Nachhaltigkeit, die ebenfalls bereits in den 1970er Jahren formuliert wurden. Der Australier Bill Mollison, „Vater der Permakultur“, erhielt bereits 1981 den alternativen Nobelpreis für seine Leistungen um diese „Gestaltung einer besseren Welt“.

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„Die Schatzinsel“ wird der Gemeinschaftsgarten des Instituts für urbane BOTNIK e. V. genannt. Foto: Almut Siewert

Definitionen von Permakultur

Für mich persönlich hat Permakultur verschiedene Gesichter: Zum einen bietet sie besagte Grundsätze auf denen ein gewisses Lebensgefühl – oder Gefühl für das Leben – basiert. Dabei erinnert sie mich daran, dass ich die eigenverantwortliche Gestalterin meiner Lebensumstände, und meiner Umwelt bin. Und daran, dass ich durch die Einhaltung gewisser Prinzipien sowie Gestaltungsarbeit das Ergebnis für meine kooperative Umwelt und Gemeinschaft – sowie nicht zuletzt mein Leben – beeinflussen kann. „Sein statt Haben!“, lautet dabei mein Motto. Die praktische, lebensweltliche Bedeutung betont auch das Permakultur Institut e.V., das von „einer weltweiten Bewegung“ spricht (Permakultur Institut e.V., 2018).

Die Worte von Mollison-Schüler David Holmgren klingen – ebenfalls nicht zu Unrecht – wissenschaftlicher, doch mit ähnlicher Aussage: „Permakultur ist ein konzeptioneller Rahmen für nachhaltige Entwicklung, die ihre Wurzeln in der Ökologie und Systemtheorie hat. Ihre Verwurzelung in vielen verschiedenen Kulturen und Kontexten zeigt jedoch ihr Potenzial, durch die Aufnahme sehr praktischer und selbstbefähigender Lösungen zur Entwicklung einer weitverbreiteten Kultur der Nachhaltigkeit beizutragen“ (Holmgren, 2013). Ferner führt er aus: „Permakultur ist (…) eine grundsätzliche Herangehensweise, die die Dynamiken natürlicher Prozesse vom Design bis hin zur technischen Umsetzung konstruktiv zu nutzen versucht. Sie ist zugleich eine Philosophie wie eine Reihe sozialer Praktiken, Techniken und ethischer Normen. Sie möchte sicherstellen, dass alle lebenden Systeme gesund bleiben und gedeihen können. Das gelingt nur, wenn wir Menschen die Natur als ganzheitliches System erkennen. (…)“ (Holmgren, 2015) „Dabei sollten wir uns bewusst sein, dass überall um uns herum komplexe, sich selbst organisierende Systeme präsent sind. Sie sind Teil unseres Alltags: zum Beispiel in der Ökologie, der Soziologie, und der Ökonomie (…)“. (Max-Planck-Gesellschaft, 2010). Mit all diesen Themen möchten wir uns in unserer Workshop-Reihe gemeinsam beschäftigen – mit unterschiedlichen Schwerpunkten sowie in angemessener Tiefe.

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Im westlichen Ringgebiet wurde bereits 1993 der „JugendUmweltPark“ angelegt – ein Permakulturprojekt für Jugendliche und Junggebliebene. Foto: Almut Siewert

„3 x Garten. 3 x Permakultur. 3 x Braunschweig.“

Die Permakultur-Workshops finden in der Gartensaison 2018 an drei sich ergänzenden Terminen in den einzelnen Gemeinschaftsgärten statt. Wir wollen uns mit Betrachtungsweisen und Gestaltungswerkzeugen in den verschiedenen, hochkomplexen Mensch-Umwelt/Garten-Systemen auseinander setzen. Dabei werden die Veranstaltungen im Laufe der Saison immer mehr praktische Anteile haben. Die Workshops können grundsätzlich sowohl in Serie als auch einzeln besucht werden. Die Termine und Schwerpunktthemen sind:

1. Institut für Urbane Botnik e.V. Soziale Permakultur: Sa, 09.06.2018; 10:00-17:00
(Sonja Lepper)

* theoretische Grundlagen der Permakultur
* Gestaltung in komplexen (sozialen) Systemen
* generelle Permakultur-Methodik

2. JugendUmweltPark (JUP) Ökologische Permakultur: Sa, 11.08.2018; 10:00-17:00
(Andreas Möller & Almut Siewert)

* 12 Handlungsprinzipien aus ökologischer Sicht
* Naturverständnis; Mensch-Umwelt-Systeme
* JUP als „gute Praxis“: Permakultur-Planung in 5 Schritten

3. Stadtgarten Bebelhof Permakultur-Planungsprozesse: Sa, 29.09.2018; 10:00-17:00
(Sonja Lepper, Andreas Möller & Almut Siewert)

* das menschliche Element: Selbstorganisation von Gruppen
* Naturverständnis; Mensch-Umwelt-Systeme
* Stadtgarten als „Versuchslabor“ für Permakultur-Planung
* Räumliche und Ökonomische Analysen
* geleitete Abschlussdiskussion

Es gibt aktuell noch freie Plätze, die allerdings aufgrund knapper Garten-Ressourcen begrenzt werden müssen. Falls Sie teilnehmen möchten, senden Sie Ihre Anmeldung bitte unter Angabe Ihres Alters ausschließlich an mehrpermakultur@gmx.de – eine Bestätigung und alle Details folgen ggf. bis spätestens einen Tag vor dem jeweiligen Termin per E-Mail.

Dank der freundlichen Unterstützung der Kampagne „mehr>weniger – Nachhaltigkeit für Braunschweig“ sowie ehrenamtlicher Helferinnen und Helfern ist die Teilnahme für Sie kostenlos!

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Gastautorin Almut Siewert erklärt, was Permakultur für sie bedeutet. Foto: Almut Siewert

 

Autorin: Almut Siewert

Almut ist Diplom Geographin sowie Umwelt- und Garten-Aktivistin.

An Braunschweig mag sie besonders die vielen Gärten und Parks sowie die Menschen, die sich selbst und andere auf positive Art und Weise bewegen.

 

 

 

Titelbild: Regionales Gemüse, Obst, Kräuter und verschiedene Zierpflanzen: Der 2015 gegründete Stadtgarten Bebelhof lädt zum Mitgärtnern ein. Foto: Almut Siewert

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