360 Grad Open Air-Energie

Im Theater meist nicht so beliebt sind die Szenen, in denen das Publikum plötzlich Teil des Bühnengeschehens wird. Richtet ein Schauspieler seinen Blick forsch in die Zuschauerreihen anstatt darüber hinweg zu schauen, rutschen insbesondere die vorne liegenden Parkettplätze ein wenig tiefer in die Sitze und suchen mit einer Beharrlichkeit genau jetzt nach einem Taschentuch, als hinge ihr Leben davon ab. Angesprochen zu werden, halten die meisten Zuschauer noch aus, aber gar etwas sagen oder auf die Bühne?!

Kommt Ihnen das bekannt vor? Falls ja, empfehle ich Ihnen, eine der Vorstellungen des diesjährigen Burgplatz Open Airs „Hair“ zu besuchen und eine neue Seite an sich zu entdecken. Die mitreißenden Melodien, die Farben, die Kostüme, das Bühnenbild und der Spirit der sechziger Jahre durchdringen Haut und Haar bis in die Zellkerne. Diagnose: infiziert, Symptome: unablässiges Mitsummen und Mitwippen. Mitsingen ist natürlich auch erlaubt, zum Beispiel mit Nathalie Parsa, die die weibliche Hauptrolle der Sheila spielt. Der Lebenslauf der Deutsch-Französin zeigt, wie sehr sie für die Bühne brennt: Ausbildung unter anderem am Royal Conservatoire of Scotland … Schauspiel, Tanz, Gesang … Stepptänzerin und Choreografin … Musical-Revuen … deutsche Erstaufführung Flashdance. Über diese Person muss ich mehr erfahren.

Frau Parsa, ich falle mal mit der Tür ins Haus: Wie haben Sie sich für „Hair“ vorbereitet?

Sie spielt die weibliche Hauptrolle Sheila: Natalie Parsa. Foto: Natalie Parsa

Nathalie Parsa, die die weibliche Hauptrolle in „Hair“: Sheila. Foto: Nathalie Parsa

Nathalie Parsa: Zuerst waren es Filme und Bücher zum Thema. Es geht thematisch ja um die Protestbewegung gegen den Vietnamkrieg in den USA der 1968er Jahre. Mir war wichtig, etwas über den Hintergrund des Stückes zu erfahren, um so meine Figur besser kennenzulernen. Interessant war es auch, Produktionen an anderen Standorten anzusehen. Am Gärtnerplatz Theater München, Theater Magdeburg oder aber am Landestheater Coburg, wo Nedime Ince, eine gute Freundin und Kollegin, die Sheila gespielt hat. Sie war neben meinem Gesangslehrer auch eine Inspiration.

Was hat Ihnen bisher an der Rolle am meisten Spaß bereitet?

Nathalie Parsa: Besonders schön war es, die Stücke gesanglich zu erarbeiten und der Rolle dadurch eine Persönlichkeit zu geben. Das ist immer auch mit Herausforderungen verbunden, was mir persönlich viel Spaß macht. Auch die Rolle der Sheila trägt dazu bei. Sie kämpft für Gerechtigkeit, was mir auch in meinem privaten Leben ein wichtiges Anliegen ist.

Was erwartet die Zuschauer mit „Hair“? Sagen wir, beschrieben in drei Wörtern.

Nathalie Parsa: Kontrovers, impulsiv, energetisch.

Und welche Rolle spielt da der Aufführungsort?

Nathalie Parsa: Spannend für mich ist es natürlich, Open Air aufzutreten. Der Burgplatz ist ein toller Ort dafür. Die Zuschauer sitzen sehr nahe und 360 Grad rund um die Bühne. Das ist etwas Besonderes, da die Energie, die sich aus dem Stück heraus ergibt, so noch besser transportiert werden kann.

Apropos Energie: Was lieben Sie an Ihrem Beruf?

Nathalie Parsa: Kein Tag gleicht dem anderen und es gibt im viele unabsehbare Situationen, die ein sehr lebendiges Leben mit sich bringen.

Wie kann ich mir Ihren Arbeitsalltag vorstellen?

Nathalie Parsa: Es gibt einige Abläufe, die sich wiederholen. Ich trainiere täglich und bereite Rollen vor, aber im Grunde muss ich immer spontan reagieren. Ich unterrichte selbst. Da kann schnell mal ein Anruf kommen, ob ich einspringen kann. Auch für Vorsprechen und Castings muss ich sehr häufig in andere Städte fahren. Flexibilität ist hier sehr wichtig.

Zum Abschluss ein kleines Ergänzungsspiel: Wenn die Premiere von HAIR am 13. August über die Bühne gegangen ist, werde ich …

Nathalie Parsa: … mit meinen Kollegen feiern.

Ich mag an Braunschweig …

Nathalie Parsa: … die kurzen Wege von A nach B, die Parks und das Magniviertel.

Vielen Dank für das Interview und toi, toi, toi für die Premiere!

Gespielt wird „Hair“ vom 13. bis 31. August, für zwei Vormittagsvorführungen können Sie noch regulär Karten kaufen, ansonsten heißt es an der Abendkasse auf Restkarten hoffen.

Tipps für unsichere Wetterlagen: Bitte keine Regenschirme mitbringen, die nehmen den anderen Zuschauern die Sicht. Besser sind Regencapes, gegen einen kleinen Beitrag werden auch welche vor Ort verkauft. Leichter Regen ist kein Grund, dass die Vorstellung ins Wasser fällt. Ich selbst habe vor zwei Jahren West Side Story bei Regen, dafür aber mit eine großartige Leistung der Darsteller gesehen. Egal, was der Himmel bringt, trällern Sie fleißig mit und seien Sie Teil eines klingenden Regenbogens, der sich über den Burgplatz spannt: Leeet the sunshine, leeeeet the sunshine in, the suuunshine iiiin!

 

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